Einzelhandel: Modebranche vor dem Umbruch

Die Anforderungen der Kunden an den Einzelhandel ändern sich. Damit ändern sich auch die Ansprüche der Mieter. Welche Herausforderungen die Branche erwartet und welche Vorstellungen die Mieter von Handelsimmobilien von der Zukunft haben, hat der Investor in Handelsimmobilien ILG untersucht.

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Der Investor und Manager für Handelsimmobilien ILG hat gemeinsam mit der Immobilien- und Pfandbriefbank Berlin Hyp und der Handelsberatung BBE eine Studie zu den Zukunftserwartungen der Mieter von Handelsimmobilien herausgebracht. Im Mittelpunkt der Studie „Der Mieter im Fokus 2017/2018- Handelsimmobilien neu denken“ stehen die Veränderungsprozesse des deutschen Einzelhandels.

Gute Entwicklung der Einzelhandelbranche

Der deutsche Einzelhandel hat sich seit den Krisenjahren 2007 bis 2009 gut entwickelt. Zwischen 2010 und 2016 lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate laut ILG bei 2,1 Prozent – bei einer durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate von 1,2 Prozent. Für das Jahr 2017 werde eine Steigerung des Umsatzes um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf einen neuen Rekordwert von rund 492 Milliarden Euro erwartet.

Im Vergleich zu den Erhebungen der Vorjahre bestätige sich, dass Agglomerationsstandorte bei den Lebensmitteleinzelhändlern weiterhin am gefragtesten sind. Non-Food-Anbieter würden gemanagte Fachmarkt- und Shopping-Center bevorzugen.

Neben dem Lebensmitteleinzelhandel gewinne die Drogeriebranche an Bedeutung als Ankermieter und werde als Wunschnachbar sogar bereits bevorzugt. H&M sei der mit Abstand gefragteste Textilankermieter.

Druck auf Textilbranche wächst

Gerade die Textilbranche treibe die Verzahnung der einzelnen Verkaufskanäle sowohl online als auch offline weiter voran. Trotzdem sei die Situation im stationären Modehandel angespannt. Die Händler müssen sich den Herausforderungen durch die voranschreitende Vertikalisierung preiswerter Fast-Fashion-Anbieter und nicht zuletzt dem weiterhin boomenden Online-Handel stellen.

Oftmals fehlt laut ILG zudem eine klare Positionierung. Auch der Markteintritt des Online-Giganten Amazon in die Textilbranche mit seiner Eigenmarke „find“ erhöht den Druck auf die Konkurrenz erheblich.

Um auch in Zukunft in diesem Verdrängungswettbewerb bestehen zu können, müssten Themen wie Aufenthaltsqualität, Kundenbeziehungsmanagement und natürlich auch Trendbewusstsein sowie Geschwindigkeit im stationären Modehandel in den Vordergrund treten. Diese „Fashion Revolution“ ist das diesjährige Fokusthema der Studie.

Abnahme der Verkaufsflächen erwartet

Der stationäre Handel vernetze sich. Der Anteil der Händler, die über einen eigenen Online-Shop verfügen, steigt im Vergleich zu 2015 um fast ein Viertel. Auch die Verkaufsfläche werde immer digitaler. Click-and-Collect ist die erste Wahl bei zunehmender Digitalisierung des Handels. Verfeinerte Marketinginstrumente wie Instore-Marketing würden sich immer mehr verbreiten.

Über ein Drittel der Befragten geht von abnehmenden Verkaufsflächen aus: insbesondere in den Branchen Sport, Möbel, Schuhe und Unterhaltungselektronik.

Der Mieter erwartet vom Management nach wie vor individuelle Lösungsansätze. Gerade Ankermietern würden Wert auf einen gemeinsamen Center-Werbeauftritt legen. Immer mehr Lebensmittelhändler und Drogeristen seien bereit, einen finanziellen Werbebeitrag zu leisten. Die Umsatzmiete werde bei den Mietern zwar immer beliebter – die Fixmiete bleibe aber weiterhin mit großem Abstand auf Platz eins.

940 Betreiber von Einzelhandels- und Gastronomiekonzepten wurden im Rahmen der Studie kontaktiert. Mit einer Rücklaufquote von neun Prozent beantworteten 80 Teilnehmer die Umfrage im April und Mai dieses Jahres. (kl)

Foto: Shutterstock

 

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