Zweifelhafte Wirkung des japanischen Negativzinses

Letzten Freitag, am 29. Januar, hat die Japanische Zentralbank Bank of Japan angekündigt, künftig negative Zinsen einzuführen. Geschäftsbanken und anderen Finanzinstituten müssten auf Reserven, die sie bei der Zentralbank lagern künftig 0,1 Prozent bezahlen. Allerdings ist laut dem Vontobel Marktupdate nur ein Bruchteil des Kapitals betroffen. Die Ausnahmequote sei flexibel und hoch.

Die japanische Zentralbank hofft, die Wirtschaft mit negativen Zinsen wieder anzukurbeln.

Für die Entscheidung der Zentralbank gebe es mehrere Gründe. Ein Grund sei die niedrige Inflationsrate von 0,2 Prozent (Stand: Dezember 2015). Ein weiterer Grund sei die starke Aufwertung des Yen seit November 2015. Der entscheidende Faktor sei allerdings das Verhalten der Geschäftsbanken gewesen.

Geschäftsbanken horteten Liquidität

Die Institute hätten die Liquidität, die durch das monetäre Lockerungsprogramm geschaffen wurde, größtenteils wieder auf ihre Zentralbankkonten eingezahlt. Von 84 erschaffenen Trillionen Yen, hätten Geschäftsbanken rund 75 Trillionen wieder angelegt. Inzwischen seien die Reserven der Banken auf 260 Trillionen angewachsen.

Der negative Zinssatz gelte aber nicht für den gesamten Kontobestand. Der Schwellenwert liege so hoch, dass fast ausschließlich neu eingezahltes Geld betroffen sei. Die entstandene Liquidität soll so direkter in die Wirtschaft fließen und die Zentralbank sollte ihr Inflationsziel von zwei Prozent nach eigenen Schätzungen in der ersten Jahreshälfte 2017 erreichen. Die resultierende Abwertung des Yen könnte zudem helfen den weltweiten Anteil japanischer Exporte zu stützen.

Keine eindeutige Wirkung zu erwarten

Die tatsächlich zu erwartende Auswirkung des negativen Zinssatzes ist allerdings noch unklar. Im Vergleich zur EZB sei ein geringerer Anteil des bei der Notenbank angelegten Kapitals betroffen. Zudem wird es nach Einschätzung der Vontobel Analysten für Geschäftsbanken schwierig werden, Liquidität in die Wirtschaft zu schleusen, wenn die Kreditnachfrage so gering wie derzeit in Japan ist.

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Eine weitere Abwertung des Yen sei ebenfalls unwahrscheinlich, da die Währung bereits unterbewertet sei. Obwohl eine Vergünstigung der Währung schnellere Erfolge als Produktivitätssteigerungen oder Kosteneinsparungen in der Produktion nach sich ziehen würde, sei die Entwicklung weniger nachhaltig. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte der unterbewertete Yen allerdings eine interessante Anlagemöglichkeit darstellen. (kl)

Foto: Shutterstock

 

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