Anzeige
1. September 2015, 10:03
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Sarasin: Industrie- und Schwellenländer mit unterschiedlichen Aussichten

Brasilien und Russland sind bereits in die Rezession gefallen, der Rückgang der Erdölpreise auf zeitweise weniger als 40 US-Dollar pro Barrel belastet die Ölexporteure im Nahen Osten massiv und nun droht gar in China eine Rezession.

Marktkommentar: Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin AG

Sarasin

Da liegt es nahe, dass sich die Anleger vor einem Kollaps der Weltwirtschaft fürchten.

Weltwirtschaft nicht einheitlich

Allerdings ist es irreführend von der Weltwirtschaft zu sprechen. Verschiedene Regionen haben im letzten Jahrzehnt ganz unterschiedliche Wachstumsraten ausgewiesen. Während viele Volkswirtschaften in Europa in den letzten Jahren bestenfalls stagnierten, konnte China Wachstumsraten zwischen sieben Prozent und zehn Prozent realisieren. Bei solchen massiven Abweichungen vom globalen Wachstumstrend, ist es sich sinnvoller einzelne Regionen anzusehen als die Weltwirtschaft als Ganzes zu betrachten.

Der starke Rückgang der Rohstoffpreise lässt für Rohstoffausführende Volkswirtschaften nichts Gutes erahnen. Es ist mit schwachem Wachstum zu rechnen. Nach dem Rohstoffboom des letzten Jahrzehnts besitzen aber die meisten dieser Länder über ein dickes Polster an Währungsreserven, so dass eine grossflächige Schuldenkrise unwahrscheinlich erscheint. Der Zerfall der Rohstoffpreise kennt jedoch nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Insbesondere die Eurozone wird um eine Stützung der Kaufkraft froh sein. Das gilt nicht nur für den gebeutelten Konsumenten in der Peripherie, auch für die deutsche Wirtschaft kommen tiefere Ölpreise wie gerufen. Deutsche Exporte haben lange Zeit von der starken Nachfrage aus den Schwellenländern profitiert. Wegen deren Schwäche kommt dem inländischen Konsum nun eine umso grössere Bedeutung zu.

Tiefe Rohstoffpreise

Neben der Eurozone werden auch die USA von tieferen Rohstoffpreisen profitieren. Während im ersten Halbjahr das Wachstum noch vom Investitionsstopp in der US-Ölindustrie überschattet wurde, dürfte im zweiten Halbjahr der wiedererwachte US-Konsument zur Lokomotive der US-Wirtschaft werden. Die westlichen Industriestaaten sollten in diesem Jahr das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Jahr 2010 verzeichnen. Dieses Wachstum wird zunehmend von der Binnenwirtschaft getragen sein, was es weniger anfällig auf negative Entwicklungen in den Schwellenländern macht.

Das größte konjunkturelle Fragezeichen betrifft aber China. Die Wirtschaft im Reich der Mitte verliert an Schwung. Ob die Wachstumsverlangsamung im gewünschten Rahmen stattfindet oder aber Chinas Wirtschaft sich im Sturzflug befindet, ist von aussen kaum zu beurteilen, gelten doch die offiziellen Konjunkturzahlen als wenig vertrauenswürdig. Chinas Regierung besitzt jedoch genügend Möglichkeiten auf der fiskal- und geldpolitischen Seite um eine Stabilisierung herbeizuführen. Aber selbst mit einer moderaten chinesischen Abkühlung, dürften die Schwellenländer das schwächste Wachstum seit der Grossen Rezession im Jahr 2009 erwarten.

Autor Alessandro Bee ist Ökonom bei der Schweizer Bank J. Safra Sarasin.

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

R+V stellt Forschungsprojekt zu fahrerlosen Shuttle-Bussen vor

Fahrerlose Shuttle-Busse auf dem Frankfurter Flughafen – das ist keine Zukunftsvision, sondern der Start eines Forschungsprojekts. Die R+V-Versicherung und der Flughafenbetreiber Fraport informieren am heutigen Freitag über den Einsatz zweier selbstfahrender Fahrzeuge.

mehr ...

Immobilien

Individuelle Konzepte für die Baufinanzierung

Cash. sprach mit Robert Annabrunner, Bereichsleiter Vertrieb 
Deutsche Postbank/DSL Bank, darüber, welche Anforderungen die Kunden an
 eine professionelle Baufinanzierungsberatung stellen und in welcher Weise
 die DSL Bank ihre angeschlossenen Partnervermittler unterstützt.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI schließt Fonds 10 und bringt Nachfolger

Die ZBI Fondsmanagement AG aus Erlangen hat den im vergangenen Jahr aufgelegten ZBI Professional 10 nach Ablauf der Zeichnungsfrist Ende September mit einem beachtlichen Volumen geschlossen und nahtlos den Nachfolger in die Platzierung geschickt.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...