PKV: Finanzaufsicht will Provisions-Irrsinn bremsen

Die steigenden Abschlussprovisionen in der privaten Krankenversicherung (PKV) haben die Bafin alarmiert. Die Finanzaufsicht ruft die Versicherer zur Räson. Sie will ihnen künftig genau auf die Finger schauen und droht mit Sonderprüfungen.

Bafin-Hauptsitz in Bonn
Bafin-Hauptsitz Bonn

Die Bafin ermahnt die Versicherungsgesellschaften und appelliert an ihre Verantwortung den Kunden gegenüber. Die Vorstände hätten dafür Sorge zu tragen, dass die Abschlusskosten einen angemessenen Rahmen nicht übersteigen, so die Behörde in einer Presseaussendung.

Die Assekuranz könne dieser Verantwortung nicht gerecht werden, wenn sie mit Vermittlern und Maklern zusammenarbeitet, die offensichtlich aus Profitstreben die Qualität der Beratung vernachlässigen, teilt die Finanzaufsicht mit. Man habe festgestellt, dass die Provisionen seit einiger Zeit in Einzelfällen weit über dem Durchschnitt liegen, heißt es weiter.

Auf Nachfrage des Branchendienstes „Versicherungsjournal“ nennt die Bafin für den Zeitraum 1999 bis 2009 einen Anstieg von durchschnittlich 7,5 auf 8,9 Monatsbeiträge, die für den Abschluss einer Krankenversicherung gezahlt würden. Die Diskussion über Provisionsexzesse in der PKV nimmt schon länger Fahrt auf. Vor allem das Negativbeispiel des Kasseler Versicherungsmaklers MEG, der im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste und Provisionsvorschüsse in Millionenhöhe kassiert hatte, sorgte für Unmut.

Zuletzt hatten sich einzelne Gesellschaften aus der Branche bereits von selbst an die Bafin gewendet, um eine Lösung für den über explodierende Provisionen ausgetragenen Wettbewerb zu finden.

Ein wesentlicher Kritikpunkt sind in diesem Zusammenhang die häufigen Umdeckungen, zu denen die Provisionen Vermittler verleiten. Auch die Bafin kritisert, dass Kunden in den ersten Jahren eines Versicherungsverhältnisses häufig abgeworben würden, damit Vertriebler zusätzliche Provisionen einstreichen können. Das laufe, so die Aufsicht, den Interessen der Versichertengemeinschaft und der einzelnen Kunden entgegen. Diese müssten die Provisionen schließlich über die Versicherungsprämien finanzieren.

Seite 2: Wie die Bafin Provisionsexzesse stoppen will

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