13. April 2012, 11:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Konzentration auf leistungsfähige PKV-Tarife“

Private Krankenversicherer verabschieden sich zunehmend von kostengünstigen Einsteigertarifen. Im Cash.-Interview erklärt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka Versicherungen aus Koblenz, warum er diese Entwicklung für richtig hält.

Uwe Laue, DebekaCash.: Herr Laue, zum Jahresende 2011 gab es Medienberichte, wonach sich Privatversicherte angesichts gestiegener Beiträge zunehmend von der privaten Krankenversicherung (PKV) abwenden, um in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu wechseln. Laut aktueller Berechnungen des PKV-Verbandes fällt zumindest der Wechsel-Saldo für die PKV über das Gesamtjahr 2011 gesehen mit plus 76.300 Mitgliedern positiv aus. Befürchten Sie, dass sich der Wanderungstrend zu Gunsten Ihrer Branche im laufenden Jahr abschwächen wird?

Laue: Nein. Versicherte streben doch nach einem besseren Versicherungsschutz, also nach höheren Leistungen mit einer besseren medizinischen Versorgung – und nicht umgekehrt. Die gesetzlichen Krankenversicherungen versuchen mit Falschmeldungen von Ihren Problemen abzulenken. Tatsache ist doch, dass dort auch die Beiträge steigen, aber gleichzeitig die Leistungen gekürzt werden. Und ohne hohe Steuerzuschüsse – im übrigen auch von Privatversicherten – von zuletzt 15 Milliarden Euro, ist das System längst nicht mehr tragbar.

Cash.: Der Milliardenüberschuss der gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr lässt diesen Eindruck aber nicht zu…

Laue: Die aktuell aufgetretenen Überschüsse können darüber nicht hinwegtäuschen. Wir wissen, dass das System GKV aufgrund der demographischen Entwicklung in der Zukunft so nicht mehr funktionieren wird. Wie in der gesetzlichen Rentenversicherung werden auf immer mehr Leistungsempfänger weniger Beitragszahler kommen. Die PKV bildet dagegen hohe Rückstellungen für ältere Versicherte. Allein daran wird doch deutlich, was die bessere Alternative ist. Und die Versicherten sehen das auch, trotz der Anti-PKV-Propaganda. Laut Kundenmonitor Deutschland sind 98,2 Prozent der Debeka-Mitglieder zufrieden, sehr zufrieden oder gar vollkommen zufrieden mit ihrer privaten Krankenversicherung. In der Branche sind es 96 Prozent. Auch diese Zufriedenheitswerte machen deutlich, wer die besseren Leistungen bietet.

Cash.: Die von Ihnen genannten Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche auch Sorgen hat. Zuletzt standen insbesondere die Einsteigertarife in der Kritik. So mancher privater Krankenversicherer hat im vergangenen Jahr angekündigt, auf Einsteigertarife zu verzichten und sich stattdessen auf Komfort- und Premiumtarife zu konzentrieren. Halten Sie dies für den richtigen Weg?

Laue: Ja, das ist der richtige Weg. Die private Krankenversicherung steht für eine hohe Versorgung. Einsteigertarife mit niedrigen Leistungen auf dem Niveau der GKV gehören nicht dazu. Die Debeka hat im übrigen nie auf Einsteiger- und Billigtarife gesetzt.

Seite 2: Beitragserhöhungen in der Kritik

Weiter lesen: 1 2 3 4

1 Kommentar

  1. Eine wahrlich von Sachverstand und Vernunft getragene Position. Aber wird Sie bei Vorständen und Aktionären anderer Großkonzerne Rückhalt finden, angesichts des hohen Aufwandes für die PKV-Voll und der Dividendenerwartungen sowie des politischen Gegenwindes aller Couleur, zur Aneignung der PKV- Rückstellungen um kurzfristig allerlei Lücken zu schließen und Wahlstimmvolk zu genrieren.
    Debeka mach weiter so, als du dich gegründet hast, hatten wir einen Kaiser…..

    Kommentar von Peter Agsten — 16. April 2012 @ 14:16

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Coronakrise: Wieder erste Erholung bei Beitragseinnahmen der Rentenkasse

In der Rentenkasse zeigt sich trotz der Corona-Krise eine erste Erholung. Es gehe bei den Einnahmen “aktuell wieder nach oben”, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Im März und April habe es als Folge massiver Corona-Beschränkungen geringere Beitragseingänge gegeben.

mehr ...

Immobilien

Bauträgergeschäfte von Mehrwertsteuersenkung nicht betroffen

Wer ein neues Eigenheim oder eine Eigentumswohnung von einem Bauträger erwirbt, profitiert nicht von der aktuellen Mehrwertsteuersenkung.

mehr ...

Investmentfonds

Wie reagieren die Märkte auf den sich verschärfenden US-Präsidentschafts-Wahlkampf?

Die Corona-Krise hat Präsident Trump in eine etwas schwierige Lage gebracht. Dies hat dazu geführt, dass seine Chancen auf eine Wiederwahl im November von einigen Beobachtern in Frage gestellt wird. Wenn man bedenkt, was Präsident Trump während seiner Amtszeit zugunsten des Unternehmenssektors bewirkt hat, gibt es in der Tat guten Grund zur Sorge, sollten einige der von ihm eingeführten Maßnahmen im Falle eines Biden-Sieges rückgängig gemacht werden. Aber ist es so einfach? Genauso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie der Kongress aufgeteilt sein wird. Ein Kommentar von François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM

mehr ...

Berater

Steuerbetrug: Ein europäischer Wettbewerb

Deutschland verliert etwa 26 Prozent des erzielbaren Körperschaftsteueraufkommens durch Gewinnverschiebungen multinationaler Unternehmen. Forscher der Universitäten Berkeley und Kopenhagen haben herausgefunden, dass 2017 weltweit etwa 700 Milliarden US-Dollar an multinationalen Gewinnen in Steueroasen verschoben wurden. Die Statista-Grafik zeigt den geschätzten Anteil des gewonnenen oder verlorenen Körperschaftsteueraufkommens ausgewählter europäischer Länder für 2017.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance konzentriert institutionellen Vertrieb in der Schweiz

Die DF Deutsche Finance Capital Markets GmbH mit Sitz in Zürich verantwortet zukünftig das Capital Raising bei institutionellen Investoren. Kernaufgabe ist die Koordination und Durchführung der internationalen Distribution aller institutionellen Investitionsstrategien der Deutsche Finance Group.

mehr ...

Recht

Insolvenzen: Die Oktober-Welle abschwächen

Die Insolvenz-Zahlen für den April 2020 sagen nichts aus über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit der Unternehmen in der Corona-Krise. Im Herbst steigt die Zahl der Insolvenzen voraussichtlich sprunghaft. Sicher kann der Staat nicht alle Firmen retten – und künstlich am Leben gehaltene Zombie-Firmen will niemand. Eine Insolvenzwelle würde aber auch den Bankensektor bedrohen. Anstelle von noch größeren Not-Krediten sollten die rückzahlbaren Liquiditätshilfen unter bestimmten Bedingungen in Zuschüsse umgewandelt werden.

mehr ...