Anzeige
8. Juni 2018, 12:32
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Handelsstreit: Trumps verzerrte Wahrnehmung

US-Präsident Donald Trump betont immer wieder die unfairen Handelsbedingungen und sieht das US-Außenhandelsdefizit als Folge. Doch auch nach den Zahlen seiner eigenen Behörde exportieren die USA mehr nach Europa als umgekehrt. Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr erklärt, warum Trumps Wahrnehmung verschoben ist.

Hafen-containerschiff-flugzeug-handel-umschlag-verladeplatz-globalisierung-wirtschaft-shutterstock 526625740 in Handelsstreit: Trumps verzerrte Wahrnehmung

Zum Handel zählen nicht nur physisch transportierbare Waren sondern auch Dienstleistungen.

Der Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr hat US-Präsident Donald Trump eine “verzerrte Wahrnehmung” vorgeworfen. “Er spricht nur von dem US-Defizit bei den Waren, verschweigt aber, dass die USA bei Dienstleistungen und Unternehmensgewinnen einen massiven Überschuss gegenüber der EU erwirtschaften”, sagte Felbermayr am Freitag zum Auftakt des G7-Gipfels.

Old- versus New Economy

“Nach den eigenen Zahlen der Amerikaner steht unter dem Strich der Leistungsbilanz ein Plus von 14 Milliarden US-Dollar für die USA. Diese ‘schwarze Null’ steht dort übrigens schon seit 2008”, so Felbermayr.

“Die USA haben Wettbewerbsvorteile Vorteil in der ‘New Economy’, vor allem bei digitalen Dienstleistungen: Apple, Amazon, Facebook, Google und Konsorten lassen grüßen. In der ‘Old Economy’, bei Autos, Maschinen, diversen Konsumgüter, sogar bei Nahrungsmitteln, hat die EU einen Wettbewerbsvorteil.”

“Es ist falsch, einzelne Mitgliedsstaaten der EU herauszupicken”

Die Daten des US-Handelsministeriums wiesen zwar ein Leistungsbilanzdefizit mit Deutschland von 65 Milliarden Dollar aus. “Doch es ist falsch, einzelne Mitgliedsstaaten der EU herauszupicken. Die EU ist eine Zoll- und Wirtschaftsunion, in der die einzelnen Mitglieder eng verbunden sind”, sagt Felbermayr.

“Der US-Überschuss in der Höhe von fast 100 Milliarden Dollar mit den Niederlanden ist zu weiten Teilen Deutschland zuzurechnen.” Amerikanische Internet-Unternehmen würden den deutschen Markt über steuerliche Niederlassungen in den Niederlanden bedienen. Ähnliche Muster gebe es mit Irland.

“Beide Partner sind hochgradig verletzlich”

Felbermayr warnte: “Beide Partner sind hochgradig verletzlich. Beide würden bei einem eskalierenden Handelskrieg verlieren. Europa muss nun Einigkeit zeigen, und den Amerikanern die eigenen Zahlen verdeutlichen.”

Er fügt hinzu: “Europa muss auch bereit sein, in der Digitalwirtschaft Gegenmaßnahmen in den Raum zu stellen, beispielsweise die von der EU-Kommission ins Gespräch gebrachte Digitalsteuer, falls die Amerikaner Zölle auf europäische Autos erheben sollten.”

US-Präsident Trump hatte vor dem Gipfel in einem Tweet beklagt, die USA hätten ein Defizit von 151 Milliarden Dollar mit der EU. Die Zahl des US-Wirtschaftsministeriums lautet allerdings 153 Milliarden Dollar und gilt nur für die ‘Old Economy’.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

GDV veröffentlicht neue Typklassen für elf Millionen Autofahrer

Wie hoch der Beitrag einer Kfz-Versicherung ist, hängt auch davon ab, welches Modell gefahren wird. Um Kfz-Versicherern die Beitragskalkulation zu erleichtern, wertet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)  jährlich die Schadenbilanzen aller in Deutschland zugelassenen Automodelle aus. Nun hat er die neue Typklassenstatistik veröffentlicht. (Mit Link zu den neuen Typklassen)

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Wie hoch ist das durchschnittliche Baudarlehen?

Deutsche Kreditnehmer nehmen immer mehr Geld auf um sich den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu erfüllen. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, berichtet über weitere aktuelle Entwicklungen bei Baufinanzierungen.

mehr ...

Investmentfonds

Warum der US-Handelskrieg eine Chance für die EU ist

Amerikas saure, nicht süße Handelspolitik zwingt China, Alternativen zu suchen. So belebt Peking die eurasische Seidenstraße wieder und holt Russland mit ins Boot. Beide Länder verbindet sicher keine Liebesbeziehung, aber für eine Vernunftehe gegen den gemeinsamen Feind USA reicht es allemal. Könnte man auch noch Europa anbinden, würde sich der bislang zeitintensive Seeweg chinesischer Exporte in die westliche Welt erheblich verkürzen. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

“Ein Provisionsdeckel wäre verfassungswidrig”

Das 14. “Bonner Spitzentreffen”, das rund 40.000 Versicherungsvertreter in Deutschland repräsentiert, hat sich einstimmig gegen eine Deckelung von Provisionen im Zuge der Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) ausgesprochen.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin: Untersagungs-Flut geht weiter

Der Strom an neuen Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte reißt nicht ab. Allein gestern und heute traf es drei weitere Unternehmen. Zudem warnt die Behörde vor einem dreisten Etikettenschwindel.

mehr ...

Recht

Welche finanziellen Vorteile die Eheschließung bringt

Heiraten – ja oder nein? Keine einfache Entscheidung, doch auch neben der Liebe gibt es gute Gründe dafür. Die Experten der DVAG erklären, wie sich Eheleute bei Steuern und Versicherungen besserstellen können und geben Tipps, was sie beachten sollten.

mehr ...