Neue ökonomische Indikatoren für den Fortschritt des 21. Jahrhunderts

Da die Folgen des Klimawandels, soziale Spannungen und ein hohes Maß an Ungleichheit immer deutlicher werden, hat das Bennett Institute for Public Policy an der University of Cambridge unter der Leitung von Professor Diane Coyle einen ersten Bericht über die Verbesserung der Wirtschaftsmessung für die Steuerung einer effektiven Wirtschaftspolitik veröffentlicht.

Der Bericht empfiehlt, sich auf einen alternativen Messrahmen zu konzentrieren, der auf der „Wohlstandswirtschaft“ und nicht nur auf dem BIP basiert: Der Wohlstand wird durch den Zugang zu einer Reihe von Wirtschaftsgütern bestimmt, die die Menschen benötigen, um ihr wirtschaftliches Potenzial zu entfalten, und durch die langfristige Fähigkeit der Wirtschaft, nachhaltiges Wachstum und einen verbesserten Lebensstandard zu erzielen.

Das zukunftsweisende Element dieses neuen Wirtschaftsrahmens macht ihn zu einem besseren Indikator für die Nachhaltigkeit in Bezug auf Wirtschaft und Gesellschaft sowie die natürliche Umwelt, als die jährliche Produktion oder das BIP.

Messrahmen für die „Wohlstandswirtschaft“

Dieser ehrgeizige Rahmen erfordert die Messung des Zugangs zu sechs Arten von Wirtschaftsgütern, die sich zu dem so genannten umfassenden Wohlstand eines Landes summieren.

  1. Physische Vermögenswerte und produziertes Kapital, einschließlich Zugang zu Infrastrukturen und neuen Technologien
  2. Nettofinanzkapital
  3. Naturkapital, die Ressourcen und Dienstleistungen der Natur
  4. Immaterielle Vermögenswerte wie geistiges Eigentum und Daten
  5. Humankapital, die angesammelten Kompetenzen sowie die körperliche und geistige Gesundheit des Einzelnen
  6. Soziales und institutionelles Kapital

Weiterentwicklung der Messstandards um Aussicht auf Nachhaltigkeit zu verbessern

Zu dem Bericht sagte Professorin Diane Coyle: „Der Fortschritt des 21. Jahrhunderts lässt sich nicht mit den Statistiken des 20. Jahrhunderts messen.“

So habe sich die Weltbevölkerung in den Augen der Wissenschaftlerin auf die Wohlstandswirtschaft konzentriert. Nachhaltiges Wachstum und einen verbesserten Lebensstandard für die Gemeinschaft stehen hinter individuellen Interessen zurück.

„Ohne die Messung der Veränderungen dieser Vermögenswerte besteht wenig Aussicht auf Nachhaltigkeit, sowohl in Bezug auf Wirtschaft und Gesellschaft als auch auf die natürliche Umwelt“, so Coyle weiter.

Naturkapital: Essenziell, aber in stetiger Gefahr

Als erste Schritte zur Entwicklung eines umfassenden Rahmenwerkes haben die Cambridge-Forscher begonnen, sich auf Natur- und Sozialkapital zu konzentrieren.

Das Naturkapital, das die Bausteine aller anderen Kapitalformen bildet, ist in der Regel rückläufig. Dies birgt erhebliche Risiken für das Wohlergehen der Menschen.

Ein BIP-Wachstum, das sich aus der Erschöpfung des natürlichen Kapitals ergibt, beraubt zukünftige Generationen des Wohlergehens. Dazu zählen Wasser, Luft, Boden, Mineralien und erneuerbares Kapital wie Wälder oder Meeresökosysteme. Daher ist es wichtig, das natürliche Kapital zu messen.

Es geht um mehr als CO2

Der Bericht, der eine erste Reihe von Forschungsergebnissen abdeckt, gibt einen ersten Überblick über die Richtung der Forschung, mit ersten Hinweisen auf die Ergebnisse, einschließlich der Frage, wie wir besser über die CO2-Emissionen berichten können.

Mathew Agarwala, Forschungsleiter des Projekts, kommentiert: „Kohlenstoffemissionen verschlechtern das natürliche Kapital. Dieser neue Ansatz der Wohlstandswirtschaft zwingt uns, eine Anpassung der nationalen Bilanzen an die Auswirkungen des Klimawandels sowie die Beiträge zum Klimawandel in Betracht zu ziehen.

 

Seite 2: Wie das Sozialkapital leidet

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