Der Goldpreis hat im März nach einer Annäherung an sein Rekordhoch erneut nachgegeben. Diese Entwicklung wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, gilt Gold doch als klassischer sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Imaru Casanova, Portfoliomanagerin für Gold und Edelmetalle bei VanEck, ordnet die Marktbewegung jedoch anders ein.
„Diese Art der Kursentwicklung mag kontraintuitiv erscheinen, ist aber in Krisenzeiten nicht ungewöhnlich“, schreibt sie in einem aktuellen Marktkommentar. Anleger hätten zwar angesichts globaler Turbulenzen mit steigenden Preisen gerechnet, doch kurzfristig dominierten andere Faktoren.
So habe im März der Verkaufsdruck die Nachfrage nach sicheren Anlagen sowie die Käufe der Zentralbanken übertroffen. Casanova betont, dass solche Bewegungen im historischen Kontext keine Ausnahme darstellen.
Historische Muster in Krisenzeiten
Ein Blick zurück zeigt ähnliche Entwicklungen in früheren Krisen. Zu Beginn der Finanzkrise 2008 sowie in der frühen Phase der Pandemie 2020 verzeichnete Gold zunächst deutliche Verluste. Auslöser waren jeweils erhöhter Liquiditätsbedarf, steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar.
Auch nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 zeigte sich dieses Muster. Der Ölpreis stieg auf über 100 Dollar pro Barrel, was inflationsbedingte Zinserhöhungen und eine Aufwertung des Dollars nach sich zog. Nach einer kurzen Rallye fiel der Goldpreis in der Folge um rund 18 Prozent.
„Auch wenn jeder dieser Zeiträume von unterschiedlichen grundlegenden Bedingungen geprägt war, so zeigen sie doch, dass Gold in der Anfangsphase größerer globaler Verwerfungen Volatilität erfahren kann.“
Aktuelle Belastungsfaktoren für Gold
Die gegenwärtige Situation ist erneut von einem Ölpreisschock und geopolitischen Risiken geprägt. Höhere Energiepreise treiben die Inflation und erhöhen den Druck auf die Geldpolitik. Steigende Zinsen und ein fester US-Dollar wirken kurzfristig belastend auf den Goldpreis.
Zusätzlich verstärken systematische und algorithmusgesteuerte Handelsstrategien die Kursbewegungen. Gleichzeitig kommt es zu Gewinnmitnahmen. Seit 2024 hat Gold deutlich zugelegt, weshalb Anleger nun verstärkt Positionen abbauen oder Liquidität sichern.
Deutliche Abflüsse aus Goldbarren-ETFs unterstreichen diesen Trend. In Phasen allgemeiner Marktunsicherheit dient Gold häufig selbst als Liquiditätsquelle.
Rolle der Zentralbanken und langfristiger Ausblick
Zentralbanken bleiben ein zentraler Treiber der Goldnachfrage, auch wenn ihre Aktivitäten in Stressphasen schwanken können. Einige Länder priorisieren in solchen Situationen die Stabilisierung ihrer Währungen. So hat die Türkei im März Berichten zufolge Gold verkauft oder getauscht.
Andere Staaten, insbesondere aus dem Golfraum, zählten zuletzt zu den größten Käufern, könnten ihre Aktivitäten jedoch kurzfristig anpassen. Gleichzeitig berichtet der World Gold Council von anhaltenden Käufen durch Länder wie Indonesien, Guatemala und Malaysia.
Der Trend zur Diversifizierung der Währungsreserven, insbesondere weg vom US-Dollar, bleibt bestehen. Trotz der jüngsten Korrektur zeigt sich der Goldpreis robust. Die Marke von 4.000 Dollar konnte gehalten werden, und seit Jahresbeginn liegt das Plus weiterhin bei 349 Dollar beziehungsweise 8,0 Prozent.
Mit Blick nach vorn verweist Casanova auf strukturelle Faktoren wie hohe Staatsdefizite in den USA und steigende Schuldendienstkosten. Auch die zunehmenden Bemühungen vieler Länder, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren, bleiben bestehen. Höhere Ölpreise bergen zudem Risiken für das globale Wirtschaftswachstum. „Vor diesem Hintergrund bleibt die langfristige Perspektive für Gold intakt“, schreibt Casanova.












