27. April 2017, 14:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

ZIA fordert bei Crowdinvesting stärkeren Verbraucherschutz

Der ZIA bemängelt, dass Crowdinvesting durch die bisherige Regulierung privilegiert ist, auf Kosten des Verbraucherschutzes. Der Ausschuss fordert unter anderem eine Prospektpflicht. Diese Forderungen widersprechen den Ansichten des Bundesverband Crowdfunding.

Sparschwein-kreis-menge-viele-schwein-sparen-crowd-shutterstock 259185845 in ZIA fordert bei Crowdinvesting stärkeren Verbraucherschutz

An Crowdinvesting-Projekten beteiligen sich viele Anleger mit durchschnittlich kleinen Beträgen, ab 500 Euro.

Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss bemängelt, dass Crowdinvesting derzeit durch das Kleinanlegerschutzgesetz im Vergleich zu anderen Kreditgebern privilegiert ist. Anlässlich der Beratung im Bundestag zur Regulierung der Vergabe von Immobiliendarlehen durch die Crowd schlägt der ZIA vor, dem Grundsatz: “Same business, same risk, same rules” zu folgen.

Prospektpflicht “light” einführen

Um Verbraucher zu schützen, sollte zudem bei Anlagen unter einer Höhe von 2,5 Millionen Euro die Erstellung eines “Prospekts light” verpflichtend sein. Dies sei in der aktuellen Gesetzgebung nicht vorgesehen. “Ein verbindliches Prospekt würde Vergleiche mit anderen Anlagevehikeln ermöglichen”, sagt Burkhard Dallosch, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Finanzierung.

Der Crowdinvestor erwerbe – je nach Fallgestaltung –  kein Miteigentum an der Immobilie, sondern vergibt lediglich ein nachrangiges  unbesichertes Darlehen, dessen Totalverlust möglich sei.

“Daher wäre aus unserer Sicht eine Fortschreibung der allgemeinen Standardisierungen von Anlageregularien gemäß der EU-Prospektverordnung beziehungsweise des Wertpapierprospektgesetzes sinnvoll. So könnte die Qualität der Grundlage für die Anlageentscheidung deutlich verbessert werden”, sagt Dallosch.

Teil der Gesamtfinanzierung

Im Jahr 2016 wurden laut dem Crowdinvesting Marktreport 2016  in Deutschland 63,8 Millionen per Crowdinvesting investiert, 63,1 Prozent flossen in Immobilienbeteiligungen. Anlagen unter einer Höhe von 2,5 Millionen Euro fallen laut aktueller Gesetzgebung nicht unter die Pflicht, ein aufwendiges Prospekt zu erstellen (Kleinanlegerschutzgesetz).

Grundsätzlich halte es der ZIA für sinnvoll, junges Unternehmertum und neue oder kleine Projekte und Ideen gesondert zu regulieren, es sei begründet, solche Modelle zu privilegieren.

Schwarmfinanzierungsplattformen würden derzeit aber vorzugsweise für Immobilien-Mezzanine-Finanzierungen genutzt. Durch die Gesamtgrößenreglementierung mache Crowdinvesting lediglich einen Teil der Gesamtfinanzierung aus, und schließe zusätzlich zu Erstrangkreditgeber und Eigenkapital eventuelle Finanzierungslücken.

Immobilienrisiko unterbewertet

Es handele sich in den überwiegenden Fällen also um ein klassisches Mezzanine-Konstrukt im Nachrang, wie auch von der Befreiungsregelung gefordert. Dieses Modell werde meist bei Projektentwicklungsfinanzierung angewendet.

Die Gesamtprojektkosten einer durch die Crowd teilfinanzierten Immobilie würden wahrscheinlich im Bereich zwischen 12,5 Millionen Euro und 25 Millionen Euro liegen. Daher entspreche die Begrenzung des Crowdinvesting-Volumens auf 2,5 Millionen Euro nicht dem zugrundeliegenden Immobilienrisiko.

Der ZIA könne nicht nachvollziehen, dass ein Nachrangfinanzierer Privilegien genießt, die ihm in der regulatorischen Handhabe seines Geschäftsmodells größere Freiheiten einräumen. Er trage mehr Ausfallrisiken als die regulierte Bank und sei weniger transparent als ein öffentlich agierender Eigenkapitalgeber. (kl)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

High on wheels – Cannabis am Steuer

Der 20. April oder “420 Day” ist  für Cannabis-Fans ein Pflichttermin: Denn 420, 4:20 oder 4/20 (engl.: four-twenty) ist in den USA ein Codewort für den Konsum von Haschisch und Marihuana. Hierzulande können Kranke auf Kassenkosten Cannabis als Medizin erhalten und müssen nicht mit Sanktionen rechnen – wenn sie sich an die Vorgaben des Arztes halten und fahrtüchtig sind. Anders sieht es aus, wer zum privaten Vergnügen kifft.

mehr ...

Immobilien

9 Urteile zum Thema Haus, Garten und Co.

Über die langen Monate des Winters konnten es Garten- und Balkonfreunde kaum erwarten, dass sie wieder ihren Lieblingsort betreten können. Sie vermissten das Leben im Freien beziehungsweise – im Falle des Balkons oder der Loggia – fast im Freien. Nun ist das witterungsbedingt wieder möglich, aber damit häufen sich auch entsprechende Streitfälle.

mehr ...

Investmentfonds

Aktienrückkäufe im Höhenflug

Immer mehr Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück. 2018 war für die so genannten Share Buybacks ein Rekordjahr, doch vieles spricht für neue Höchstmarken in diesem Jahr. Ein Gastbeitrag von Benjardin Gärtner, Union Investment

mehr ...

Berater

Rente mit 67: Für viele Deutsche steigt das Armutsrisiko

Höhere Altersgrenzen bei der Rente bedeuten nicht unbedingt späteren Erwerbsaustritt. Sollte der Arbeitsmarktboom nicht anhalten, drohen insbesondere Menschen mit geringer Bildung, prekärer Beschäftigung und niedriger Gesundheit große sozialpolitische Risiken. Warum die Politik jetzt handeln muss.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Eines der besten Quartale unserer Unternehmenshistorie”

Solvium Capital hat die Vermögensanlage Wechselkoffer Euro Select 5 vorzeitig geschlossen und auch das Angebot Wechselkoffer Euro Select 6 steht kurz vor Schließung. Das Nachfolgeangebot und ein weiteres Konzept sollen in den nächsten Wochen folgen.

mehr ...

Recht

Rente unter Palmen – das müssen Sie wissen

Immer mehr Ruheständler entscheiden sich dafür, ihren Lebensabend jenseits der deutschen Grenzen zu genießen. Was zu beachten ist, damit man im Ruhestandsparadies auch auf die Rente aus Deutschland zugreifen kann.

mehr ...