Standort Frankfurt: Gewinner des Brexits

Premierministerin Theresa May kündigt einen harten Brexit an, und „Mainhattan“ horcht auf. Was Großbritannien durch den Austritt aus der Europäischen Union verliert, könnte der Standort Frankfurt schon bald gewinnen. Gastkommentar von Thomas Zabel, CEO Zabel Property AG

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Thomas Zabel: „Frankfurt liegt als als neuer Top-Finanzplatz Europas im Rennen weit vorn.“

Um ihren sogenannten Passport für Dienstleistungen in der gesamten EU behalten zu können, benötigen internationale Banken und Versicherer einen Sitz in einem EU-Mitgliedsland.

Inzwischen ist für viele Institute klar, dass durch den Austritt des Vereinigten Königreiches aus dem europäischen Binnenmarkt ihre Passporting-Rechte nicht erhalten bleiben werden. Insbesondere US-amerikanische und asiatische Banken, deren erster europäischer Anlaufpunkt lange Zeit London war, dürften ihre Blicke nun auf Frankfurt richten.

Frankfurt könnte am stärksten vom Brexit profitieren

Laut einer Befragung von Ernst & Young (EY) unter internationalen Immobilienexperten rechnen 70 Prozent der Teilnehmer damit, dass die Mainmetropole am stärksten vom Brexit profitieren wird.

Diese Prognose könnte sich bewahrheiten: Schon im Dezember gab die Schweizer Großbank UBS Pläne bekannt, 20 bis 30 Prozent ihrer 5.000 Beschäftigten aus London in Frankfurt ansiedeln zu wollen. Weitere Größen wie Goldman Sachs kündigten ähnliche Vorhaben für Teile ihrer Londoner Belegschaft an.

Damit liegt die größte Stadt Hessens als neuer Top-Finanzplatz Europas im Rennen weit vorn – und überflügelt Mitstreiter wie Paris oder Dublin.

„Mainhattan“ ist nicht nur für Banken eine angenehme Heimat

Frankfurt ist als wichtigster Finanzplatz Deutschlands bereits seit Langem etabliert. Mit einem der größten Flughäfen der Welt und einem Bahnhof, der zu den verkehrsreichsten in Europa zählt, ist die Stadt ein wichtiger internationaler Verkehrsknotenpunkt und bietet sie sich wie keine andere als neues europäisches Bankenzentrum an.

Die ausgezeichneten Voraussetzungen sorgen angesichts des Brexit-Votums für Vorfreude in der Frankfurter Immobilienbranche. Laut der „Emerging Trends in Real Estate“-Studie von pwc für 2017 liegt London nur noch auf Platz 27 von insgesamt 30 bewerteten Immobilienstandorten.

Die Studie zeigt, dass Deutschland den Platz des Vereinigten Königreichs als sicherer Anlegerhafen in der EU eingenommen hat. Frankfurt am Main belegt europaweit Platz drei – und bildet mit Berlin und Hamburg die Spitze. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt das einen sensationellen Sprung: 2016 lag Frankfurt noch auf Rang 14. Außerdem lässt es sich dort gut leben: So liegt die Mainmetropole auf Rang sieben des aktuellen Mercer Quality of Life Index, der die Lebensqualität in 230 Städten weltweit bewertet.

Immobilienbranche kann vom Brexit profitieren

Die Zeichen stehen gut für internationale Investoren. Bei Wohnungen und Wohnhäusern in Frankfurt rechnet das Deutsche Wirtschaftsinstitut sowie 86 Prozent der durch EY befragten Experten für die Zukunft mit steigenden Preisen.

Im Zuge der Standortverlagerung vieler Banken werden auch zahlreiche Mitarbeiter ihren Wohnort wechseln. Lange hat die deutsche Wohnimmobilienbranche geschlafen, auch in Frankfurt am Main und dessen Ballungsraum. Die Neubautätigkeit war größtenteils auf Büroimmobilien fokussiert.

Aber eine Chance wie diese wird es so nicht wieder geben: Nun muss attraktiver und qualitativ hochwertiger Wohnraum für Arbeitskräfte internationaler Top-Unternehmen geschaffen werden. Denn für einen Großteil derer, die ihren Beruf zukünftig in Frankfurt antreten, wird die Stadt auch eine neue Heimat.

Autor Thomas Zabel ist CEO der Zabel Property AG

Foto: Zabel Property AG

 

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