Solvency II: Europäische Versicherer unzureichend vorbereitet

Bei den Sachversicherern bewahrheite sich laut Studie die landläufige Meinung, nach der mit Kfz-Haftpflicht ist kein Geld zu verdienen. Die risikoadjustierte Rentabilität liege im europäischen Durchschnitt bei minus drei Prozent; mit Ausnahme von Großbritannien befinde sie sich auch bei der Versicherung von Eigentum und Gebäuden im negativen Bereich. Mit anderen Versicherungsprodukten wie der Haftpflicht lasse sich dagegen zumindest in einigen europäischen Märkten durchaus attraktive Renditen erwirtschaften.

„Unsere Analyse deckt die zum Teil erheblichen Schwächen der europäischen Versicherer bei Solvenzquote und risikoadjustierter Profitabilität unter Solvency II auf“, kommentiert Dr. Gunther Schwarz, Partner bei Bain & Company und Leiter der Versicherungs-Praxisgruppe für Europa, die Ergebnisse der Studie. „Bevor das neue EU-Regelwerk eingeführt wird, müssen sich die Unternehmen intensiv mit ihrer Kapital- und Risikooptimierung beschäftigen“, so Schwarz weiter. Doch diese Maßnahmen zur Entlastung des Solvenzkapitals seien nur ein Teil der Hausaufgaben: „Die Versicherer müssen ihre Unternehmensstrategie an die neuen Rahmenbedingungen anpassen, ebenso Organisation und Kultur – das ist eine Herkulesaufgabe“, warnt der Unternehmensberater. Zugleich eröffne dieser Umbruch gerade für kapital- und ertragsstarke Häuser neue Chancen. Schwarz: „Der gesamte Versicherungsmarkt kommt in Bewegung. Das ist die ideale Gelegenheit für Branchenführer, ihre Marktposition weiter auszubauen.“

Nach Überzeugung von Frank Schepers, Director bei Towers Watson, müssen sich die Versicherungen jetzt den neuen strategischen Herausforderungen stellen: „Es geht bei Solvency II nicht nur um die Berechnung neuer Kennzahlen. Die neuen Regeln erfordern ein Umdenken im gesamten Unternehmen und zum Teil völlig neue Prozesse. Im Reporting wird eine weitgehende Industrialisierung unumgänglich sein.“ Schepers warnt davor, solche Arbeiten noch länger aufzuschieben: „Schon bei mittelgroßen Unternehmen dauert die Einführung neuer Prozesse angesichts der Komplexität rund zwei Jahre. Und selbst bei einer Verschiebung auf 2014 ist es ambitioniert, das Geschäftsmodell in dieser Zeit neu auszurichten.“ (te)

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