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18. August 2016, 09:30
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“Der drohende Brexit setzt die Banken zusätzlich unter Druck”

Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt beim Versicherungskonzern Allianz, hat mit Cash. über die Folgen des Brexit-Votums für die Finanzbranche und andrere Sektoren gesprochen.

Der drohende Brexit setzt die Banken zusätzlich unter Druck

Prof. Dr. Michael Heise: “Die erhöhte wirtschaftliche und politische Unsicherheit und der sich abzeichnende verzögerte Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik dürfte die Renditen in Europa, aber auch in den USA weiterhin sehr tief halten.”

Cash.: Die klassischen europäischen Bankenwerte gerieten zuletzt noch stärker unter Druck. Gerät dieser Sektor durch den drohenden Brexit noch stärker in Mitleidenschaft? Wann können die europäischen Institute ihre Krise überwinden?

Heise: Ja, der Brexit setzt die stark vom Kapitalmarkt abhängigen Banken zusätzlich unter Druck. Ihre Geschäftsmodelle und ihre Rentabilität sind durch einen Mix aus niedrigen Zinsen, einer verhaltenen Kreditnachfrage und den stark gestiegenen Regulierungsanforderungen ohnehin Belastungen ausgesetzt. Italienische Banken leiden zudem an einer hohen Zahl notleidender Kredite. Der Brexit verschärft die Situation auch dadurch, dass die britischen Immobilienmärkte unter Druck stehen und einige Immobilienfonds schließen mussten.

Es sollte sich aus der Lage aber keine Systemkrise entwickeln. Die Banken der europäischen Währungsunion sind besser kapitalisiert und krisenfester als zu Zeiten der Finanzkrise, und die italienischen Banken werden in der einen oder anderen Form zusätzliches Kapital erhalten. Der Brexit-Schock wird nicht über Jahre andauern und die Konjunkturerholung in Europa gänzlich verhindern. Unter diesen Bedingungen werden sich auch die Bankenwerte erholen. Bis zur vollständigen Genesung der Bankenmärkte wird aber noch einige Zeit vergehen.

Welche anderen Branchen dürften unter dem Brexit leiden oder gibt es sogar Sektoren, die von den jüngsten Entwicklungen profitieren?

Neben der Finanzbranche insgesamt leiden insbesondere die Branchen mit hohem Exportanteil nach Großbritannien. Aus deutscher Perspektive sind das insbesondere die Autoindustrie, Elektroindustrie, Maschinenbau und Chemie. Allerdings wird der Einbruch nicht so stark sein, wie von vielen befürchtet. Zurzeit dominiert bei der Lagebeurteilung noch ganz klar der Brexit-Schock. Von einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Handels hat niemand etwas, weder Großbritannien noch die EU. Wirkliche Gewinnerbranchen sehe ich aktuell nicht.

Wie sind Ihre Einschätzungen für die Rentenmärkte in der Eurozone?

Die erhöhte wirtschaftliche und politische Unsicherheit und der sich abzeichnende verzögerte Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik dürfte die Renditen in Europa, aber auch in den USA weiterhin sehr tief halten. Es ist aber zu erwarten, dass allmählich anziehende Inflationsraten die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen gegen Jahresende wieder in den positiven Bereich bewegen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Europäische Zentralbank nicht dem Druck beugt, ihr Anleihekaufprogramm nochmals volumenmäßig auszuweiten und/oder zu verlängern. Das künstliche Niedrighalten von Zinsen hat enorme Nebenwirkungen auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge und es setzt die Risikoprämien an den Finanzmärkten weithin außer Kraft. Mit der Ankündigung eines Taperings durch die EZB wird sich die Überbewertung an den Anleihemärkten spürbar zurückbilden.

Wird der deutsche Immobilienmarkt durch den Brexit weiter angeheizt und gibt es börsengehandelte Immobilienwerte, die hiervon profitieren?

Das Brexit-Votum hat zunächst zu großen Unsicherheiten im britischen Immobilienmarkt und insbesondere im Segment Gewerbeimmobilien geführt. Die Aussetzung einiger britischer Immobilienfonds vom Handel könnte dazu führen, dass zumindest ein Teil der abgezogenen Mittel in Immobilien auf dem europäischen Festland investiert wird. Sehr groß werden diese Verlagerungen aber nicht sein, da ja derzeit auch Unsicherheit über die Wirtschaftsentwicklung in der EU besteht. Bei anhaltender Volatilität der Aktienmärkte sind natürlich auch Umschichtungen in Immobilen wahrscheinlich. Aber beide Entwicklungen werden nach unserer Einschätzung den Immobilienmarkt in Deutschland nicht übermäßig stimulieren. Der Boomfaktor für den deutschen Immobilienmarkt ist und bleibt die Niedrigzinspolitik der EZB.

Interview: Tim Rademacher

Foto: Dirk Beichert

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen Cash.-Magazin 09/2016.

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