4. September 2017, 16:26
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EZB wird auf Zeit spielen

Die Europäische Zentralbank EZB steht vor der Entscheidung, ob, wann und wie sie das Anleihenkaufprogramm auslaufen lässt. Für die Zentralbank bleibt es dabei wichtig, ihre Intentionen nicht zu deutlich darzulegen. Gastbeitrag von Frank Dixmier, Allianz Global Investors

Allianz-Dixmier in EZB wird auf Zeit spielen

Franck Dixmier: “Anleger sollen nicht überrascht sein, wenn die EZB eine Verlängerung ihrer Kaufprogramme ins Jahr 2018 ankündigt.”

Bei einer gesunden Wirtschaft einerseits und einem steigenden Euro andererseits möchte die Europäische Zentralbank (EZB) mit Bezug auf den Start des Tapering flexibel bleiben. Hinzu kommt eine interne Debatte der Europäischen Zentralbank (EZB) darüber, wie der Einstieg in den Ausstieg aus den Anleihen-Kaufprogramm verkündet werden soll. Die Kommunikation bleibt zunächst vage.

Im Vorfeld ihrer Sitzung am 7. September steht die EZB vor einer schwierigen Lage, die insbesondere mit Blick auf die Lenkung von Markterwartungen (Forward Guidance)  problematisch ist.

Pro und Kontra Anleihekäufe

Einerseits ist eine gesunde Wirtschaft mit über den Erwartungen liegenden Wachstums- und Inflationsraten ein klares Argument für die EZB, ihre Anleihenkäufe zu reduzieren, andererseits spricht die jüngste Aufwertung des Euro –die eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen impliziert –  dafür, die akkommodierende Geldpolitik noch einige Zeit beizubehalten.

Vor diesem Hintergrund dürfte die EZB zurückhaltender in der Kommunikation sein als der Markt erwartet. Dies wiederum unterstreicht den Spielraum, den die EZB bei der bevorstehenden Normalisierung ihrer Geldpolitik besitzt.

Die Anleger sollten nicht überrascht sein, wenn die EZB eine Verlängerung ihrer Kaufprogramme ins Jahr 2018 ankündigt und erst im Verlauf des nächsten Jahres mit dem Tapering beginnt – und dabei gleichzeitig offen lässt, wie sie letzteres angehen möchte.

EZB-interne Debatte 

Innerhalb des EZB-Rats gibt es eine Debatte zwischen den Befürwortern einer planmäßigen Reduzierung des Asset-Käufe und denjenigen, die flexibler handeln, und das Tapering mit dem Wirtschaftsausblick verbinden wollen. Wir erwarten daher, dass die Bank erst später über ihre Vorgehensweise entscheiden wird. Bis dahin kann sie sich ein genaueres Bild von der Wirtschafts- und Finanzentwicklung verschaffen.

Die Steuerung des Euro-Wechselkurses gehört zwar nicht zu den Hoheitsaufgaben der EZB. Angesichts der Bedeutung der Wechselkurse für den monetären Übertragungsmechanismus wird die EZB allerdings mit Blick auf ihre Zinserhöhungspläne vage bleiben. Gleichzeitig dürfte sie unmissverständlich klarmachen, dass in naher Zukunft keine Zinserhöhungen auf der Tagesordnung stehen.

Zwei Maßnahmen und Euro-Stärke zu dämpfen

Was die künftige Normalisierung der Geldpolitik anbelangt, so würden zwei Faktoren der EZB helfen, den Aufwärtstrend des Euro in Schach zu halten: Erstens, Flexibilität bei der Durchführung des Tapering und mit Bezug auf Zeitpunkt und Ausmaß künftiger Zinserhöhungen. Zweitens, das Aufrechterhalten einer gewissen Unsicherheit über ihre Maßnahmen.

Ein wichtiger Parameter hierbei ist auch der Spielraum der US-Notenbank bei ihren Zinserhöhung – an den diese regelmäßig erinnert. Sollte sich die Fed weiter mit Zinserhöhungen zurückhalten, dürfte sich der US-Dollar weiter abschwächen.

Eine stärker gleichgerichtete Geldpolitik im Euroraum und den USA würde dagegen dazu beitragen, die Wechselkursveränderungen zu glätten. Alles in allem ist es für die EZB daher wichtig, auf Zeit zu spielen, indem sie ihre Intentionen nicht eindeutig darlegt.

Frank Dixmier ist globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors

Foto: AllianzGI

1 Kommentar

  1. Und der Durchschnittsmichel kapiert mal wieder nix und wählt weiter die Altersvorsorgevernichterparteien. Schlaf weiter, Schlafmichel, aber jammer dann nicht rum, wenn Du Dich in der Altersarmut wiederfindest…..

    Kommentar von stefan meier — 5. September 2017 @ 18:11

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Weniger Storno bei Run-off-Gesellschaften?

Der Run-off in der Lebensversicherung sorgt für rege Diskussionen im Markt. Auch weil Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten harsche Kritik an Run-off-Unternehmen wie der Proxalto Lebensversicherung üben. Nun hat die Kölner Rating-Agentur Assekurata die Stornoraten der Run-off-Gesellschaften genauer untersucht. Und die sind unter Marktdurchschnitt.

mehr ...

Immobilien

585 Millionen Euro für offene Immobilien-Spezialfonds platziert

Die Real Exchange AG (REAX), ein Spezialist für Anlagevermittlung und -beratung institutioneller Immobilienanlagen, erhielt im vergangenen Jahr Platzierungsaufträge in Höhe von 585 Millionen Euro für offene Immobilien-Spezial-AIFs und darf nun auch im Zweitmarkt aktiv werden. 

mehr ...

Investmentfonds

DJE übernimmt Management von RWS-Aktienfonds

Die DJE Kapital AG (DJE) übernimmt ab sofort das aktive Management des RWS-Aktienfonds (ISIN: DE0009763300). Der unabhängige Vermögensverwalter setze die bisherige Investmentstrategie fort und investiere weltweit in Unternehmen aus den Industrie- und Schwellenländern, teilten beide Unternehmen mit.

mehr ...

Berater

PMA auf Wachstumskurs

Der Münsteraner Finanz- und Versicherungsmakler PMA hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Umsatzplus von 13,9 Prozent abgeschlossen. Das entspricht einem Netto-Gesamtumsatz von 30,7 Millionen Euro. Dabei stiegen nach Angaben des Unternehmens insbesondere die Erlöse aus dem Lebensversicherungsgeschäft um 24,7 Prozent auf 13,4 Millionen Euro.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

London: Werden keine “Empfänger von EU-Regeln” nach Brexit

Unternehmerverbände in Großbritannien zeigen sich vor dem Brexit besorgt. Sie fürchten hohe Kosten durch Handelsbarrieren und warnen vor Preiserhöhungen für britische Verbraucher. Doch ihre Forderungen angesichts der Befürchtungen finden beim Finanzminister kein Gehör.

mehr ...