„Konsum in Asien ist Megatrend“

Dr. Jan Ehrhardt managt den DJE Dividende & Substanz, der jüngst seinen zehnten Geburtstag feierte, und erklärt, worauf es bei Dividenden-Investments ankommt.

Jan Ehrhardt, DJE Dividende & Substanz
Ehrhardt: „Asiatische Konsumwerte sollten in den nächsten Jahren von stark steigenden Löhnen profitieren.“

Cash.: Sind Dividendenaktien noch fair bewertet?

Ehrhardt: Verglichen mit ihrer historischen Bewertung sind Dividendenaktien ebenso wie der breite Aktienmarkt aktuell nicht zu teuer. Die Dividendenrenditen liegen über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und etwa in dem der vergangenen drei Jahre. Auffällig ist der chinesische Markt, wo diese deutlich höher als in der Vergangenheit ausfallen.

Im Vergleich mit anderen Asset-Klassen besteht derzeit die seltene Situation, dass die Dividendenrenditen der wichtigen Aktienindizes weit über den Verzinsungen von zehnjährigen Staatsanleihen notieren, häufig sogar über der Rendite guter Unternehmensanleihen.

Stimmt das Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen?

Die durchschnittliche Ausschüttungsquote ist niedrig. In den USA zum Beispiel liegt sie mit rund 30 Prozent des Jahresüberschusses so niedrig wie zuletzt 1871. Da Dividenden in der Regel deutlich weniger schwanken als die Unternehmensgewinne, stellen sie auf lange Sicht gesehen einen recht zuverlässig planbaren Einkommensstrom dar. Wichtig dafür ist allerdings auch die genaue Analyse der Unternehmen, denn nicht selten werden Dividenden auch komplett gestrichen.

Wie gehen Sie bei der Analyse vor?

Wie gerade angedeutet ist die genaue fundamentale Unternehmensanalyse die Voraussetzung für jedes Investment. Dazu werden für jedes Unternehmen eigene Analyse-Sheets und Modelle mit den Primärdaten des Unternehmens erstellt, um nicht von den Berechnungen Dritter abhängig zu sein.

Die Dividendenrendite ist nicht unser einziges Auswahlkriterium, viele weitere Kennziffern werden errechnet und mit denen anderer Unternehmen verglichen. Bevor wir investieren, beobachten wir die Geschäftsentwicklung genau. Hierzu pflegen wir den regelmäßigen und persönlichen Kontakt zum Management des Unternehmens.

Wie trennen Sie dadurch die Spreu vom Weizen?

Dazu prüfen wir vor allem das Geschäftskonzept, denn das ist die Basis für dauerhafte Profitabilität und Dividendenkontinuität. In die engere Wahl nehmen wir nur Unternehmen, die ihre Dividende tatsächlich erwirtschaften und nicht aus der Substanz zahlen, aber auch einen ausreichenden Teil des frei verfügbaren Geldes reinvestieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Auf neue Ideen kommen wir weniger durch quantitative Screenings und Filter, sondern vor allem durch die Analyse der Geschäftsmodelle, denn dabei erfahren wir viel über Kunden, Konkurrenten, Zulieferer und Lieferketten. Hierbei lassen sich immer wieder frühzeitig interessante Unternehmen finden.

Von welchen Investments erwarten Sie künftig den größten Renditebeitrag?

Asiatische Konsumwerte sollten in den nächsten Jahren von den stark steigenden Löhnen, der geringen Privatverschuldung sowie den hohen Sparquoten profitieren, darauf deuten zahlreiche Indikatoren hin. Auch bei regelmäßigen Besuchen und Unternehmensgesprächen vor Ort lässt sich dieser Trend beobachten.

Interview: Marc Radke

Foto: DJE Investments

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