9. März 2017, 06:32
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Experte warnt vor Ende der Trump-Party an der Börse

Nach der Wahl von Donald Trump sind die Kurse an der Wall Street stark gestiegen. Hiervon profitierten auch andere Börsen. Allerdings könnte auf die Euphorie bald Ernüchterung folgen.

Z-invest Foto Uwe Zimmer Quer 2-Kopie in Experte warnt vor Ende der Trump-Party an der Börse

Uwe Zimmer sieht Trump als kritischen Börsenfaktor.

Kaum ein Präsident vorher hat sich so auf die Wirtschaft bezogen wie Donald Trump. Doch es wird nicht einmal 100 Tage dauern, bis der Trump-Effekt verpufft.

100 Tage – diese Zeit wird den neu gewählten traditionell gegeben, um sich einzuarbeiten und erste Akzente zu setzen. Donald Trump hat die Akzente bereits in den ersten 100 Stunden gesetzt und muss jetzt umso schneller liefern. Die Erwartungen sind immens. Infrastrukturpakete hatte er versprochen, Investitionen in Straßen, Schienen und Mauern. Die Versprechen beflügelten die Börsen.

Protektion dürfte bremsen

Gerade hat er die Banken von der Kette gelassen. Sie dürfen nach seinem präsidialen Willen jetzt da weitermachen, wo die Finanzkrise sie gestoppt hatte. Das treibt die Bankaktien. Kleine und mittlere Unternehmen aus den USA liefen gut, weil der Präsident America first als Devise ausgibt. Das soll die heimische, nicht sonderlich exportstarke und auch nicht sonderlich wettbewerbsfähige Wirtschaft stärken.

Doch schon sind erste Anzeichen von Ernüchterung festzustellen. Die Ökonomen rechnen durch, was eine streng protektionistische Haltung kosten könnte. Es sind natürlich die großen Unternehmen, die Weltmarktführer beziehungsweise Weltmarkt-Dominatoren wie Apple, Google, Facebook oder Amazon, die alles wollen, nur nicht auf den Heimatmarkt USA zurückgeworfen zu werden.

Die Banken wissen eigentlich selbst ganz gut, dass es für sie und ihre Geschäfte nicht einfach ein Zurück gibt. Das wäre ökonomischer Selbstmord. Zudem haben Kunden und Geschäftspartner dazugelernt und werden sich nicht noch einmal ein AAA für Schrottimmobilien in mortage-backed Securities vormachen lassen.

Stunde der Wahrheit kommt

In den kommenden Wochen zeigt sich, wie viel der neue US-Präsident wirklich umsetzen kann, was von Gerichten oder in juristischem Streit verzögert wird und was ganz wegfällt. Die Euphorie wird schwinden, die Börsen auf Normalmaß zurückschrumpfen und sich auf die Fundamentaldaten konzentrieren, die die Grundlage allen Handelns sein sollten. Und was Fundamentaldaten angeht, hat Donald J. Trump noch nichts zu bieten.

Da hilft es nur bedingt, dass Trump Dinge im 140-Zeichen-Takt ankündigt, die Details aber schuldig bleibt. Das lässt Raum für Spekulation, steigert die Unsicherheit und damit die Volatilität. Wenn es also eine Börsenstrategie gibt, die aus seinen wirren Tweets Honig saugen mag, wären es Wetten auf Volatilitäten.

Schwierig wird es, wenn auch in den kommenden 100 Tagen nichts Konkretes vom US-Präsidenten kommt. Spätestens dann werden sich auch seine bislang begeistert hinter ihm stehenden Wähler fragen, wann es denn richtig losgeht. Symbolpolitik sorgt nur sehr bedingt für Arbeitsplätze und schon gar nicht in der langfristig planenden, investitionsfaulen US-Industrie.

Mehr Weitsicht erforderlich

Hier wird Trumps Sprunghaftigkeit zum Problem ausgerechnet für seine treuesten Fans. Denn eine US-Regierung, die so kurzfristig handelt, sorgt nicht für solide, dauerhaft gültige Rahmenbedingungen. Und die sind bei aller Freude über gute Stimmung unbedingt notwendig, um Geld in Fabriken zu stecken.

Je länger Trump mit dem Konkreten wartet, desto schwieriger wird es für die Wirtschaft, seine Ankündigungen in Arbeitsplätze umzusetzen. Daran aber wird er von seinen Anhängern gemessen. In jedem Fall wird die Börse noch eine ganze Weile an den Worten des Mannes aus dem Weißen Haus hängen, auf Klarheit hoffen und jede Regung in Kursbewegung umsetzen. Trump könnte es freuen, wenn er denn das ein oder andere Vola-Zertifikat sein eigen nennt. Ein Beispiel, dem private Investoren folgen könnten.

Uwe Zimmer ist ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der z-invest GmbH, Köln

Foto: z-invest GmbH

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...