Lärm am Finanzmarkt verleitet zu Fehleinschätzungen

Durch das Internet und immer bessere mobile Möglichkeiten sehen sich Menschen heute einer enormen Informationsflut gegenüber. Das Volumen, das die Menschen tagtäglich erreicht, hat sich in den vergangenen dreißig Jahren verfünffacht. Das hat auch die Finanzmärkte verändert – und nicht nur zum Guten.

Die scheinbar unbegrenzte Verfügbarkeit von Informationen kann Investoren das Gefühl vermitteln, Entscheidungen stets nach bestem Wissen treffen zu können. Dieses Empfinden ist Ausdruck einer Täuschung, der viele erliegen.

Wer zu Daten Zugang besitzt, fühlt sich bestens versorgt

„Nicht notwendig führt die wachsende Verfügbarkeit von Informationen zu einer höheren Treffsicherheit bei Investitionsentscheidungen“, sagt Iain Campbell, Investmentmanager bei der schottischen Investmentgesellschaft Baillie Gifford. „Mit immer größeren Datensammlungen werden Prognosen nicht gleich zuverlässiger. Diese Korrelation zu unterstellen, führt zu einem Trugschluss. Hierauf hat Paul Slovic, Psychologieprofessor an der University of Oregon, in einer Studie schon in den siebziger Jahren hingewiesen.

Wer zu Daten in unermesslichem Umfang Zugang hat, fühlt sich bestens versorgt und bei seinen Entscheidungen entsprechend abgesichert. Dieses subjektive Empfinden kann tückisch sein: Wenn sich Investmentmanager etwa im Vorfeld einer Entscheidung ein Urteil anhand von Informationen bilden, die weder die relevantesten und aktuellsten Entwicklungen im Markt wiedergeben, noch sonderlich präzise sind.

Die Qualität von Informationen entsteht durch Selektion

Durch die Sturzfluten von Informationen ist der Lärm an den Märkten groß geworden. Es besteht damit das Risiko, dass sich Investmentmanager auf Informationen stützen, die für sie leicht zugänglich sind, deren Bedeutung aber temporär überschätzt wird. Kommt dieses zum Tragen, steigt mit der größeren Verfügbarkeit von Daten nicht die Qualität einer Entscheidung.

Weil viele Investmentmanager Geld mit den kurzfristigen Aufs und Abs an den Märkten verdienen, die mit dem Informationsfluss einhergehen, besteht unter Marktteilnehmern ein Interesse daran, dass Finanzmärkte als Geräuschverstärker fungieren. Unter dem Eindruck der immer mächtigeren Geräuschkulisse werden Informationen mit größerer Wahrscheinlichkeit ignoriert, auf die es für langfristige Investments wirklich ankommt.

Austausch bleibt wichtigste Quelle für Informationen

Es genügt für langfristige Investments ohnehin nicht, das Wissen abzurufen, über das wir verfügen, oder sich Wissen anzueignen, das im Vorfeld einer Investmententscheidung kursiert und in greifbarer Nähe ist. Es geht darum, die größeren Unbekannten in Annahmen über zukünftige Marktentwicklungen in den richtigen Relationen zu sehen und hierzu richtige Einschätzungen abzugeben.

Das gelingt Investmentmanagern in der Regel nur, wenn sie in einem kontinuierlichen Austausch mit Vorständen von Unternehmen, ihren Wettbewerbern, Lieferanten sowie Branchenkennern und Wissenschaftlern stehen, um zu erkennen, in welchem Maß ein Unternehmen gegenüber Wettbewerbern Vorteile ausspielen kann und wie es um die Fähigkeiten des Managements steht.“

 

Foto: Shutterstock

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