9. April 2018, 06:29
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Spielt der nächste Katastrophenfilm an den Aktienmärkten?

Regisseure von Katastrophenfilmen wie “Independence Day”, “Deep Impact” oder “2012” müssten in der Finanzwelt eigentlich jede Menge Material für einen neuen Untergangsfilm finden, der diesmal an den Aktienmärkten spielt. Tatsächlich, eine vermeintlich von bislang lieblich auf zukünftig grimmig gebürstete Geldpolitik trifft auf eine Weltgesamtverschuldung von rund 250 Billionen US-Dollar, also gut 60 Prozent höher als zu Beginn der Finanzkrise vor zehn Jahren. Das riecht nicht nur nach finaler Schuldenkrise, es stinkt sogar danach. Die Halver-Kolumne

Halver-Robert-Baader-Bank-BBO4957 in Spielt der nächste Katastrophenfilm an den Aktienmärkten?

Robert Halver, Baader Bank: “China wird auf die Androhung der Roten Karte aus den USA reagieren und auf die Trumpschen Handelswünsche eingehen.”

Aber richtig Schmackes für einen Horrorstreifen kommt durch einen bislang unbekannten Gruseleffekt. Nach Jahrzehnten der fortschreitenden Globalisierung und des Freihandels droht der handelspolitische Independence Day Amerikas. Dieser würde die Weltwirtschaft, Exportunternehmen und ihre Aktienkurse treffen wie die Erde bei einem Meteoriteneinschlag. Und in den Medien laufen ja bereits erste Werbetrailer für diesen Deep Impact. Kommt es an den Aktienmärkten also früher als später zum The Day After Tomorrow, zum Tag, an dem man den Aktien-Crash beobachten kann?

Aber langsam mit den apokalyptischen Reitern. Der Stoff für einen erfolgreichen Thriller ist manchmal dünner als eine Rindfleischsuppe aus Brühwürfeln. Aus dem erhofften Film-Oscar wird oft nur die Goldene Himbeere.

Geldpolitik bietet keine Thriller-Qualitäten

Sollen denn die Notenbanken, die zehn Jahre lang die unheilbar schuldenkranken Finanzmärkte auf ihrer Intensivstation gepflegt haben, jetzt die Maschinen ausschalten und den Patienten verenden lassen? Es sind doch nicht nur die Staaten, sondern auch die Privaten zum Beispiel in Amerika bis Oberkante Unterlippe verschuldet. Dort befinden sich Kreditkarten-, Auto- und Studentenschulden auf Rekordniveau und das Olympische Motto “Schneller, Höher, Weiter” wird weiter strikt verfolgt. Kein Wunder, denn der US-Arbeitsmarkt ist nur in nackten Job-Zahlen, aber nicht in Lohnqualitäten Spitze. Und wo kein Einkommen ist, müssen Kredite her.

Die US-Notenbank wird dieses Kredit-Doping nicht durch übermäßig scharfe Zinspolitik stören und ohne Not eine neue sozialschädliche Schuldenkrise provozieren. Das Gegenargument, dass die Fed ihre Leitzinsen doch bereits zum sechsten Mal erhöht hat, lasse ich nicht gelten. Denn betrachtet man den US-Leitzins nach Inflation, liegt er heute nicht nur niedriger als zu Beginn des US-Zinserhöhungszyklus im Jahr 2015, sondern ist sogar negativ. Das ist so wenig restriktive Zinspolitik wie der kalendarische bislang ein tatsächlicher Frühling war.

Finanzstabilität ist ein Fremdwort für Italien

Und in Europa? Wer glaubt, dass Italien nach seiner Nationalwahl Finanzstabilität groß schreibt, glaubt wahrscheinlich auch an den Osterhasen. Die neue römische Regierung wird sich auf nichts, dafür aber auf viele neue Schulden zur Bewahrung des sozialen Friedens in Bella Italia einigen. Diese bringen das Land zwar in arge Finanznöte. Aber wo die Not am größten – so ein bekanntes europäisches Sprichwort – ist die EZB am nächsten.

Auch beim Projekt einer verstärkten Europäischen Integration wird unsere Notenbank hilfreich wirken. Denn dieser grundsätzlich gute Begriff ist eher ein Synonym für neue europäische Schuldenfaszination. So soll bei der angestrebten Fiskalunion – böse Zungen sprechen von Schuldenunion – mit einem eigenständigen dicken Budget für einen Euro-Finanzminister jedes Euro-Land einen gewissen Prozentsatz seiner Wirtschaftsleistung in den gemeinsamen Klingelbeutel werfen. Das können die meisten Euro-Staaten jedoch nicht aus eigener Finanzkraft stemmen. Dreimal dürfen Sie raten, wer hier dopt. An dieser Finanzierungspraxis würde 2019 selbst ein neuer EZB-Präsident mit Nachnamen Weidmann nichts ändern können. Ein Falke im EZB-Rat kann nicht für Stabilitätsreinheit sorgen, wenn die ansonsten dominierenden Tauben permanent etwas fallen lassen.

Weder Zinsangst noch Notenbanker taugen als filmreife Bösewichte. Das Ende der Welt, so wie es im amerikanischen Film “2012” dargestellt wird, findet an den Aktienmärkten keinen neuen Showdown. Im Gegenteil, 2012 kam in Europa der Dokumentarfilm “Whatever it takes” mit Mario Draghi als Hauptdarsteller in die Kinos. Obwohl er eher langweilig ist, läuft er bis heute.

Seite zwei: Warum einen Handelskrieg führen, wenn man auch so gewinnt

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Rentner bekommen ab nächstem Monat mehr Geld

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland bekommen ab Juli mehr Geld. Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin der entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zugestimmt. Demnach steigen im Zuge der jährlichen Rentenanpassung die Bezüge im Osten um 4,2 und im Westen um 3,45 Prozent. Die Ost-Renten nähern sich damit weiter den West-Bezügen an.

mehr ...

Immobilien

Marc Drießen wird Aufsichtsrat bei Corestate

Der Immobilien und Investment Manager Corestate Capital Holding S.A. hat auf seiner Online-Hauptversammlung wie angekündigt den Aufsichtsrat neu besetzt. Eines der neuen Mitglieder ist ein langjährig bekanntes Gesicht aus der Sachwertbranche. Außerdem: Die Dividende fällt aus.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Wirtschaft holt nach tiefer Rezession wieder auf

Nach der tiefen Rezession im zweiten Quartal dieses Jahres wird sich die deutsche Wirtschaft gemäß den aktuellen Bundesbank-Projektionen wieder erholen. Wie weit es runter geht und wann die Erholung in welchem Umfang wieder einsetzt.

mehr ...

Berater

Neues STO: Mit der Blockchain nach Mallorca

Die Palmtrip GmbH aus Rabenau (bei Gießen) hat die Billigung für eine tokenbasierte Schuldverschreibung von der Finanzaufsicht (BaFin) erhalten, also für ein digitales Wertpapier. Auch rechtlich betritt das Unternehmen mit den “Palm Token” Neuland – und hat dabei einen prominenten Berater.

mehr ...

Sachwertanlagen

Gezeitenkraft-Vermögensanlage von Reconcept platziert

Die als operative KG-Beteiligung konzipierte Vermögensanlage “RE13 Meeresenergie Bay of Fundy” der Reconcept aus Hamburg hat das angestrebte Platzierungsvolumen erreicht und wurde für weitere Investoren geschlossen. Das Geld fließt in schwimmende Gezeitenkraftwerke vor der Küste Kanadas.

mehr ...

Recht

Corona-Krise treibt Nachfrage nach telefonischer Rechtsberatung in die Höhe

Noch nie haben sich so viele Kunden innerhalb kürzester Zeit bei Rechtsfragen an ihren Rechtsschutzversicherer gewandt, wie in den Wochen der Corona-Krise. Im März und April konnte Versicherten in knapp 285.000 anwaltlichen Telefonberatungen geholfen werden. In normalen Monaten sind es etwa 115.000. Das zeigt eine Sonderauswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

mehr ...