Rentenmarkt als Krisen-Gewinner

Michael Beck, Leiter Portfolio Management beim Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger, über den Einfluss der Auseinandersetzungen in der Ukraine und dem Gaza-Streifen auf die Szenarien an den Aktien- und Rentenmärkten.

Michael Beck, Ellwanger & Geiger: „Die prognostizierte Zinswende ist bis auf Weiteres abgesagt.“

Die geopolitischen Konflikte in der Ukraine und im Gaza-Streifen beruhigen sich nicht. Im Gegenteil, der Abschuss eines Passagierflugzeuges und die täglich steigenden Opferzahlen im Gaza-Konflikt verunsichern zusehends Investoren weltweit. Dabei treten die Kämpfe in Libyen und Irak geradezu in den Hintergrund und werden kaum noch beachtet.

Sanktionen gegen Russland

Abzulesen ist dies an einem sinkenden Ölpreis, der bei schlechten Nachrichten aus dieser Region in den letzten Jahren eigentlich immer reflexartig gestiegen ist. Die verschärften Sanktionen gegen Russland beginnen Unternehmen zu belasten und könnten Einfluss auf die kommenden Wachstumszahlen nehmen.

Gestützt werden die Aktienmärkte durch positive Wirtschafts- und Unternehmensquartalszahlen aus den USA, aber auch aus Spanien, das für das zweite Quartal ein Wirtschaftswachstum von plus 1,2 Prozent vermelden konnte. So bewegen sich die Kurse in einem Spannungsfeld geopolitischer Krisen und hoffnungsvoller Wirtschafts- und Konjunkturaussichten.

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Veritable Gewinne bei langlaufenden Anleihen

Ein Gewinner dieser Situation steht fest – der Rentenmarkt. Veritable Kursgewinne von langlaufenden Anleihen stehen zu Buche, neue Rekordtiefstände der Zinsen in Deutschland werden nun beinahe täglich erreicht. Selten wurden die Rentenmarktakteure so auf dem falschen Fuß erwischt wie nach den Vorhersagen zu Beginn des Jahres. Die prognostizierte Zinswende jedenfalls ist bis auf Weiteres abgesagt. Erst wenn die Finanzmärkte den Krisenmodus verlassen, dürfte an leichte Zinssteigerungen gedacht werden.

Foto: Ellwanger & Geiger

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