30. Oktober 2019, 15:58
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Mifid II und PRIIPs: Fondskosten und Zielmarktdefinitionen in Europa vergleichbar?

Sind Fondskosten und Zielmarktdefinitionen gemäss MIFID II und PRIIPs in Europa vergleichbar? Das RegTech Unternehmen acarda und das Beratungshaus Kommalpha, bei operativen Prozessen in den regulatorischen Themengebieten Mifid II und PRIIPS zusammenarbeitend, geben eine Antwort.

Banken-Mifid-II in Mifid II und PRIIPs: Fondskosten und Zielmarktdefinitionen in Europa vergleichbar?

Hierbei sind Asset Manager und deren Fondsadministratoren gefordert, standardisierte Daten bereitzustellen, die die Grundlage für die Berechnung und Befüllung der PRIIPS und Mifid Kundeninformationen sind. Obwohl sich die Datenstrukturen (Stichwort EPT und EMT) und Prozesse in der Branche etabliert zu haben scheinen, gibt es signifikante Unterschiede in Europa bei der Auslegung der Kostenberechnung, so die Feststellung von Gerhard Jovy, Geschäftsführer von acarda und Clemens Schuerhoff, Vorstand von Kommalpha.

Auswahl des Kalkulationsverfahrens als Herausforderung

Die größte Problematik liegt in der Auswahl des Kalkulationsverfahrens für die Transaktionskosten, welche einen wesentlichen Teil der Kosten eines Fonds ausmachen. Angewendet werden verschiedene Verfahren nach UCITS KIIDs, nach PRIIPS oder Mifid II. Aber auch innerhalb von PRIIPS oder Mifid werden die Kosten unterschiedlich berechnet. So gibt es bei den implizierten Transaktionskosten die „New-PRIIPS“ bzw. Schätz-Methode oder die „Arrival Price“ bzw. „Full-PRIIPS“-Methode“.

Beide Verfahren werden noch uneinheitlich angewandt, z.B. die Schätzmethode für Mifid, die Arrival-Price Methode für PRIIPS oder das gleiche Verfahren für beide Reports. Auch bei der Schätzmethode, für die pro Transaktion und Instrument Basispunkte mit dem Transaktionswert multipliziert werden, gibt es starke Unterschiede. Die einen nehmen hierbei einen von dem französischen Fondsverband AMF publizierten Wert als Vorgabe, die anderen nutzen eigene günstigere Zahlen.

Acarda, welches als Serviceunternehmen alle Verfahren berechnet, sieht hierbei eine Tendenz bei UK-Gesellschaften und großen deutschen Fonds, die Berechnung nach der regulatorisch gewünschten, aber aufwendigeren Arrival-Price Methode bzw. einem Hybrid-Verfahren durchzuführen. Die Kosten sind in der Regel, nach der Analyse von hunderten von Fonds, niedriger als beim AMF-basierten Schätzverfahren. Bei dem Arrival-Price Hybrid-Verfahren wird die Differenz der Marktpreise zu dem Ausführungspreis berechnet (Arrival-Price), wobei bei Abweichungen oder fehlenden Marktpreisen Schätzwerte (Hybrid) eingesetzt werden.

Sofern aber das Schätzverfahren, insbesondere für neue Fonds genutzt wird, empfiehlt Gerhard Jovy, die AMF Tabelle mit einem Sample der eigenen Transaktionen zu vergleichen und diese vorzugsweise anzuwenden.

Zielmarktdefinition lässt Spielräume zu

Die Zielmarktdefinition von Investmentfonds ist ebenfalls ein Sachverhalt, der bei der Befüllung des sog. „European MIFID Templates (EMT)“ Spielräume zulässt, was insbesondere bei der Datenkonvertierung in länderspezifische Formate wie in Deutschland das WM Daten-Format zu strukturellen Problemen führt. Das europäische EMT passt hinsichtlich Datengranularität und Parameterauswahl nur sehr bedingt auf das über Jahrzehnte gewachsene Datenuniversum von WM Daten. Das kann zu Lücken oder unkorrekten Einträgen führen, was erhebliche Konsequenzen auf die Vertriebsfähigkeit der entsprechenden Fonds bedeutet. Kommalpha und acarda empfehlen hier ein individuelles Mapping und nachträglich Kontrollen der bei WM Daten gespeicherten Daten.

Fazit

Die Liste der Herausforderungen bei der Umsetzung von regulatorischem Meldewesen ist lang. Das gilt nicht nur für Mifid und PRIIPS, sondern setzt sich mit AIFMD, Solvency II, CRR, EMIR und länderspezifischen Konvertierungen fort. Viele dieser Probleme resultieren aus inkonsistenten Daten aus verschiedenen Quellen, unterschiedlichen Auslegungen und der Bearbeitung in verschiedenen Abteilungen. Deswegen empfiehlt es sich, das regulatorische Reporting an einer zentralen Stelle auf Basis nur eines zentralen Datenhaushaltes durchzuführen, so die Aussage von Gerhard Jovy, Geschäftsführer von acarda. Dies kann auch zur Digitalisierung des gesamten Fondsuniversums genutzt werden, was dann auch für weitere Anwendungsgebiete wie der Bereitstellung von Kundeninformationen online genutzt werden kann.

Foto: Shutterstock

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