„Nachfrage nach Gold könnte steigen“

Cash. sprach mit Holger Schmieding, Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank, über die Auswirkungen des Trump-Siegs auf Inflationsrate und Rohstoffpreise, die Profiteure des republikanischen Wahlerfolgs und die Folgen für die europäische Wirtschaft.

Holger Schmieding Berenberg Bank
Holger Schmieding: „Die Aussicht auf etwas mehr Inflation kann die Nachfrage nach Gold nach oben treiben.“

Cash.: Wie wird die Wahl von Trump die Inflationsrate in den USA mittelfristig beeinflussen?

Schmieding: Die Zeit immer weiter sinkender Inflationsraten ist vorbei, auch ohne Trump. Da der Lohndruck in den USA seit einem Jahr leicht anzieht, wird sich dort die Kernrate der Inflation ohne schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise dort von derzeit 2,2 Prozent langsam Richtung 3,0 Prozent bewegen.

Sollte Trump sich mit dem Kongress auf ein unerwartet umfassendes Fiskalprogramm einigen, würde dies den Anstieg der Inflation etwas beschleunigen, aber vermutlich um nicht mehr als einen halben Prozentpunkt. Die große Unbekannte in dieser Rechnung ist die Trump’sche Handels- und Einwanderungspolitik.

Sollte er tatsächlich Einfuhren aus China mit Strafzöllen von 45 Prozent belegen und weitere Handelskriege anzetteln, würde dies die Einfuhrpreise massiv nach oben treiben. Sofern er zudem zwei bis drei Millionen Einwanderer ausweist, wie er das angekündigt hat, könnte dies bei vielen Unternehmen und Haushalten kostspielige Engpässe verursachen. Eine solche Politik würde echte Inflationsgefahren heraufbeschwören. Dann würden auch Leitzinsen und Renditen stärker steigen müssen.

Welche Auswirkungen hat der Trump-Sieg auf die Entwicklung der Rohstoffpreise?

Eine fiskalisch etwas angeheizte Binnenkonjunktur kann den Ölpreis stützen. Da Trump allerdings gerade den Energiesektor deregulieren möchte, dürfte das Angebot an Öl steigen. Letztlich könnte der reine Trump-Effekt für sich genommen den Ölpreis eher etwas drücken.

Die Aussicht auf etwas mehr Inflation kann die Nachfrage nach Gold nach oben treiben. Allerdings gehört Gold zu den besonders schwankungsanfälligen Vermögenswerten. Und der Zusammenhang zwischen Inflationsrisiken und Gold ist nicht eindeutig.

Denn sollten die Rentenmärkte und Notenbanken auf eine nicht mehr ganz so verhaltene Inflation mit höheren Zinsen reagieren, könnte dies nach einiger Zeit den Goldpreis wieder belasten. Da Gold ja keine Zinsen abwirft, wäre es bei höheren Zinsen dann im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren weniger attraktiv.

Seite zwei: „Rüstungsindustrie und Pharmabranche könnten zu den Gewinnern gehören

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