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27. Oktober 2009, 17:16
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“Happy Banking geht weiter”

Statt Weltwirtschaftskrise stehen die Zeichen wieder auf Aufschwung. Cash. fragt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG, was auf Finanzmarkt und Investoren tatsächlich zukommt.

Robert-Halver1a1 in Happy Banking geht weiter

Cash.: Die Lehman-Pleite liegt nun ein Jahr zurück. Alles wieder in Butter?

Halver: Eine ähnliche Pleite darf nicht mehr stattfinden. In den Bankbilanzen liegen zwar nach wie vor Wertpapiere, die sich derzeit nicht verkaufen lassen und damit wertlos sind. Mit Bilanzkosmetik auf der einen und dramatischer Liquiditätsoffensive der Notenbanken auf der anderen Seite soll dem Problem aber beigekommen werden. Ein Spiel auf Zeit mit der Hoffnung, dass die Papiere wieder einen Wert bekommen.

Cash.: Wann ist es soweit?

Halver: Sobald sich der amerikanische Immobilienmarkt erholt. In den USA soll mit massiver Inflationierung wieder eine sogenannten Asset Bubble aufgeblasen und so die Kreditsicherheit gefestigt werden.

Cash.: Statt derartige Blasen zukünftig zu begrenzen, standen Steueroasen und Boni im Mittelpunkt des jüngsten G20-Gipfels. Wollte die Politik nicht ursprünglich regulieren, um Exzesse zu verhindern?

Halver: Die Politik stellt immer den Abbau der Staatsverschuldung und die Stabilität in den Vordergrund, selbst wenn sie beides mit ihren Maßnahmen gefährdet. Ich sehe allerdings keine Alternative zur großflächigen staatlichen Stimulierung. Wenn das Kind in den Brunnen fällt, muss es zuerst wieder herausgeholt werden. Ob der Abgrund dann für immer verbarrikadiert wird, ist Thema der kommenden Jahre. Derzeit zählt nur, Konjunktur und Finanzsystem konsequent zu beleben. Angesichts der dramatischen Schieflage wäre das System ansonsten stark gefährdet. Dass diese Maßnahmen gigantische Schuldenberge hinterlassen, die letztlich auch durch Inflation abgetragen werden, steht wohl außer Frage. Für das ‚Happy Banking’ werden wir noch einen sehr hohen Preis zahlen. Erst kommt das große Fressen, dann die Moral.

Cash.: Es gilt also ‘Fight fire with fire’. Warum lässt sich das Bankensystem nicht gleichzeitig retten und regulieren?

Halver: Momentan sollen die Institute alle Ertragschancen ausschöpfen. Billiges Geld teuer zu verleihen, ist das eine Geschäftsmodell. Noch lukrativer ist aber Investmentbanking. Die Banken sollen in die Lage versetzt werden, Abschreibungen vorzunehmen und ihre Brandherde zu löschen. Zur Systemstabilisierung ist es notwendig, die nächste Blase etwa im Rentenbereich aufzupumpen, um die am Immobilienmarkt geplatzte zu kompensieren. Es gibt nur die Wahl zwischen Schwarz und Weiß. Schwarz wäre die deutliche Zurechtstutzung des Finanzsystems mit fatalen Folgen wie einer schrumpfenden Wirtschaft und sozialen Unruhen.

Cash.: Die Aktienmärkte laufen seit Monaten blendend. Eine Einstiegsgelegenheit oder ist Vorsicht anzuraten?

Halver: Wir haben einen mustergültigen Aufschwung. Denn derzeit werden die Lager aufgefüllt und der unterbrochene Investitionszyklus neu gestartet. Daraus folgt – neben den enormen Kosteneinsparungen –die äußerst positive Berichtssaison, die den Aktienmarkt pusht. Es bleibt abzuwarten, wie nachhaltig ein massiv auf Pump finanzierter Rebound ist. Die Konjunktur muss nächstes und übernächstes Jahr Steherqualitäten beweisen.

Cash.: Sind Aktien in einem derart angeschlagenen System überhaupt noch empfehlenswert?

Halver: Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Sind angesichts dramatischer Staatsverschuldung Aktien wirklich gefährdeter als Renten? Immerhin haben Unternehmen Handlungsspielraum und können zum Beispiel Kosten senken oder fusionieren. Und sie werden gebraucht, der Bedarf an Essen, Kleidung, Wasser und anderem bleibt bestehen. Gerade Versorger haben diese Absicherung und sollten auf längere Sicht eine sinnvolle Anlage sein. Die Börsen werden aber erst einmal volatiler, da der Aufschwung in 2010 blutleer ausfallen wird. Ein Feuerwerk wie in diesem Jahr, als der Dax von 3.600 auf 5.800 Punkte emporschoss, wiederholt sich so schnell nicht. Ergo kommt es auch stärker auf das Timing an. Auf lange Sicht führt an Aktien verglichen mit anderen Assetklassen aber kein Weg vorbei.

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