14. Juni 2011, 09:54
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Wie sage ich es meinen Wählern?

Im Übrigen leisten private Investoren bereits ihren Umstrukturierungsbeitrag. Denn die abgegebenen Papiere landen früher oder später bei der EZB. Und diese hat die Papiere zu ihrem Marktpreis erworben, die je nach Laufzeit bis unter 50 Prozent ihres Nennwerts liegen.

Daher ist es verständlich, dass sich die EZB mit allem, was sie hat, gegen eine Umstrukturierung wehrt. Sie ist zur Bad Bank griechischer Anleihen geworden. Als Glucke, die bereits auf vielen faulen Eiern sitzt, wäre sie die Leidtragende, die dann noch mehr Eier ein warmes Nest bereiten müsste.

Insgesamt ist damit die Beteiligung der Privaten im Endeffekt nur ein Placebo, damit ein neues Rettungspaket politisch akzeptiert wird. Zumindest gewinnt man dann auch tatsächlich Zeit. In dieser Zeit ist es erste Politikerpflicht, eine Perspektive in zweifacher Richtung zu vermitteln. Zunächst muss man den Griechen sagen, dass ihre Stärken in der Landwirtschaft, im Tourismus, in der Solarenergie und in der Exportlogistik liegen, die sie konsequent nutzen müssen. Und der Bevölkerung der Geberländer muss aufgezeigt werden, dass Euroland nicht nur Geld kostet, sondern es Deutschland auch viel Geld einbringt.

In Griechenland gibt es ein Leben nach dem Tod

Flankiert werden müsste der Katalog an Hilfsmaßnahmen – auch zur besseren Verkaufbarkeit in den Geberländern – durch eine Modernisierung des antiken griechischen Verwaltungswesens. So muss der faule Lenz in Amtsstuben beendet werden. Man braucht auch eine Verschärfung des Steuerinkassos und eine Überprüfung staatlicher Transferzahlungen. Denn momentan liefert Griechenland eindeutige Beweise für ein Leben nach dem Tod. Wie sonst könnte es sein, dass Pensionäre auch nach ihrem Ableben noch Rentenzahlungen erhalten.

Ich erwarte nicht, dass die Umsetzung dieses Lösungspakets ein Kindergeburtstag wird. Aber auf die letzte Ölung für Euro-Urbi und Euro-Orbi will ich auch nicht warten.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.


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Foto: Baader Bank

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1 Kommentar

  1. Die Erfahrungen aus dem deutschen Länderfinanzausgleich lehren: Transfer-Union bringts nicht, wird nur teuer, nimmt den Empfängerländern jegliche Motivation zur Besserung – im Gegenteil, Hängematte ist auch politisch viel bequemer. Ein Ende mit Schrecken incl Stützung der griechischen Banken und natür-lich “Rettung” der Bad Bank EZB kommt uns billiger als dieses Loch ohne Boden mit einem strukturel-len Defizit von 2,5% des BIP p.a.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 15. Juni 2011 @ 14:43

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