Talanx-Chef Haas: „Sorgenkind Lebensversicherung auf dem Weg der Gesundung“

Der Umbau seines Lebensversicherungsgeschäfts droht den Versicherungskonzern Talanx noch länger in Atem zu halten. „Die Lebensversicherung ist ein Sorgenkind, und es wird noch die nächsten zwei bis drei Jahre ein Kind sein, das sich auf dem Weg der Genesung befindet“, sagte Talanx-Chef Herbert Haas am Mittwoch in Hannover.

„Nach unserer Überzeugung sind wir vor weiteren außerordentlichen Abschreibungen im deutschen Lebensgeschäft gefeit, jedenfalls für die nächste Dekade“, sagte Talanx-Chef Herbert Haas am Mittwoch im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Danach solle sie wieder eine „Ertragsstütze“ werden. Im zweiten Quartal ließ eine Sonderabschreibung in diesem Bereich den Konzerngewinn einbrechen. Seine Gewinnprognose für 2015 hat Haas bereits kassiert. Dass es nicht schlimmer kam, verdankte der Versicherer zuletzt eher geringen Katastrophenschäden.

Analysten beurteilen Quartalszahlen nicht einheitlich

Die Talanx-Aktie hielt sich nach den Nachrichten vergleichsweise wacker. Am Vormittag notierte sie mit 0,72 Prozent im Minus bei 28,36 Euro, war damit jedoch zweitstärkster Wert im schwachen MDax. Analysten waren sich in der Beurteilung der Quartalszahlen nicht einig.

Unter dem Strich verdiente Talanx mit Marken wie HDI und Targo Versicherung von April bis Ende Juni 60 Millionen Euro, fast zwei Drittel weniger als die 165 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum. Ohne die Sonderabschreibung von 155 Millionen Euro im Lebensversicherungsgeschäft wäre der Überschuss auf 215 Millionen Euro gestiegen.

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Talanx profitiert von Auslandsgeschäften

Während die Privat- und Firmenversicherung in Deutschland infolge der Belastung in die roten Zahlen stürzte, konnte Talanx den Gewinn bei ähnlichen Geschäften im Ausland deutlich steigern. Die im In- und Ausland tätigte Industrieversicherung verdoppelte sogar ihren operativen Gewinn. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück, an dem Talanx die Mehrheit hält, legte ebenfalls kräftig zu.

Unterdessen versucht die Talanx-Führung weiter gegen die Niedrigzinsen anzusteuern. Knapp 500 Millionen Euro habe der Versicherer bis jetzt in Infrastrukturanlagen investiert, knapp zwei Milliarden Euro könnten es mittelfristig werden, sagte Finanzchef Immo Querner. So hat sich das Unternehmen bereits an Windkraftanlagen und Stromnetzen beteiligt.

Seite zwei: Konzern setzt ab 2016 auf neuartige Vertragsmodelle mit Garantien

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