Inflationsgespenst bleibt auf der Agenda

Über die Entwicklung der Inflation wird in diesen Wochen viel diskutiert und gestritten. Lex Hoogduin, Chefvolkswirt der internationalen Fondsgesellschaft Robeco, glaubt, dass die Periode niedriger und stabiler Inflationsraten, die in den vergangenen 25 Jahren vorherrschte, zu einem Ende kommt.

Ursachen für die große Bedeutung, die Hoogduin dem Thema für die kommenden Jahrzehnte beimisst, sind der zunehmende Wohlstand der Bevölkerung in den Schwellenländern, die Verschiebung der Altersstruktur in großen Teilen der westlichen Welt, die steigende Nachfrage nach knapper werdenden Rohstoffen und die Konsequenzen für die Nahrungsmittelproduktion durch den Klimawandel.

Die Effektivität der Zinsmaßnahmen durch die Zentralbanken zweifelt Hoogduin an. Dass Institute der westlichen Länder ihr Inflationsziel von zwei Prozent erreichen werden, hält er für unwahrscheinlich, da eine strenge Geldpolitik mit Abstrichen beim Wachstum verbunden sei. Der Experte plädiert dafür, die Inflationsspirale nicht durch Lohnerhöhungen als Reaktion auf die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Öl zu intensivieren.

Auf dem Kapitalanlagemarkt rechnet Hoogduin mit einem zunehmenden Angebot an strukturierten und inflationsgeschützten Produkte. Der langfristige Trend volatiler Inflationsentwicklung sei beispielsweise in Rentenpapieren noch nicht vollständig eingepreist. Die Langzeit-Inflation eröffne zudem gute Möglichkeiten für Anlagen in den Bereichen Rohstoffe, Industrie und Energie. Besonders nachhaltige und innovative Investments könnten profitieren.

Ein Comeback des inflationären Klimas der siebziger Jahre hält Hoogduin dennoch für unwahrscheinlich, die Zentralbanken hätten ihre Lektion aus der damaligen Stagflation gelernt. Der Robeco-Chefvolkswirt ist zudem der Ansicht, auch die Regierungen hätten ihren Beitrag zur Preisstabilität zu leisten. (hb)

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