Anzeige
Anzeige
10. August 2015, 08:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Vertriebswege: Ist eine Gleichbehandlung zeitgemäß?

Vor einigen Wochen hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) das Internetvergleichsportal Check24 abgemahnt. Er fordert die Gleichbehandlung aller Vertriebswege am Markt inklusive der Internetportale. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Forderung überhaupt noch zeitgemäß ist.
Gastbeitrag von Gerd Kemnitz, Versicherungsmakler

Direktversicherer, Versicherungsmakler

Richtig gute Beratungsgespräche kommen erfahrungsgemäß dann zustande, wenn der Interessent bereits vorinformiert ist. Ein guter Berater kann seinen informierten Mandanten problemlos von seiner Fachkompetenz überzeugen und muss deshalb kein informatives Online-Portal fürchten.

Zu einer Gleichbehandlung zählen nach Angaben des BVK die deutliche Übermittlung der Statusinformation beim ersten Geschäftskontakt, die Durchführung einer individuellen Leistungs- und Bedarfsanalyse zur Identifizierung des Kundenwunsches sowie eine umfassende individuelle Beratungsdokumentation.

Versicherungsvertragsgesetz unterscheidet bei Vertriebswegen

Für Versicherungsvertreter und -makler sind die Beratungs- und Dokumentationspflichten im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) klar geregelt. Und obwohl bei diesen Versicherungsvermittlern der persönliche Kundenkontakt und die persönliche Beratung typisch ist, hat der Gesetzgeber Ausnahmen zugelassen, falls der Kunde keine Beratung wünscht.

Direktversicherer sind von der Beratungs- und Dokumentationspflicht grundsätzlich befreit. Dies wurde bei der Gesetzgebung damit begründet, “dass diese die Beratungspflichten praktisch nicht erfüllen können. Zudem wisse ein Versicherungsnehmer, der sich an einen Direktversicherer wendet, dass er von diesem nur eine Beratung erhalte, wenn er entsprechende Anfragen mache.” (Quelle: Düsseldorfer Vorträge zum Versicherungsrecht 2009: Beratungspflichten für Versicherungsvermittler).

Aber diese Gründe gelten in gleichem Maße auch für versicherungsvermittelnde Online-Portale. Im Gegensatz zum Direktversicherer findet der Nutzer hier meist noch eine wesentlich größere Tarifauswahl vor. Und da solche Online-Portale im gesamten VVG nicht aufgeführt sind, vermuten einige Juristen, dass diese vom Gesetzgeber lediglich übersehen wurden. So wäre eine ungewollte Gesetzeslücke entstanden, welche durch eine Analogie zu schließen wäre.

Gute Berater müssen den Online-Vergleich nicht fürchten

Natürlich besteht beim Onlineabschluss einer Versicherung immer die Gefahr, dass der Antragsteller wichtige Punkte in den Versicherungsbedingungen übersehen hat und einen Tarif wählt, der sein Risiko nicht optimal absichert. Deswegen wäre es für die meisten Verbraucher durchaus wichtig, sich vor dem Abschluss einer wichtigen Versicherung individuell beraten zu lassen.

Aber kein Verbraucher wird selbstständig im Internet nach Versicherungen recherchieren und diese online abschließen, wenn er seinen Versicherungsvermittler für kompetent hält und mit dessen Beratungen zufrieden war.

Seite zwei: Wettbewerb verzerrt

Weiter lesen: 1 2 3 4

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds


Ab dem 22. Juni im Handel erhältlich.

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Versicherungen

Ideal: Westkamp führt den Aufsichtsrat

Michael Westkamp (67), der frühere Vorstandsvorsitzende der Aachen Münchener Versicherungsgruppe, ist zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Ideal Lebensversicherung a.G. und der Ideal Versicherung AG gewählt worden.

mehr ...

Immobilien

Entscheidung im Streit um Kündigungsklausel verschoben

Nach der heutigen Verhandlung im Streit um die Kündigungsklausel in Bausparverträgen kündigte das Landgericht Karlsruhe ein Urteil im Spätsommer an. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die Bausparkasse Badenia. Verfahren gegen weitere Institute stehen noch an.

mehr ...

Investmentfonds

M&G will Vermögen nicht-britischer Kunden auf Luxemburger Fonds übertragen

Der Brexit sorgt für erste Maßnahmen der Fondsgesellschaft M&G Investments. Das Unternehmen plant, bis Ende 2017 die Vermögenswerte von vier in Großbritannien domizilierten offenen Fonds auf äquivalente Fonds seiner luxemburgischen Fondsplattform zu übertragen.

mehr ...

Berater

“Bei BU-Policen ist verstärkte Aufklärungsarbeit notwendig”

Cash. sprach mit Michael Stille, Vorstandsvorsitzender der Dialog Lebensversicherung, über das Problem der Bezahlbarkeit von BU-Policen und Strategien für eine größere Marktdurchdringung.

mehr ...

Sachwertanlagen

Das Erbe des BSI

Der Sachwerteverband BSI wird in den Immobilienverband ZIA integriert und aufgelöst. Der langjährige Hauptgeschäftsführer Eric Romba hört auf. Was bleibt vom BSI? Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

BU-Anzeigeverletzung: Die Grenzen der Offenbarungspflicht

“Die weitgefasste Pflicht zur Offenbarung von Gesundheitsbeeinträchtigungen findet ihre Grenze bei Erkrankungen, die offenkundig belanglos sind”, schreibt das OLG Dresden in einem Urteil, bei dem ein Versicherer wegen Anzeigeverletzung von einem BU-Vertrag zurücktreten wollte.

mehr ...