Anzeige
6. Oktober 2017, 08:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Robo-Berater müssen noch viel lernen”

Die standardisierte Vermögensberatung sieht schon heute aus wie eine moderne Partnervermittlung. Mit einem kurzen Internetfragebogen werden Risikoneigung und Erfahrung des Anlegers erhoben – schon sind die zueinander passenden Partner gefunden. Doch so richtig passt es eben nicht. Ein Selbstversuch von Gottfried Urban, Bayerische Vermögen AG

BYVAG -Gottfried Urban Quer Qf-Kopie in Robo-Berater müssen noch viel lernen

Gottfried Urban, Bayerische Vermögen AG

Bei einem Selbstversuch bin ich als erfahrener Anleger nie zu dem von mir eigentlich gewünschten Aktiendepot gelangt. Immer wurden mir angeboten, große Teile des Geldes in Rentenpapieren anzulegen. Weitere Versuche ergaben, dass man die Fragen zwanghaft in eine Richtung beantworten musste, um auf ein dynamisches Depot zu kommen. Laut Roboter hatte ich scheinbar in den vergangenen Jahren viel zu riskant und nicht passend zu meinem Profil investiert.

Zu viele Fragen sorgen für Abbrüche des Anlageprozesses durch den Kunden

Ob man aufgrund von Bewertungen Rentenpapiere oder bei Aktien bestimmte Branchen oder Regionen besser meide, das interessiert den Robo-Adviser nicht. Die Überlegung, dass aktuell Cash wegen hoher Zinsänderungsrisiken sogar interessanter sein könnte als ein Rentenindex, wird gar nicht erst angestellt. Zu viele Fragen an den Anleger sind zu vermeiden, da der Interessent am PC oder seinem Smartphone den Fragebogen abbricht, wenn es kompliziert wird.

Defensives Depot oft als Resultat

Meistens empfiehlt der Beratungsroboter ein eher defensives, maximal ausgewogenes Depot, das mit einem Mausklick preiswert gekauft werden kann. Um im Preisvergleich gut dazustehen, arbeitet der virtuelle Finanzberater bei der Zusammensetzung des empfohlenen Portfolios vor allem mit Indexabbildern für den Aktien-, Renten- und den Rohstoffmarkt.

Indexinvestments als Weg aus der Verantwortung

Mit reinen Indexinvestments stiehlt sich der Vermögensverwalter und Kundenberater elegant aus der Verantwortung, für seine Kunden die besten Einzelanlagen oder aktive Fonds auswählen zu müssen. Viele Anbieter von aktiv verwalteten Anlagen sind zudem in den letzten Jahren zu heimlichen Indexnachahmer mutiert. Diese Fondsmanager minimieren damit ihr Risiko, wichtige Kunden oder den Job bei Fehlentscheidungen zu verlieren.

Aktive Entscheidungen auf Fondsebene

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Indexprodukte sind eine wunderbare Sache für taktische Entscheidungen und um bestimmte Märkte abzubilden. Den Vorteil der aktiven Fondsansätze möchte ich für den Bereich der Nebenmärkte und bei Schwellenländern nicht missen. Das Gleiche gilt für den mittlerweile sehr anspruchsvollen Zinsmarkt. Was helfen extrem niedrige Produktkosten, wenn der Markt stark einbricht oder ein Markt völlig überteuert beziehungsweise unrentabel ist? Ich will aktive Entscheidungen auf Fondsebene sehen. Manager, die Bewertungen abwägen und mit Erfahrung und Verstand das Portfolio lenken!

Robo-Adviser, standardisierte Vermögensanlage, Indexprodukte: Der Kostendruck treibt die Banken zur Automatisierung der Anlageberatung. Viele neue Produkte haben durchaus ihre Existenzberechtigung. Doch gerade wenn Märkte drehen und Kurse stärker schwanken, kommt der Standard an seine Grenzen. Der menschliche Faktor bleibt unverzichtbar.

Gottfried Urban ist Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Vermögen AG aus Altötting.

Foto: Bayerische Vermögen

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Axa strukturiert Vorstand um – Dahmen geht

Die Axa gibt ihrem Konzern in Deutschland zum 1. Januar eine neue Struktur. Dazu wird der Versicherer die Vorstandsressorts bündeln, um damit gezielt für weiteres Kundenwachstum aufgestellt zu sein.

mehr ...

Immobilien

Gebrauchtimmobilie: Gekauft wie gesehen?

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

mehr ...

Investmentfonds

Der Weg zur Planwirtschaft

Die expansive Geldpolitik lähmt Innovationen und lässt Blasen entstehen, die platzen werden. Die größte Gefahr ist, dass gescheiterte Unternehmen verstaatlicht werden. Davor warnte gestern auf dem Faros Institutional Investors Forum Professor Gunther Schnabl. Gibt es einen Ausweg aus diesem Szenario?

mehr ...

Berater

EZB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef fordern Kapitalmarktunion

EZB-Präsident Mario Draghi und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing haben einmal mehr einheitliche Regeln für Banken und die Kapitalmärkte in Europa gefordert. Das sei die einzige Antwort auf die Bedrohungen denen sich die Währungsunion ausgesetzt sehe.

mehr ...

Sachwertanlagen

Noch immer Prozesse rund um die Göttinger Gruppe anhängig

Die Pleite der Securenta/Göttinger Gruppe im Jahr 2007 beschäftigt noch immer die Gerichte. Das belegt ein aktueller Beschluss des BGH: Er hatte in Zusammenhang mit einer überlangen Verfahrensdauer eines der Prozesse zu entscheiden. 

mehr ...

Recht

Kampf ums “Bayerische”: Watschn vom Richter

Nach langwierigem Prozess über zwei Instanzen wird ein Hahnenkampf zweier Versicherungen ums “Bayerische” aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Offensichtlichen enden: Ein bayerisches Unternehmen darf sich auch bayerisch nennen.

mehr ...