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15. November 2016, 09:01
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RICS: Zielkonflikte beim Thema “bezahlbares Wohnen”

Politiker aller Parteien fordern mehr bezahlbaren Wohnraum. Oft stehen andere politische Ziele und Vorhaben dem aber entgegen – so eine aktuelle Untersuchung der RICS Deutschland.

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Das Thema Schaffung von bezahlbarem Wohnraum hat in Deutschland deutlich an Relevanz gewonnen.

„Die RICS Deutschland fordert beim Thema ‘bezahlbares Bauen und Wohnen’ einen breiten öffentlichen Diskurs, da bezahlbarer Wohnungsbau im Konflikt mit anderen, meist durchaus begründeten, gesellschaftspolitischen Zielen steht“, führt Martin Eberhardt, Vorsitzender des Vorstands der RICS Deutschland aus. „Die bestehenden Hindernisse auf dem Weg zum bezahlbaren Wohnen sollten zudem aus einer ganzheitlichen Sicht betrachtet werden, da es vielfache Wirkungszusammenhänge gibt.“

Weltweit diskutiertes Thema

Weltweit werde über das Thema „Affordable Housing“ diskutiert, gestritten, philosophiert. Unter der Überschrift „UNHABITAT“ haben die Vereinten Nationen (UN) die Initiative „For a better urban future“ zusammengefasst und die Immobilienwirtschaft weltweit zur Diskussion und Mitwirkung an Konzepten eingeladen.

Die RICS hat das Thema in dem Bericht „Global Affordable Housing Report: Brics Plus Mortar“ aufgegriffen, der von der RICS in Auftrag gegeben und von einem Team der University of St. Andrews, Schottland, erarbeitet wurde.

Über die letzten Jahre habe „Affordable Housing“ auch in Deutschland hohe Relevanz gewonnen. Die ausreichende und kostengünstige Schaffung und Bereitstellung von Wohnraum unterliege dabei häufig dem Wettstreit mit anderen politischen Zielen.

Zielkonflikte untersucht

Die RICS in Deutschland hat zahlreiche Zielkonflikte, die sich bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ergeben, untersucht.

Themen wie Bestandserhalt unter Mietpreisbremse, verschärfte Energieeinsparvorschriften, Nachverdichtung, Wohnimmobilienkreditrichtline oder steigende Grunderwerbssteuern könnten trotz positiver Effekte an anderer Stelle in diesem zentralen Bereich der Volkswirtschaft unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge haben.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Beispiele dafür seien weitere Baukostensteigerungen oder der Verfall von ländlichen Räumen. Daher sei es grundlegend für eine nachhaltige Lösung, die komplexen Zusammenhänge eines heterogenen Marktes zu berücksichtigen.

Es bedürfe einer ruhigen Hand sowie der Fähigkeit, über mehrere Legislaturperioden hinaus die Wirkung bereits ergriffener Maßnahmen abzuwarten.

Für einen langsamen Markt wie die Immobilienwirtschaft, mit Planungszeiten von vielen Jahren, seien kurzfristige Änderungen und Nachjustierungen ein Risiko, da sie zu Unsicherheit und damit verminderter Investitionsbereitschaft führten.

Zentrale Zielkonflikte

Beispielhaft nennt Martin Eberhardt FRICS, folgende Zielkonflikte:

+ „Ebenfalls im öffentlichen Interesse liegen bezahlbare Mieten. Die Kappung von Mieten fördert allerdings den Wohnungsneubau nicht, sondern dämpft ihn. Letztlich wirkt aber bei starker Nachfrage nur ein großes Angebot an neuem Wohnraum nachhaltig preisdämpfend.“

+ „Eine stärkere Bürgerbeteiligung liegt im öffentlichen Interesse. Sie ist ein hohes demokratisches Gut. International und in Deutschland ist aber zu beobachten, dass Neubaumaßnahmen, wie zum Beispiel auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, nach dem Motto ‚not in my backyard’, abgelehnt werden. Dies verhindert die Schaffung von Wohnraum und diskriminiert Wohnraumsuchende und vor allem Bürger, die neu in die Stadt ziehen wollen.“

+ „Der Gesetzgeber hat, um eine hohe Bauqualität zu erreichen und um Verbraucherrechte zu stärken, eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen geschaffen. Dies verhindert auf der anderen Seite eine rasche Umsetzung von Wohnungsbaumaßnahmen und erhöht zudem die Baukosten beträchtlich. Wer, wie in den Niederlanden, die Regelungsdichte abbaut, profitiert von stark sinkenden Baukosten.“

+ „Sinkende Energieverbräuche von Immobilien spielen eine wesentliche Rolle zum Erreichen der CO2-Emissionsziele. Daher engagiert sich die RICS weltweit sehr stark für dieses Thema und fördert globale Standards. Jedoch sind die Energiesparstandards in Deutschland sehr, sehr hoch und belasten besonders das günstige Wohnsegment.“

Öffentlicher Diskurs notwendig

„Derzeit sind die vielen Einflussfaktoren, die ein kostengünstiges Bauen und Wohnen verhindern, auf diverse Politikfelder, Ministerien, Bund, Länder und Kommunen verteilt, so dass die von uns geforderte gesamtheitliche Betrachtung der Zielkonflikte kaum möglich ist. Im Ergebnis kommt das bezahlbare Bauen und Wohnen in Deutschland nicht voran“, so Eberhardt abschließend. „Bürger, Medien und Politik sind aufgefordert, die im Konflikt stehenden Ziele zu erkennen und im öffentlichen Diskurs sorgsam gegeneinander abzuwägen.“ (bk)

Foto: Shutterstock

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