6. September 2016, 09:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Sparkassen: Schärfere Gesetze bremsen Immobilienkreditvergabe

Jüngst verschärfte gesetzliche Vorgaben sorgen laut Sparkassenvertretern für einen Rückgang bei Immobilienkrediten an private Haushalte. Grund sei die EU-Richtlinie für Wohnimmobilienkredite.

34i-GewO-WIKR in Sparkassen: Schärfere Gesetze bremsen Immobilienkreditvergabe

Die verschärften Regelungen der Kreditvergabe der WIKR führen zu einem Rückgang bei der Vergabe von Wohnimmobilienkrediten.

Wenige Monate nach der Verschärfung der Gesetze für Immobilienkredite verzeichnen Sparkassen einen Einbruch der Darlehens-Zusagen. “Bundesweit wurden bei allen deutschen Sparkassen im ersten Halbjahr 2016 rund 8,9 Prozent weniger Wohnungsbaukredite zugesagt als im Vorjahr”, sagte Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands, der “Rheinischen Post” (Montag).

Grund sei die EU-Richtlinie für Wohnimmobilienkredite, die im März in deutsches Recht umgesetzt wurde. Diese enge die Kreditvergabe stärker ein als in anderen europäischen Ländern, sagte Breuer der Zeitung.

Sparkassendachverband bestätigt Rückgang

Ein Sprecher des Sparkassendachverbands DSGV bestätigte den Rückgang. Indes habe die Zahl der vergebenen Kredite an Privatpersonen in absoluter Betrachtung zuletzt auf einem historischen Hoch gelegen.

Das Bundesjustizministerium teilte mit, da die EU-Richtlinie erst im März umgesetzt worden sei, müsse es weitere Ursachen für den Rückgang im ersten Halbjahr geben. Der Behörde lägen verschiedene Rückmeldungen zu dem Gesetz vor. “Auch dürfte die Entwicklung von Standards am Markt noch nicht abgeschlossen sein.”

Genauere Prüfung der Kreditwürdigkeit

Die EU-Vorgabe verpflichtet Banken, die Kreditwürdigkeit von Kunden genauer zu prüfen. Das soll Verbraucher vor wackligen Finanzierungen schützen. So dürfen Banken nur Kredite an Kunden gewähren, deren laufende Einnahmen reichen, um zu Lebzeiten das Darlehen zurückzahlen zu können.

Auch dürfen Banken nicht mehr hauptsächlich darauf zielen, dass die Immobilie selbst eine Sicherheit ist und an Wert gewinnen kann. Das Bundesjustizministerium berät an diesem Dienstag (6.9.) mit Banken und Verbraucherschützern über das Gesetz.

Umsetzung zu streng

Die Sparkassen klagen, die Bundesregierung habe die EU-Richtlinie strenger umgesetzt als nötig. Es fehle ein Satz aus der Vorgabe, wonach die strengeren Regeln nicht bei Kreditverträgen gelten sollen, die zum Bau oder zur Renovierung von Wohnimmobilien dienen. Österreich habe diesen übernommen. “Es darf keine Benachteiligung gegenüber Nachbarn geben”, fordert der DSGV.

Auch der Verband der Genossenschaftsbanken BVR übt Kritik. Er moniert, Banken dürften manche wirtschaftlich vertretbaren Kreditwünsche nicht mehr bedienen. So müssten sie Darlehen für ältere Menschen zum altersgerechten Umbau von Wohnungen ablehnen, wenn die verbleibende Lebenszeit voraussichtlich nicht mehr zur Tilgung reiche, auch wenn mit der Immobilie eine Sicherheit vorliege.

Der BVR fordert daher, dass “der deutsche Gesetzgeber die in der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie möglichen Ausnahmen auch anwendet.”

Verbraucherschützer zeigen sich besorgt

Das Bundesjustizministerium erwiderte, Banken dürften Wertsteigerungen von Immobilien weiter berücksichtigen. Die Prüfung der Kreditwürdigkeit dürfe nur nicht hauptsächlich darauf basieren. “Im Ergebnis besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen der Richtlinienbestimmung und der deutschen Umsetzung.”

Regionale Sparkassenverbände hatten der Deutschen Presse-Agentur bereits im Juli von einem Einbruch der Immobilien-Darlehenszusagen zwischen zehn und zwanzig Prozent berichtet. Auch Volksbanken sprachen von Gegenwind.

Verbraucherschützer hatten sich darüber besorgt gezeigt. “Es ist eine Verunsicherung bei manchen Anbietern von Immobilienkrediten zu spüren”, sagt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Von einem dramatischen Rückgang bei der Vergabe der Darlehen könne aber keine Rede sein. Betroffene sollten sich bei den Verbraucherzentralen melden.

Bundesbank meldet keinen Einbruch

Auch aus Zahlen der Bundesbank lässt sich noch kein Einbruch herauslesen: Von April bis Juni vergaben Banken demnach 3,8 Prozent mehr Wohnungsbaukredite an Private als im Vorjahreszeitraum.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Betriebliche BU: Das ist wichtig beim Arbeitskraftschutz über den Chef

Eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung hat viele Vorteile, doch auch einige Nachteile, die ein Versicherter vor dem Abschluss gut abwägen sollte. Ratsam ist es, immer auch eine private Alternative anzufragen und zu vergleichen, bevor man sich entscheidet, wie ein Ratgeber von IhreVorsorge zeigt.

mehr ...

Immobilien

Streit innerhalb der Union blockiert Mietrechtsverbesserungen

Partei- und länderübergreifend hat der Bundesrat beschlossen, Mietwucher zu verhindern. Aber: Die bayerische Gesetzesinitiative wird von den meisten CDU-Bundestagsabgeordneten abgelehnt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sind sich einig, dass Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen erschwert werden müssen. Aber auch hier: CDU-Bundestagsabgeordnete lehnen die Mietrechtsverbesserungen ab.

mehr ...

Investmentfonds

Mega-Deal: Franklin Templeton kauft Legg Mason

Die Investmentgesellschaft Franklin Templeton erwirbt den Wettbewerber Legg Mason und zahlt 50 US-Dollar je Aktie oder 4,5 Milliarden US-Dollar.

mehr ...

Berater

So teuer wie nie: Trotz Klimapaket steigen die Strompreise

Wer ein Unternehmen führt, muss nicht nur den Stromverbrauch, sondern auch die korrespondierenden Kosten im Auge behalten. Obwohl der Preis für Gewerbestrom grundsätzlich unter dem für Privatkunden liegt, betrifft viele Betriebe die Erhöhung der Strompreise – vor allem kleine und mittelständische Unternehmen tragen gemeinsam mit Privathaushalten einen Großteil der Kosten. In diesem Jahr steigert jeder zweite Grundversorger die Aufwendungen für Energie.

mehr ...

Sachwertanlagen

UDI-Emission “te Solar Sprint IV” vor dem Totalverlust?

Die Emittentin der im Oktober 2016 aufgelegten Vermögensanlage “te Solar Sprint IV” warnt vor der Gefahr eines vollständigen Forderungsausfalls eines ausgereichten Nachrangrangdarlehens. Den Anlegern droht dann wohl der Totalverlust ihres Investments.

mehr ...

Recht

Grundrente für 100 000 Menschen weniger

Weniger Menschen mit kleinen Renten als ursprünglich geplant sollen von der geplanten Grundrente profitieren. Im Einführungsjahr 2021 sollen es 1,3 Millionen Menschen sein – zuletzt war das Bundesarbeitsministerium von 1,4 Millionen ausgegangen. Auf die Rentenversicherung dürften Verwaltungskosten von mehreren hundert Millionen Euro zukommen. Das geht aus dem Referentenentwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

mehr ...