Anzeige
16. November 2016, 14:31
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Leitzinsen werden in den USA steigen

Das Deflationsgespenst, dass lange als große Gefahr schien, ist nun endgültig vertrieben. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

JuniusSarasin in Leitzinsen werden in den USA steigen

Karsten Junius von der Bank J. Safra Sarasin analysiert die Börsenentwicklung nach der Trump-Wahl.

Mit dem unerwarteten Wahlergebnis in den USA werden höhere Staatsausgaben, niedrigere Steuern und eine stärkere Verschuldung wahrscheinlich. Dazu kommen eventuell höhere Zölle und damit ansteigende Preise für Importgüter. Alles zusammen sind das Gründe für höhere Inflationsraten. Die Fed wird ihre Leitzinsen daher stärker erhöhen als die Märkte es zurzeit erwarten.

Trump braucht Erfolge

Der Wahlkampf ließ nicht darauf schließen – aber inzwischen sehen die ersten Personalentscheidungen und Kommentare aus dem Trump-Lager so aus, als wenn wir zunächst eine klassische republikanische Politik zu erwarten hätten. Das ist verständlich, denn noch einmal im Leben ist Trump nun erstmal «Auszubildender» in seinem neuen Job. Wenn er frühzeitige Erfolge aufweisen möchte, dann ist er auf seine Partei angewiesen und muss mit Washington-Insidern kooperieren, die das politische Geschäft kennen. Schnelle und öffentlichkeitswirksame Erfolge braucht er schließlich, um seine Anhänger weiter zu euphorisieren und seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Wahrscheinlich wird daher eine Politik, die mit Deregulierung, niedrigeren Steuern und höheren Staatsausgaben die wirtschaftliche Stimmung und die inländische Nachfrage erhöht. In einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt bereits enger geworden ist, dürfte dies zu steigenden Inflationsraten führen. Dies wird vor allem dann der Fall sein, wenn ein Präsident Trump durch eine immigrationsfeindlichere Politik, das Arbeitskräftereservoir noch reduziert oder über protektionistische Maßnahmen die Importpreise erhöht. Die Anleihemärkte nehmen diese Entwicklungen bereits vorweg und preisen höhere Inflationsraten ein.

Zinsdruck verschärft sich

Die amerikanische Notenbank hatte im Vorfeld der Wahl bereits stark angedeutet, dass sie die Leitzinsen im Dezember 2016 zu erhöhen gedenkt. Mit der sich nun abzeichnenden wirtschaftspolitischen Tendenz hat sie umso mehr Gründe, dies zu tun. In 2017 und 2018 wird sie mit weiteren  Zinserhöhungen fortfahren – und somit endgültig das Ende des geldpolitisch stimulierten Wachstums einläuten. Die Finanzmärkte müssen folglich drei neue Faktoren einpreisen: (1) Einen fiskalpolitischen Nachfrageschub für die Wirtschaft, (2) höhere Inflationsraten und Zinsen, die die Bewertung der Aktienmärkte im Vergleich zu den Anleihemärkten reduziert und (3) ein Potenzialwachstum, das sich bei einer abschottenden Wirtschaft eher reduziert. Viel spricht in diesem Umfeld für einen ausgeprägteren Boom-Bust-Zyklus.

Kurzfristige Exportsteigerungen möglich

Für Europa sind dies gemischte Voraussetzungen. Höhere Renditen in den USA bedeuten meist auch höhere Rendite hierzulande – also eine Verschärfung des monetären Umfeldes. Dagegen wirkt ein stärkerer US-Dollar, der sich in der Regel bei einer dynamischeren Wirtschaftsentwicklung in den USA ergibt. Kurzfristig könnten die Exporte in die USA also sogar nochmal steigen. Mittelfristig stellen ein neuer amerikanischer Protektionismus sowie eine unberechenbarere und eventuell undiplomatischere Außenpolitik wohl die größten Gefahren für unsere offenen Volkswirtschaften dar. Auch das Risiko neuer geopolitischer Konflikte steigt in diesem Umfeld. Einen Schwenk dürften wir aber in Europa nachvollziehen – den von der geldpolitischen hin zur finanzpolitischen Stimulierung der Wirtschaft. Schließlich stehen auch in Europa einige wichtige Wahlen in der nächsten Zeit an – und da werden einige Regierungen wohl eher auf Nummer sicher gehen wollen.

Karsten Junius ist Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG, Schweiz

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 08/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Emerging Markets – Altersvorsorge – Bausparen – Recruiting

Ab dem 20. Juli im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Digitalisierung: “Versicherer müssen kulturelle Hürden überwinden”

Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem die Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen. Denn bisher hat nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Gastbeitrag von Stefan Geipel, zeb

mehr ...

Immobilien

Wohneigentum: Preise im Norden und Osten steigen weiter

Im zweiten Quartal 2018 haben die Immobilienpreise in Hamburg, Hannover, Berlin und Dresden angezogen – wenn auch mit unterschiedlicher Dynamik. Welche Besonderheiten sich daraus für die Finanzierung ergeben, erklärt Frank Lösche, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank

Der US-Präsident sagt mitunter Dinge, die er besser für sich behalten sollte. Diesmal rüffelt er die unabhängige Notenbank Fed, weil diese die Leitzinsen erhöht hat. Seine Sprecherin muss es wieder richten.

mehr ...

Berater

Grundfähigkeiten: Essenziell und schützenswert

Für die meisten von uns ist der Beruf nicht nur die Basis des Lebensunterhalts, sondern auch ein wichtiger Pfeiler der Identität. Kein Wunder also, dass die Absicherung der Arbeitskraft eine höchst individuelle Angelegenheit ist und deshalb von so gut wie allen Experten empfohlen wird.

Die Wald-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

DFV kauft Hotel für weiteren Publikumsfonds

Die DFV Deutsche Fondsvermögen GmbH, eine Tochtergesellschaft der Immac Holding, hat das Rilano Hotel in Oberursel erworben. Es soll Objekt eines weiteren alternativen Investmentfonds (AIF) werden.

mehr ...

Recht

Unerlaubte Geschäfte: Zieht Olaf Scholz die Zügel an?

Die Anzahl der Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Die Gesamtzahl des Jahres 2017 wurde bereits überschritten.

mehr ...