Gedaschko (GdW): „Hoffnung auf niedrigere Mieten durch steigende Regulierung ist falsch“

Einige Vermieter haben bekannt gegeben, dass sie die Mieten vor Inkrafttreten nicht anheben werden. Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht dafür und welche sprechen dagegen?

Wohnungsunternehmen sind die sozial verantwortlichen Vermieter in Deutschland und nutzen im Zuge ihrer sehr moderaten Mietenpolitik im Allgemeinen die gesetzlich erlaubten Spielräume beim Thema Mieterhöhung nicht aus.

Nicht umsonst liegt die Durchschnittsmiete bei der Wohnungswirtschaft bei 5,72 Euro pro Quadratmeter und damit ein ganzes Stück unter den generellen bundesweiten Bestandsmieten von im Schnitt 6,39 Euro pro Quadratmeter. Die Tatsache, dass einige Vermieter, darunter Wohnungsunternehmen, die Mieten vor Inkrafttreten eines Mietendeckels in Berlin nicht anheben werden, ist einerseits Teil dieser sozial orientierten Handhabung der Mietengestaltung.

Wohnungsunternehmen haben ein professionelles Gespür dafür, wie sie ihre Bestände vor Ort im Einklang mit den Interessen ihrer meist über Jahre dort lebenden Mieterinnen und Mietern weiterentwickeln können. Andererseits trifft ein Mietendeckel, wie ihn der Berliner Senat vorgeschlagen hat, jedoch ausgerechnet die sozial orientierten Vermieter der Wohnungswirtschaft, die die Mieterhöhungsspielräume eben nicht ausgereizt haben.

Wenn sie dies nun auch weiterhin nicht tun, spricht das aus sozialen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten deutlich für die Wohnungsunternehmen. In wirtschaftlicher Hinsicht schränkt ein Mietendeckel aber besonders diejenigen Vermieter mit niedrigen und moderaten Mieten ein, weil sie auf diesem Stand über Jahre „gefangen“ sein werden und keine Möglichkeiten haben, auf die großen Herausforderungen des notwendigen energetischen und altersgerechten Umbaus auf wirtschaftliche Weise zu bewältigen.

Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Wohnens und in den Neubau werden also gerade bei den preisgünstigeren Wohnungen ausbleiben. Das wird die soziale und räumliche Spaltung beim Wohnen in eine negative Richtung vorantreiben und kann nicht Teil einer Politik sein, die sich in irgendeiner Form „sozial“ nennt.

Der Mietendeckel besitzt das Ziel, den stetig sinkenden Wohnraum bei zugleich steigenden Mieten in Ballungsgebieten gerecht zu verteilen. Kann eine Festschreibung von Mieten dabei helfen oder führt dies dazu, dass die ohnehin schon aus den Ballungsräumen Verdrängten nun weiter an die Ränder gedrängt werden?

Instrumente wie ein Mietendeckel dienen einzig und allein der Mangelverwaltung. Ein Mietendeckel ändert überhaupt nichts daran, dass es in den beliebten Ballungsräumen ein viel zu geringes Angebot an bezahlbarem Wohnraum gibt. Viel schlimmer noch: Ein solch extremer Markteingriff führt dazu, dass Investitionen in den Wohnungsbau und in die energetische sowie altersgerechte Anpassung der Wohnungen schlichtweg unwirtschaftlich und damit unmöglich werden.

Infolge einer Deckelung wird es also noch weniger Wohnraum geben. Hinzu kommt, dass sich die Situation immer weiter verschlimmert, wenn immer mehr Menschen um eine stagnierende Zahl an Wohnungen konkurrieren, die auch noch preisgünstig sind.

Bei Wohnungsbesichtigungen wird auch in Zukunft die- oder derjenige den Zuschlag bekommen, die finanziell am besten aufgestellt sind. Das wird den Zuzug in die jetzt schon engen Großstädte weiter vorantreiben.

Aus diesem Grund wird ein Mietendeckel tatsächlich zu dem Phänomen beitragen, dass die Menschen, die sich Wohnraum in zentralen Lagen nicht leisten können weiter an die Ränder gedrängt werden. In diesem Sinne verstärkt ein Mietendeckel letztendlich die Gentrifizierung.

 

Seite 3: Welche Maßnahmen besser geeignet wären

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