„Gefahr weiterer Enttäuschungen groß“

Trotz des guten Ifo-Geschäftsklima-Indexes sollten Anleger sich auf Rückschläge einstellen. Die Erwartungen sind hoch und die Kurse schon weit gelaufen. Das sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund.

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Christian von Engelbrechten: „Aus meiner Sicht ist die Gefahr weiterer Enttäuschungen groß. Das gilt vor allem für zyklische Unternehmen und Werte von niedriger Qualität.“

„Die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland ist gut. So notierte beispielsweise der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli auf einem Höchststand. Doch Anleger sollten sich nicht täuschen lassen. Einige Unternehmen könnten Rückschläge erleiden“, sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund.

„Schon die laufende Berichtssaison zeigt beispielsweise bei vielen Chemie-, Industrie- und Bankenwerten, dass die Erwartungen zu hoch sind und die Kurse dieser Unternehmen zu weit gelaufen sind. Ein weiterer Belastungsfaktor bleibt die Autoindustrie, die sowohl zyklisch als auch strukturell und aufgrund der Wechselkurse unter Druck steht“, so von Engelbrechten weiter.

Frühindikatoren deuten auf wechselnde Stimmung hin

Seit 2009 würden die Börsen nur noch eine Richtung kennen: nach oben. Doch die Börse ist keine Einbahnstraße und die Zeichen einer Übertreibung würden sich mehren. Ein Indiz dafür sei, dass Zykliker und Unternehmen mit niedriger Qualität den Markt über die letzten zwölf Monate anführten. Anleger würden nicht mehr auf die Güte von Unternehmen achten, die sie kaufen, das sei ein Zeichen für Euphorie.

Einige Frühindikatoren deuten laut Fidelity darauf hin, dass die Stimmung wechseln dürfte: So fiel der Citigroup-Economic-Surprise-Index, der bisher überraschend positive Wirtschaftsdaten zeigte, in den vergangenen Monaten deutlich.

Fokus auf kontinuierliches Wachstum

Einkaufmanagerindizes, die schon früh eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik registrieren, scheinen ihren Höhepunkt erreicht zu haben und drehen nach unten. So habe zum Beispiel der ISM-Einkaufsmanagerindex für die USA nachgegeben. Auch die höhere Notierung des Euro sorge für Gegenwind bei Exportwerten.

„In diesem Umfeld wird es immer schwieriger, die bisherigen hohen Erwartungen der Märkte zu erfüllen. Aus meiner Sicht ist die Gefahr weiterer Enttäuschungen groß. Das gilt vor allem für zyklische Unternehmen und Werte von niedriger Qualität. Ihre Kurse preisen einen starken wirtschaftlichen Aufschwung ein“, sagt von Engelbrechten.

Anleger sollten auf Qualität und solide Wachstumswerte setzen. Darunter würden Unternehmen fallen, die sich durch ein hohes kontinuierliches Wachstum auszeichnen, das auch in einem schwierigen Umfeld hält, und deren Geschäftsmodell relativ unabhängig von Konjunkturzyklen ist. Oftmals würden sich solche Unternehmen auch durch eine nachhaltig hohe Gesamtkapitalrendite und höhere Wachstumsraten als der Gesamtmarkt auszeichnen. (kl)

Foto: Fidelity

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