11. April 2017, 11:32
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Frankreich-Wahlen beeinflussen auch Schweizer Franken

Die Wahlen in Frankreich beeinflussen auch das Nachbarland Schweiz. Hierbei könnte das Votum in Paris die Nachfrage nach Schweizer Franken massiv anheizen. Entsprechend dürfte die Notenbank SNB vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Gastkommentar von Ursina Kubli, Bank J. Safra Sarasin AG

Kubli-Ursina-Sarasin-750 in Frankreich-Wahlen beeinflussen auch Schweizer Franken

Ursina Kubli analysiert die aktuelle Situation der Schweizer Notenbank.

Die Schweizerische Nationalbank kann sich wohl kaum auf ein paar ruhige Ostertage freuen. Die Sichtguthaben der SNB sind vergangene Woche um 2,4 Milliarden angestiegen und deuten auf fortlaufend kräftige Währungsinterventionen hin. Im Vorfeld der französischen Wahlen dürfte die SNB weiter unter Druck bleiben, den EUR-CHF bei dem heutigen Wechselkurs von rund 1,07 zu stabilisieren. Die Meinungen der Devisenanleger gehen jedoch stark auseinander, was die Franken-Nachfrage nach den französischen Wahlen betrifft. Es bestehen große Hoffnungen, dass die aufgestaute Euro-Nachfrage der europäischen Gemeinschaftswährung Auftrieb verleihen wird – falls Marine Le Pen die Wahlen nicht gewinnt – so dass sich die Situation für die SNB entspannen sollte. Wir sind jedoch skeptisch.

Erholungspotenzial beim Euro vorhanden

Ob der Euro bei einem glimpflichen Verlauf der französischen Wahlen zu einer Erholung ansetzen wird, hängt hauptsächlich davon ab, was die Devisenmärkte heute erwarten. Je höher die Risikoprämien aufgrund der französischen Wahlen sind, desto grösser wird das Erholungspotenzial des Euros sein. Die Laufzeitenstrukturkurve der impliziten Volatilitäten des EUR-USD-Wechselkurses gibt einen ersten Anhaltspunkt, wie nervös die Devisenmarktteilnehmer hinsichtlich einer Wahl von Marine Le Pen sind. Die impliziten Volatilitäten sind zwar um den Zeitpunkt der französischen Wahlen leicht erhöht, doch in einem historischen Vergleich erscheinen diese sehr moderat.

Die Devisenmärkte werfen offensichtlich einen Blick auf die politischen Entwicklungen in Frankreich, sind jedoch nicht übermäßig besorgt. Während die impliziten Volatilitäten die Höhe der erwarteten Kursschwankungen der Finanzmarktteilnehmer widerspiegeln, geben die sogenannten Risk Reversals die erwartete Richtung an. Abwärtsrisiken werden bei den Wahlen zwar stärker gewichtet als die entsprechenden Aufwärtsrisiken, doch auch bei den Risk Reversals sind diese Erwartungen nicht extrem. Angesichts dieser Faktoren scheint das Aufwärtspotenzial des Euros begrenzt, falls Marine Le Pen die Wahlen nicht gewinnt.

 Schweizer Bonds bleiben attraktiv

Gewinnt Marine Le Pen die Wahlen nicht, dürfte der handelsgewichtete Euro gemäß unseren Schätzungen rund 4,0 Prozent aufwerten, was der SNB zu Gute kommen wird. Wir bezweifeln jedoch, dass die SNB endgültig aufschnaufen kann. Die Zinsdifferenzen zwischen kurzlaufenden Staatsanleihen in Euro und Franken sind beinahe auf null gesunken. Damit führt die höhere Inflation in der Eurozone zu attraktiveren Realzinsen auf Schweizer Anleihen. Hinzu kommt, dass Schweizer Anleihen für ausländische Investoren, die auf währungsgesicherter Basis kaufen, sehr attraktiv sind. Solche Käufe erzeugen weiteren Aufwärtsdruck auf den Franken. Die SNB dürfte weiterhin dem Dilemma ausgesetzt bleiben, entweder weiterhin zu intervenieren, den Franken aufwerten zu lassen oder die Zinsen erneut zu senken.

Ursina Kubli ist Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin AG, Schweiz

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

Ihre Meinung



 

Versicherungen

GDV-Studie: Parkende Autos enormes Risiko für Radler und Fußgänger

Hunderte Fußgänger und Radfahrer verunglücken täglich in Deutschland – und fast jeder fünfte Fall hängt einer Studie zufolge mit parkenden Autos zusammen.

mehr ...

Immobilien

Erbbauzinsen werden trotz Corona überwiegend zuverlässig gezahlt

Rund ein Fünftel der Erbbaurechtsgeber hat aufgrund der Corona-Pandemie Zahlungsausfälle bei den gewerblichen Erbbaurechten zu verzeichnen. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Erbbaurechtsverbands hervor. Im Wohnbereich hingegen werden die Erbbauzinsen bisher zuverlässig gezahlt.

mehr ...

Investmentfonds

Hält die Fed eine weitere Überraschung bereit?

Die US-Notenbank (Fed) hat während der aktuellen Covid-19-Krise beispiellose Maßnahmen ergriffen, aber viele Marktteilnehmer fragen sich derzeit, ob sie noch einen Schritt weiter gehen und sich auf ein Zinskurvenmanagement – neben kurzfristigen sollen auch die längerfristigen Zinsen gesteuert werden – einlassen könnte. Ein Kommentar von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree

mehr ...

Berater

Frauen in Führung kommunaler Firmen unterrepräsentiert

Frauen kommen in den Topetagen kommunaler Unternehmen einer Studie zufolge vor allem in den Bereichen voran, die in der Corona-Pandemie von Bedeutung sind.

mehr ...

Sachwertanlagen

KGAL vermietet großflächig an Land Berlin

Die KGAL Investment Management hat im “Jannowitz Center” in Berlin-Mitte einen Mietvertrag über rund 13.000 Quadratmeter Büro- und 1.140 Quadratmeter Lagerfläche langfristig verlängert. Mieter ist die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Landes Berlin.

mehr ...

Recht

Erbrecht: Wann ist eine Testamentsunterschrift gültig?

Für die Unterzeichnung eines notariell errichteten Testaments genügt es, wenn der Erblasser versucht, seinen Familiennamen zu schreiben und die Unterschrift krankheitsbedingt nur aus einem Buchstaben und einer anschließenden geschlängelten Linie besteht, entschied das OLG Köln in seinem Beschluss vom 18. Mai 2020.

mehr ...