DIW: Bauwirtschaft stützt deutsche Konjunktur

Die Bauwirtschaft stützt die deutsche Konjunktur weiterhin, vor allem der Wohnungsneubau boomt. Die Prognose im Rahmen der Bauvolumenrechnung des DIW Berlin lässt sich erstmals in Neubau- und Bestandsmaßnahmen aufschlüsseln.

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Das Fundament der Baukonjunktur bleibt in Deutschland der Wohnungsbau.

Die Bauwirtschaft bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur in Deutschland: Der neuesten Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge, die im Auftrag des Bundesbauministeriums (BMUB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entsteht, ist die Summe der Bauinvestitionen und nicht werterhöhenden Reparaturen im vergangenen Jahr real um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Das sei das höchste Wachstum seit 2011. Auch für dieses und das kommende Jahr erwartet das DIW Berlin jeweils ein kräftiges Plus in Höhe von 1,6 beziehungsweise 2,4 Prozent. Die zwischenzeitlich etwas geringere Dynamik sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass in diesem Jahr mehr Feiertage auf Werktage fallen.

Wohnungsbau bleibt Fundament der Baukonjunktur

„Das Fundament der Baukonjunktur in Deutschland wird auch künftig der Wohnungsbau sein“, sagt Martin Gornig, Studienautor und stellvertretender Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin.

Das liege vor allem an drei Faktoren: Die Konjunktur in Deutschland läuft gut, die Zinsen für Wohnungsbaukredite befinden sich bei gleichzeitig geringen Renditen auf alternative Anlagen auf einem historisch niedrigen Niveau und in den Ballungsräumen ist Wohnraum knapp.

Neben dem Wohnungsbau trage auch die Bautätigkeit der öffentlichen Hand zum Wachstum des Bauvolumens bei. Mit einem realen Plus von gut vier Prozent werde der öffentliche Bau im Jahr 2017 vorübergehend sogar fast doppelt so stark zulegen wie der Wohnungsbau mit gut zwei Prozent. Gleichwohl seien die öffentlichen Infrastrukturinvestitionen noch immer zu gering, um den Verschleiß zu kompensieren.

„Aktionismus ist bei staatlicher Förderung von Bauinvestitionen fehl am Platze“

Die Pauschale Förderung von Wohnungsneubauten sei nicht unbedingt zielführend. Vor allem aufgrund der hohen Wohnraumnachfrage zeichne sich vielerorts bereits ab, dass die Bauwirtschaft an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten stoße.

„Aktionismus bei der staatlichen Förderung von Bauinvestitionen ist daher fehl am Platze“, warnt Studienautor und DIW-Ökonom Claus Michelsen. Maßnahmen, die den Neubau fördern, dürften derzeit auch aufgrund des knappen Baulandangebots vor allem dafür sorgen, dass die Preise noch schneller steigen.

„Es geht vielmehr darum, gezielte Antworten auf die derzeitige Knappheit auf dem Wohnungsmarkt zu finden. Auch angesichts des demografischen Wandels sollte in wachsenden Städten vor allem auf Maßnahmen wie die Aufstockung von Gebäuden und die Nachverdichtung gesetzt werden, anstelle von Neubauten auf der grünen Wiese. So kann günstiger Wohnraum in gefragten Lagen geschaffen werden“, so Michelsen.

Aufschlüsselung in Neubautätigkeit und Bestandsmaßnahmen

Erstmals konnten Gornig und Michelsen die Prognose des Bauvolumens in Neubauten und Maßnahmen an bereits bestehenden Gebäuden aufschlüsseln. Dabei zeigte sich nach Angaben das DIW, dass vor allem die Neubautätigkeit kräftig wächst, auch wenn die Steigerung nach nominal gut elf Prozent im vergangenen Jahr mit neun Prozent in diesem und weiteren gut sieben Prozent im kommenden Jahr etwas geringer ausfallen dürfte.

Die Lücke würden die Bestandsmaßnahmen füllen,  dafür würden nicht zuletzt die wieder steigenden Energiepreise sorgen, die energetische Sanierungen attraktiver machen. Der starke Ölpreisverfall der vergangenen Jahre habe vor allem in diesem Bereich zu einer erheblichen Investitionszurückhaltung geführt.

Hinzu komme, dass in jüngerer Vergangenheit besonders viele Wohnungen den Besitzer gewechselt haben und sich im Zuge dessen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen aufgestaut hätten. Unter dem Strich dürften die Bestandsmaßnahmen nach nominal drei Prozent im vergangenen und in diesem Jahr im nächsten Jahr dann sogar um fünf Prozent steigen. (kl)

Foto: Shutterstock

 

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