21. November 2019, 06:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Warum die Immobilienblase nicht platzen wird

Häuser und Wohnungen in Deutschland werden immer teurer. Umso lauter warnen Experten derzeit vor dem Platzen einer Immobilienblase. Aber: Ist die Angst vor einem plötzlichen Preissturz berechtigt? Dr. Rainer Eichwede, Kapitalmarktexperte bei Schwäbisch Hall, geht dieser Frage nach.

Rainer-eichwede in Warum die Immobilienblase nicht platzen wird

Rainer Eichwede, Schwäbisch Hall: “Untersuchungen zeigen, dass die Nachfrage nach Immobilien bis 2030 und darüber hinaus hoch bleiben wird – das gilt vor allem in den Ballungsgebieten.”

Platzt demnächst die Blase am Immobilienmarkt? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Experten, Kreditinstitute und Medien. Auch die Bundesbank warnt seit längerem vor Übertreibungen bei den Immobilienpreisen in deutschen Städten. Extrembeispiele gibt es in der Tat: In Hochschulstädten kostet Wohnen für Studenten durchschnittlich 717 Euro Miete pro Monat! In Deutschland geben Geringverdiener heute die Hälfte ihres Einkommens für Mieten aus. Aber haben wir es wirklich mit einer Spekulationsblase zu tun, die kurz vorm Platzen steht? Meine Meinung zu drei gängigen Aussagen:

Behauptung 1: „Die Immobilienpreise explodieren und haben sich von der Einkommensentwicklung abgekoppelt.“

Ja, es gibt extreme Preisanstiege, vor allem in begehrten Innenstadtlagen. Sie heben den Bundesdurchschnitt: Immobilienkäufer müssen heute 6,4 Jahreseinkommen aufwenden. Diese Entwicklung ist aber eben nicht flächendeckend. Denn in rund 70 von 401 Landkreisen kostet eine Immobilie vier Haushalts-Nettoeinkommen oder weniger. Auch wenn wir zurückblicken, relativiert sich der Preisanstieg: Bezogen auf das Jahreseinkommen sind Immobilien heute wieder so erschwinglich oder so teuer wie zuletzt in den 90er-Jahren. Schauen wir uns den internationalen Vergleich an: Die Preisentwicklung in Deutschland hinkt gegenüber den meisten Ländern in Europa hinterher und bewegt sich im unteren Mittelfeld.

Behauptung 2: „Die Deutschen müssen sich für den Immobilienkauf immer stärker verschulden.“

Richtig: Das Kreditvolumen für Immobilienfinanzierungen hat wegen der gestiegenen Preise zugenommen. Aber: Es handelt sich in aller Regel um grundsolide Finanzierungen mit hohen Til-gungsraten und langer Zinsbindung. Deutsche Kreditvergabestandards sind im internationalen Vergleich nicht erst seit der Finanzkrise streng. Das konstatiert auch regelmäßig die Bundesbank.

Behauptung 3: „Es wird mehr gebaut als nötig.“

Falsch, das Gegenteil ist der Fall. Der Neubau kommt der Nachfrage weiterhin nicht hinterher, das Angebot an Wohnraum bleibt vielerorts zu gering. Das trifft insbesondere auf genau die Ballungszentren mit den höchsten Preissteigerungen zu. Die schon bestehende Lücke von einer Million fehlenden Wohnungen lässt sich auch in den nächsten Jahren kaum aufholen.

Meine Prognose: Ja, die Preissteigerungen der vergangenen Jahre werden sich nicht endlos fortsetzen. Aber auch wenn der Aufwärtstrend bei Immobilien langsam an Fahrt verliert, ist nicht mit einem plötzlichen Preissturz zu rechnen. Schwächelt jetzt die Konjunktur, bremst das den Preisanstieg, aber verkehrt ihn nicht ins Gegenteil.

Untersuchungen zeigen, dass die Nachfrage nach Immobilien bis 2030 und darüber hinaus hoch bleiben wird – das gilt vor allem in den Ballungsgebieten. Denn die Zahl der Haushalte wird weiter steigen, weil es mehr Junge-Single- und Rentnerhaushalte geben wird.Also: Wer heute schon eine Immobilie besitzt, muss keinen Wertverfall befürchten.

Und: künftige Immobilienkäufer können nicht darauf bauen, dass die Preise rasch sinken werden. Ich rechne damit, dass sie sich auf dem aktuellen hohen Niveau seitwärts einpendeln. In begehrten Regionen werden sie auch weiter steigen, wenn die Zinsen niedrig bleiben.

Dr. Rainer Eichwede ist Kapitalmarktexperte und Leiter Finanzsteuerung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Foto: Shutterstock

6 Kommentare

  1. solange Käufer bereit sind, Mondpreise zu zahlen ging der Preis zu hoch. Jetzt ist die Zeit, wo durch die kommende Rezession das Betongold nicht mehr so goldig ist, da durch sinkende Mieten die Kapitalanlage leider an Wert verliert. Die Blase wird platzen und die Preise wieder auf ein normales Niveau in den Ballungsgebieten sinken. Die steigenden Zwangsversteigerungen im Internet sind der Beweis.

    Kommentar von Steffan — 13. Juni 2020 @ 18:29

  2. Na ja, Schwäbisch Hall und Wüstenroth haben andere Meinungen als die gängigen Experten, die eine Rezession sehen werden und da Menschen ihre Mieten nicht mehr zahlen können, werden auch Wohnungen zur Kapitalanlage günstiger wenn nicht sogar zum Verlustgeschäft. Die Blase wird leider dort platzen, wo sie schon lange aufgebläht war, nämlich in München Frankfurt bzw. Rhein -Main etc.
    Dort wird sich der Preis in den nächsten Wochen verringern. Gut für Käufer, schlecht für Verkäufer, die warten um immer höhere Preise zu erlangen. Eine Kapitalanlage muss sich rechnen und das tut sie in den Ballungsräumen nicht mehr. Dank Corona….

    Kommentar von Herr Wolf — 13. Juni 2020 @ 18:25

  3. leider sind Käufer bereit, Mondpreise zu zahlen, sonst würde das Preisniveau ja sinken. Jetzt durch Corona und die kommende Rezession werden die Preise massiv sinken und zwar da, wo sie übertrieben hoch sind und das ist gut so.

    Kommentar von Steffan — 13. Juni 2020 @ 18:18

  4. min. 30% überwertet
    min. -40% zinsen
    keiner mindeslohn
    1200€-1800€ lohn standart
    ich glauber der wohn in MARS…

    Kommentar von segmen kabacali — 8. Dezember 2019 @ 12:06

  5. Der allerletze Halbsatz “…wenn die Zinsen niedrig bleiben”
    Ja, genau! Aber was wird passieren, fallls die Zinsen eines Tages wieder steigen sollten? Dieses Szenario wird im Artikel komplett ausgeklammert!

    Kommentar von Flo Meier — 4. Dezember 2019 @ 17:09

  6. Vollkommen einverstanden. Eine Immobilienblase besteht vielleicht in manche Großstädten wie Frankfurt oder München, aber nicht deutschlandweit. In vielen Regionen sind Immobilien noch durchaus erschwinglich, auch im internationalen Vergleich.

    Kommentar von Stephan Gasteyger — 21. November 2019 @ 23:46

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Bestnote: DFSI vergibt Triple-A an WWK

Das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) zeichnet die WWK Lebensversicherung in seiner aktuellen Studie zur Unternehmensqualität als einzigen Lebensversicherer mit der Bestnote AAA (Exzellent) aus. Bewertet wurden die Kriterien Substanzkraft, Produktqualität und Service. Die WWK konnte in allen drei Bereichen überzeugen und wurde damit erneut als führendes Unternehmen in der Branche ausgezeichnet.

mehr ...

Immobilien

Miete oft höher als 30 Prozent des Einkommens

Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bereit, mehr für Miete zu zahlen als empfohlen Eine Faustregel lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens des Mieters sein.

mehr ...

Investmentfonds

Wasserstoff-Durchbruch in Sicht?

Wie aus einer neuen Infografik von Block-Builders.de hervorgeht, zeichneten sich im Bereich der Wasserstoff-Technologie zuletzt zahlreiche Fortschritte ab. Wird Wasserstoff jetzt auch für PKWs nutzbar?

mehr ...

Berater

Garantieverpflichtungen: Bei 24 Lebensversicherern reicht es nicht (mehr)

Bei 24 von 82 Lebensversicherern reichten die 2019 erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Das zeigt die aktuelle Analyse des Zweitmarkthändlers Policen Direkt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Haftpflichtkasse muss Gasthaus für Corona-Schließung entschädigen

In der Klagewelle um die Kosten für Gaststätten, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hat ein weiterer Wirt gegen seine Versicherung gewonnen.

mehr ...