13. Oktober 2016, 08:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Das kleine Einmaleins des Mietrechts

Das Mietrecht ist ein komplexes juristisches Gebilde. Regelmäßige Urteile des Bundesgerichtshofes machen es noch unübersichtlicher. Dazu kursieren viele Gerüchte, Irrtümer und Halbwahrheiten über das Mietrecht. Ein Überblick über die wichtigsten Rechte und Pflichten für Mieter und Vermieter. Gastbeitrag von Gordon Gross, Haus & Grund

Das kleine Einmaleins  des Mietrechts

Ein nicht selten gehörter Kommentar ist: “Ich zahle doch Miete. Da will ich in meiner Wohnung auch tun und lassen können, was ich will.” Vermieter und Mieter haben oft sehr unterschiedliche Vorstellungen und Interessen bei den Fragen der Verantwortung und welcher Geldbeutel dafür herhalten muss.

Mieterauswahl: Damit der Vermieter später keine böse Überraschung erlebt, sollte er vor Beginn des Mietverhältnisses alle wichtigen Informationen vom Mieter einholen: Angefangen bei der Solvenzauskunft, einem Gehaltsnachweise, gegebenenfalls einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, einer Kopie des Personalausweises und einer Mieterselbstauskunft.

Dazu muss der Vermieter darauf achten, dass alle Personen, die Mieter werden und als Vertragspartner in den Mietvertrag aufgenommen werden sollen, bei der Wohnungsbesichtigung dabei sind. Nur so kann verhindert werden, dass es hinterher zu unnötigem Streit kommt und der Mietvertrag eventuell widerrufen wird. Sollten bei dem Besichtigungstermin nicht alle Personen dabei gewesen sein, empfiehlt es sich, gegebenenfalls einen zweiten Besichtigungstermin zu machen, an dem alle zukünftigen Vertragspartner anwesend sind.

Mietverträge: Vermieter sollten Mietverträge erst kurz vor Abschluss des Mietvertrages erwerben und immer die neuesten Mietvertragsmuster verwenden, damit sie sicher sein können, dass die neueste Rechtsprechung bereits in die Mietverträge eingearbeitet ist.

Miethöhe und Mieterhöhungen: Jeder Mietinteressent will wissen, was die Wohnung kosten wird. Als Vermieter sollten sie sich von dieser Frage nicht überraschen lassen, sondern vorher entscheiden, welche Miete sie verlangen wollen und ob sie gegebenenfalls verhandlungsbereit sind. Bei der Vermietung durch einen Makler ist dieser oft bei der Festlegung der Miethöhe behilflich. Wer selbst vermietet, muss eigenständig Informationen über die übliche Miete einholen. Die Miethöhe kann von Vermieter und Mieter grundsätzlich frei vereinbart werden. In vielen Regionen in Deutschland gilt inzwischen die sogenannte Mietpreisbremse.

Dort darf die Miete bei Vertragsabschluss nur maximal zehn Prozent oberhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, es sei denn, die zuvor erzielte Miete war bereits höher, die Wohnung wurde vor der Vermietung modernisiert oder die Wohnung wurde nach dem 1. Oktober 2014 erstmalig genutzt. In Städten oder Gemeinden mit Mietspiegel lässt sich die ungefähre Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete anhand dieser relativ einfach feststellen. Sollte kein Mietspiegel existieren, kann die ortsübliche Vergleichsmiete mittels einer Mietdatenbank, einem Sachverständigengutachten oder anhand von drei Vergleichswohnungen ermittelt werden.

Seite zwei: Staffel- oder Indexmiete?

Weiter lesen: 1 2 3

2 Kommentare

  1. Zum Thema Mietpreisbremse

    Im Zusammenhang mit der Mietpreisbremse wird immer wieder verkannt, dass der Mietspiegel lediglich ein Begründungsmittel für Mieterhöhungen ist, aber gerade keinen Anhaltspunkt für die ortsübliche Vergleichsmiete. Weiterhin ist zu beachten, dass eine unter Verstoß gegen die Mietpreisbremse vereinbarte Miete so lange wirksam ist, bis der Mieter sie rügt. Die zuvor gezahlte Miete hat der Vermieter rechtmäßig empfangen.

    Kommentar von Nadja Wollangk — 31. Januar 2017 @ 08:17

  2. Besser noch als ein Vertragsmuster zu nehmen ist, sich rechtzeitig vor Abschluss des Mietvertrages über dessen Inhalt anwaltlich beraten zu lassen. Denn wenn der Mietvertrag trotz aktuellstem Muster eine unwirksame Klausel enthält, weil der BGH wieder seine Rechtsprechung geändert hat, kann diese unwirksame Klausel im Nachhinein nicht durch eine wirksame ersetzt werden. Denn einer Vertragsänderung muss der Mieter zustimmen, was er erfahrungsgemäß nicht tun wird.

    Kommentar von Nadja Wollangk — 16. Oktober 2016 @ 07:40

Ihre Meinung



 

Versicherungen

WhatsApp-Party-Einladung kann teuer werden

Bereits zum zweiten Mal hatte ein Jugendlicher per WhatsApp zu einer großen Grillparty aufgerufen. Leider spielte die Polizei da nicht mit und unterband die Veranstaltung auf einem Grillplatz im Landkreis Heilbronn. Zudem kündigte die Beamten an, den finanziellen Aufwand für ihren aufwändigen Einsatz dieses Mal in Rechnung zu stellen. Für die Eltern dürfte der Spaß teuer werden, denn die Privathaftpflicht zahlt nicht.

mehr ...

Immobilien

Straßenausbau: Verband fordert Abschaffung der Beiträge

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat die vollständige Abschaffung der sogenannten Straßenausbaubeiträge gefordert. Dass nur anliegende Grundstückseigentümer zahlen müssen sei nicht nachvollziehbar, sagte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke in Berlin.

mehr ...

Investmentfonds

Aktienrückkäufe im Höhenflug

Immer mehr Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück. 2018 war für die so genannten Share Buybacks ein Rekordjahr, doch vieles spricht für neue Höchstmarken in diesem Jahr. Ein Gastbeitrag von Benjardin Gärtner, Union Investment

mehr ...

Berater

BVK macht weiter Front gegen Provisionsdeckel

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hat angekündigt, weiter gegen den Provisionsdeckel kämpfen zu wollen. Den Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums zur Deckelung der Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen auf 2,5 Prozent der Bruttobeitragssumme sehe man “verfassungsrechtlich weiterhin kritisch”.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Eines der besten Quartale unserer Unternehmenshistorie”

Solvium Capital hat die Vermögensanlage Wechselkoffer Euro Select 5 vorzeitig geschlossen und auch das Angebot Wechselkoffer Euro Select 6 steht kurz vor Schließung. Das Nachfolgeangebot und ein weiteres Konzept sollen in den nächsten Wochen folgen.

mehr ...

Recht

Rente unter Palmen – das müssen Sie wissen

Immer mehr Ruheständler entscheiden sich dafür, ihren Lebensabend jenseits der deutschen Grenzen zu genießen. Was zu beachten ist, damit man im Ruhestandsparadies auch auf die Rente aus Deutschland zugreifen kann.

mehr ...