4. November 2013, 08:30
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Riester-Rente: Auf die Nettorente kommt es an

Die Riester-Rente hat derzeit einen schweren Stand. Viele Sparer halten sich mit Verträgen für die Altersvorsorge zurück, weil sie verunsichert sind. Klarheit über Kosten und tatsächlich verfügbare Leistungen ist dringend erforderlich.

Gastbeitrag von Klaus Morgenstern, DIA

Riester-Rente: Klarheit über Kosten und Leistungen erforderlich

Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA): “Auch bei geringen Einkommen kann die betriebliche Altersvorsorgung eine höhere Nettorente ergeben, als dies bei einem vergleichbaren Riester-Vertrag der Fall ist.”

Aus allen Ecken wird auf die staatlich geförderte Altersvorsorge geschossen. Zusätzlich macht ihr die Situation der traditionellen Lebensversicherung hierzulande zu schaffen, deren schärfste Kritiker bereits das Sterbeglöckchen für die LV-Policen läuten. So ist es auch kein Wunder, dass die Altersvorsorge seit einiger Zeit stagniert.

Altersvorsorge stagniert

Das Neugeschäft bei Riester-Verträgen ist de facto zum Erliegen gekommen. Nennenswertes Wachstum gab es von 2011 zu 2012 eigentlich nur noch durch den Wohn-Riester, der seit 2008 abgeschlossen werden kann. Ende des ersten Quartals in diesem Jahr kam es sogar zu einem leichten Rückgang im Bestand. Offenkundig ist ein Teil der beitragsfrei gestellten Verträge, deren Anteil vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf 19,5 Prozent geschätzt wird, von den Sparern wieder aufgelöst worden.

Die anhaltende Kritik in der Öffentlichkeit hat also schon ihre Spuren hinterlassen. Doch stimmt es wirklich, was die Gegner der privaten Altersvorsorge äußern? Ihre pauschale Unterstellung: Die Riester-Rente sei lediglich ein Geschäft für die Versicherungsgesellschaften, weil die staatlichen Zulagen geradewegs in deren Taschen flössen.

Mangelnde Transparenz ist problematisch

Das Munich Center for the Economics of Aging (MEA) lieferte unlängst fundierte Daten für diese Auseinandersetzung, die häufig nur mit Behauptungen geführt wird. Ein vierköpfiges Wissenschaftlerteam berechnete die Kosten von 36 klassischen Riester-Rentenversicherungen unter verschiedenen Annahmen und Szenarien durch. Das Fazit dieser Auswertungen: Es gibt sehr günstige und sehr teure Verträge, aber die Zulagen werden keineswegs immer von den anfallenden Kosten aufgezehrt.

Als ein großes Problem machten die Wissenschaftler allerdings die ausgesprochen komplizierten Kostenstrukturen und die mangelnde Transparenz der Riester-Verträge aus. Dadurch entstehe die seltsame Situation, dass die genauen Kosten der Riester-Policen den Verbrauchern oft gar nicht bekannt seien. Das führt zu einem Wettbewerbshindernis. Kostengünstige Anbieter können nicht mit ihrem Vorteil werben, andere realisieren hingegen Preisaufschläge ohne Gefahr, aus dem Markt verdrängt zu werden.

Angebote vergleichen

Die Bandbreite der jeweiligen Kostenbelastung ist allerdings beträchtlich, wie die MEA-Studie zeigt. Für den Standardtyp (30 Jahre alt, Renteneintritt mit 67, 30.000 Euro Jahreseinkommen, keine Kinder) bewegt sich die Kostenquote in der Ansparphase bei einer Verzinsung von 1,75 Prozent zwischen 2,5 und knapp 20 Prozent. Im ungünstigsten Fall wird demnach bis zum Rentenbeginn fast ein Fünftel der eingezahlten Sparbeiträge als Kosten abgezogen. Der Mittelwert für diesen exemplarischen Fall und Kundentyp betrug 11,9 Prozent. Die Schlussfolgerung aus diesen Zahlen läuft auf einen altbekannten Rat hinaus: Angebote vergleichen.

Allerdings liefern nur wenige Anbieter bisher die dafür erforderlichen Angaben wie Kostenquoten oder die Kennziffer Reduction in Yield freiwillig. Da hilft nur eines: Hartnäckig bleiben und nachfragen. Mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz, das es vor der Sommerpause der Politik doch noch durch den Bundesrat schaffte, ändert sich in absehbarer Zeit die Situation für die Sparer, weil spätestens 2015 von Gesetzes wegen verbindliche und vergleichbare Kostenkennziffern ausgewiesen werden müssen.

Nettorente ist entscheidend

Zusätzlich steht auch die Frage im Raum: Ist ein Riester-Vertrag die passende Absicherung für den individuellen Fall? Oder gibt es eine bessere Altersvorsorge, die mehr bringt? Schließlich stehen verschiedene Lösungen für die Absicherung im Alter zur Auswahl: gefördert oder ungefördert, privat oder betrieblich. Ob Riester-Rente, betriebliche Altersversorgung oder eine ungeförderte private Rentenversicherung – jedes Produkt besitzt Vor- und Nachteile. Zugleich hängt es sehr stark von der individuellen Situation des Sparers ab, wann die einzelnen Vorteile überwiegen. In vielen Beratungsgesprächen findet diese Abwägung aber nicht konsequent statt, weil die Beratung oft bei den Bruttorenten endet.

Das ist aber zu kurz gesprungen. Altersvorsorgeberatungen, bei denen fast immer auch das Riester-Sparen oder die Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersvorsorge zur Auswahl stehen, müssen die Nettorente als entscheidendes Kriterium heranziehen. Sowohl Riester-Renten als auch Betriebsrenten werden nachgelagert besteuert. Für die Betriebsrente fällt außerdem der volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag an. Das hat Folgen in der Rentenphase: Der tatsächliche Betrag, der für den Lebensunterhalt im Alter zur Verfügung steht, ist zum Teil erheblich kleiner als die vom Versicherer ausgezahlte Leistung.

Seite zwei: Riester-Rente oder betriebliche Altersvorsorge?

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1 Kommentar

  1. Dieser Artilel spricht mir aus dem Herzen. Diese Pauschalverurteilungen einer guten Sache verunsichert die Menschen massiv. Endlich einmal wieder eine sachliche Betrachtung, aus der deutlich hervorgeht, dass Riester-Vorsorgen in erster Linie Rechenarbeit (zzgl. laufende Betreuung) für den Vermittler ist. In dieser Sparte gibt es genügend gute Angebote auf dem Markt.

    Kommentar von Thomas Koppisch — 5. November 2013 @ 19:15

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