29. August 2011, 15:49
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Neulich in Amerika

Die Halver-Kolumne: Wie viele Jahre vorher habe ich auch in diesem Sommer meine Freunde in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Freude besucht. Jedoch war in diesem Jahr etwas anders.

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Ich schätze es sehr, gute Freunde in Amerika zu haben. Nicht zuletzt sind sie für mich auch eine unkonventionelle, volksnahe Quelle für tiefer gehende Einschätzungen über die USA und ihre Einwohner abseits der ansonsten verfügbaren, offiziellen Informationen.

Amerika mit neuer Brille betrachtet

Jedoch war in diesem Jahr etwas anders. Wurde man früher zügig und deutlich daran erinnert, dass die USA „untouchable“, „ an economic powerhouse“ und „the leader of the free world“ seien, war jetzt eine deutlich leisere, zurückhaltende Stimmung bei meinen amerikanischen Freunden spürbar. Sie berichten ernüchtert, dass der früher so berühmte Jobmotor bislang nicht angesprungen ist. Im Gegenteil, selbst für College- oder sogar Universitätsabsolventen ist eine Beschäftigung im Fast-Food-Bereich mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr.

Damit wird das Bestreiten des täglichen Lebens für viele Amerikaner schwieriger. Die soziale Notlage treibt dabei immer seltsamere Blüten. So wird in den Lokalzeitungen Amerikas schon einmal angemahnt, vorausschauend zu fahren. Die Begründung ist, so erläuterte man mir, dass der ein oder andere Gullideckel auf der Straße aufgrund der immer noch hohen Metallpreise über Nacht fehlen könnte. Auf wenig befahrenen Landstraßen kann es mitunter vorkommen, dass ein Lebensmittel transportierender LKW gekapert wird.

Und um an Medikamente zu gelangen, sind auch schon Krankenwagen – mit Patient – abhanden gekommen. Besonders bemerkenswert ist auch, dass die großen Hypothekenfinanzierer angefangen haben, die ihnen über Zwangsvollstreckung angedienten Häuser wegen mangelnder Verkaufsfähigkeit abzureißen. Sie sparen damit Immobiliensteuern.

US-Politik hinterlässt verbrannte Erde

Zunehmend dämmert es den Amerikanern, dass die Happy Hour des schuldenfinanzierten Daueraufschwungs beendet ist. Kürzlich zeigte ein Foto in der New York Times einen verrosteten Einkaufswagen ohne Räder, aus dem das Unkraut wuchert. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Angesichts dieser Sackgasse ist es für meine Freunde unerträglich, dass Demokraten und Republikaner in den USA ihre Energie sinnlos verschwenden.

Lesen Sie auf Seite 2, warum früher alles besser war.

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2 Kommentare

  1. Brille wechseln? Augen schliessen? Auch in Detroit leben Menschen so wie in Texas!
    Bitte doch nicht immer mit der Lupe suchen, dass Gesamtbild sollte man wirken lassen.
    In Hamburg Blankenese ist alles prima, in Königstein auch.
    Aber ist das Deutschland?

    Kommentar von Roesger — 31. August 2011 @ 06:25

  2. Zu der neuen Brille: Ich empfehle Herrn Halver, sich evtl. einmal neue Freunde zu suchen, oder aber die Brille zu wechsln und in eine andere Gegend zu schauen. In Detroit kann ich das verstehen (viel hängt da mit Gewerkschaften zusammen), in Texas z.B. sieht das sehr anders aus ! Ich stehen gerne für einen Austausch zur Verfügung.

    Kommentar von Peter Geier — 30. August 2011 @ 20:36

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