ESG: Richtig nachhaltig investieren

Die öffentliche Debatte über Umweltschutz wird vielfach durch die Diskussion über Verzicht dominiert. Entsprechend schalten viele Anleger ab, wenn es um das Thema Umwelt geht. Doch das hat seinen Preis. Denn am Ende stehen Anleger mit einem an ESG-Faktoren ausgerichteten Portfolio oft besser da, so Blackrock. Zeit, mit drei großen Mythen aufzuräumen.

Mythos 1: ESG-Investments sind ein kurzfristiges Mode- und Trendthema
Die Geschichte des nachhaltigen und verantwortlichen Investierens zeigt: Bereits in der Entwicklungsphase der Finanzmärkte im 18. und 19. Jahrhundert wollten Anleger nach Glaubens- und Gewissensmaßgaben wirtschaften. Damals weigerten sich die Mitglieder angelsächsischer Freikirchen, in den Sklavenhandel und Waffenhersteller zu investieren. Über die Apartheid bis hin zum Thema Klima gibt es immer wieder unterschiedliche Trends. Greta Thunberg hat nun mit ihren Fridays For Future die Wahrnehmung der globalen Klimakatastrophe auf Platz eins der Agenda befördert.

Verantwortungsvolle Anlageformen begleiten die Geldanlage also schon lange – und zwar sowohl bei einzelnen, als auch bei institutionellen Investoren. Dabei ändern sich die Themen, nie aber der Wunsch, investiertes Kapital, wenn schon nicht zum Wohl der Menschen dann doch zumindest nicht zu deren Schaden einzusetzen. Dieser Wunsch besteht nicht nur bei Junganlegern und Frauen, wie ein weiterer ESG-Mythos behauptet. Vielmehr sind es gerade institutionelle Investoren, die knapp 75 Prozent aller ESG-Investments stellen.*

Mythos 2: Es geht nur um Ausschluss und die Umwelt
ESG-Investments richten sich an mehr als Umwelt und Ökologie aus. Die Faktoren Social und Governance spielen eine gleichberechtigte Rolle. Damit werden beispielsweise Unternehmen ausgeschlossen, die nicht nur in großer Menge Treibhausgase ausstoßen, sondern auch solche, die Menschenrechte verletzen oder Mitarbeiterschutz und Diversität vernachlässigen. Auch mangelhaftes Prozessmanagement und fehlende Mitarbeiterbeteiligung führen zu schlechten ESG-Rankings.  

Mit Ausschlussfaktoren lassen sich Sektoren wie Glücksspiel, Kohle oder Atomkraft ausschließen. Aber ein positiver Ansatz gewinnt immer mehr an Bedeutung. Der Wunsch nach guten Investments lässt Produktklassen entstehen, in denen die Best-in-Class-Unternehmen der Bereiche zusammengefasst werden. Das macht es für Unternehmen interessant, sich um ESG-Faktoren zu bemühen. Gleichzeitig integrieren Investmentmanager ESG-Kriterien immer früher im Anlageprozess. Denn die Berücksichtigung aller Faktoren hilft dabei, einen weiteren Mythos zum Einsturz zu bringen.

Mythos 3: ESG-Anlagen performen schlecht(er)
Rentabilität, Nachhaltigkeit, Liquidität und Sicherheit werden immer noch als Spannungsfeld begriffen, in dem eine Entscheidung für die Nachhaltigkeit auch immer eine Entscheidung gegen die Rentabilität ist. Doch in einer Metastudie konnten Forscher 2015 nachweisen, dass in 90 Prozent der 2.000 untersuchten Studien die Firmen mit besseren ESG-Bewertungen auch am Markt besser abschnitten.** Der Grund? Firmen, die auf Faktoren wie Diversität und gute Prozesse bauen, sind im Schnitt wesentlich weniger krisen- und störanfällig. Breit aufgestellte Teams entwickeln bessere Lösungen und schaffen als Corporate Citizens ein ethisches Bewusstsein in den Firmen.

Mehr Realität, weniger Mythen

Beim Thema ESG halten sich unfundierte Mythen wie diese nachhaltig. Doch immer mehr private oder institutionelle Anleger entdecken ESG-Kriterien für sich. Der Spruch „Haltung muss man sich leisten können“ gilt schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Investoren können für ihre Haltung sogar noch belohnt werden. Verantwortungsvolle Geldanlage wird in den kommenden Jahren als Trendthema erhalten bleiben – genau wie die Herausforderungen, die ESG-basiertes Investieren begegnen möchte.

Foto: Shutterstock

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