Altersvorsorge: Die Riester-Rente ist tot, es lebe die Riester-Rente!

Wie privat fürs Alter vorsorgen? Die Deutschen – ohnehin nicht sehr trittsicher auf diesem Gebiet – sind durch die Rentendebatte und das Zerreden der Riester-Rente zusätzlich verunsichert. Cash.Online stellt aktuelle Reaktionen aus Wissenschaft und Versicherungswirtschaft vor.

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Claus Mischler, Standard Life: „Mit einem Garantieprodukt kann im aktuellen Niedrigzinsumfeld keine ausreichend hohe Rendite mehr erzielt werden.“

Als CSU-Chef Horst Seehofer vor genau vier Wochen von einem „Scheitern“ der Riester-Rente sprach und sich für eine „Rückabwicklung“ der 2001 gestarteten Reform stark machte, schwoll die Kritik sehr rasch zu einem vielstimmigen Chor an, der die gesamte Breite des Podiums von links bis rechts ausfüllte.

„Die Riester-Rente hat sich als Sackgasse der deutschen Sozialpolitik herausgestellt“, erklärte IG-Metall-Vorstand Dr. Hans-Jürgen Urban in der Zeitung „Die Welt“ und kündigte eine Kampagne der Gewerkschaft gegen die Riester-Rente an.

Börsch-Supan: Riester-Rente abzuschaffen hieße, „das Kind mit dem Bade auszuschütten“

Von derlei Plänen dürfte der Renten-Experte Prof. Dr. Axel Börsch-Supan nicht sonderlich viel halten. Die Riester-Rente abzuschaffen hieße, „das Kind mit dem Bade auszuschütten“, erklärte der Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in einem Gastbeitrag für die „FAZ“ (Freitag).

Zwar habe die Riester-Rente „in der Tat viele Mängel“, so Börsch-Supan, „diese Säule jedoch als ‚gescheitert‘ zu erklären, sie komplett abzuschaffen und wieder in das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung zu überführen, verlagerte die Finanzierungslast von der Babyboom-Generation wieder auf ihre Kinder“. Auch eine Ausweitung der staatlichen Riester-Förderung, wie sie etwa der Versicherungsverband GDV fordert, hält der Ökonom für falsch, „denn sie schadet der finanziellen Nachhaltigkeit“.

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Reformbedürftig seien die Modalitäten Riester-Rente und die „unnötige Komplexität der Produkte“, betont der Wissenschaftler und nennt dabei: „Ihre unsägliche Intransparenz, die den Wettbewerb aushebelt, und die nicht sachgerechten Anlagevorschriften, welche die Erträge des gesparten Kapitals reduzieren.“ Gleichwohl lobt Börsch-Supan, dass die Riester-Rente „eine Bestandsgarantie und Sicherheiten“ biete, „wie sie auf einem neoliberalen Kapitalmarkt nicht zu erhalten wären“.

Versicherer wollen Starrheit der Riester-Rente aufbrechen

Ein etwas (neo)liberalerer Umgang mit der Riester-Rente wäre allerdings durchaus im Interesse der Versicherungswirtschaft. So wünscht sich der ein oder andere Manager, dass die Riester-Rente in Zukunft weniger starr und unflexibel daherkommt. Dieser Wunsch wird vor allem durch die geplante Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent im Jahr 2017 befördert.

So erklärte Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Versicherungsgruppe die Bayerische, am Mittwoch, dass die geplante Absenkung des Garantiezinses „ein Gegensteuern der Politik“ erfordere, um die Riester-Rente als zusätzliche Altersvorsorge für die Bürger attraktiv zu halten. Konkret geht es Schneidemann um die volle Beitragsgarantie zu Rentenbeginn. „Um zu verhindern, dass die starre Anforderung des Beitragserhaltes zum Rentenbeginn die Riester-Rente nur noch für extrem lange Laufzeiten ermöglicht, ist eine Flexibilisierung erforderlich“, fordert der Bayerische-Chef. „Dies würde auch die Renditechancen für den Kunden erhöhen.“

Riester-Beitragserhalt: Mehr Flexibilität erwünscht

„Am besten wäre es“, so Schneidemann weiter, „wenn bei der Beurteilung des Beitragserhaltes die gesamte Laufzeit eines Vertrages, also auch die Rentenbezugsphase zugrunde gelegt wird“. Alternativ schlägt der Versicherungsmanager vor, dass die Bürger „in einer gewissen Bandbreite die Balance zwischen Garantieniveau und Renditechance“ wählen können. Das gäbe den Kunden mehr Freiheiten bei der Beteiligung am Produktivvermögen, betont Schneidemann.

Interview mit Dr. Claus Mischler: Geförderte Produkte ohne Bruttobeitragsgarantie zulassen

Für (noch) mehr Freiheit im deutschen Altersvorsorge-Markt macht sich auch Dr. Claus Mischler vom britischen Versicherer Standard Life stark. Im Cash.-Interview sagt der Leiter Produktentwicklung und Marketing bei Standard Life in Deutschland, was er von der Rentendebatte hält, warum die staatlich geförderte Altersvorsorge die gleichen Wahlmöglichkeiten bieten sollte, wie die private Vorsorge und erläutert die Produktstrategie seines Hauses.

Cash.: Derzeit tobt im politischen Berlin eine kontroverse Debatte um Altersarmut und die Zukunft des deutschen Rentensystems. Häufig zu vernehmende Forderungen sind dabei die Abschaffung der Riester-Rente und die Anhebung des Rentenniveaus. Wie nehmen Sie die Debatte war?

Claus Mischler, Standard Life: Grundsätzlich ist es natürlich sehr zu begrüßen, dass sich die Politik mit dem Thema Altersarmut und möglichen Lösungsansätzen beschäftigt. Ich hoffe sehr, dass dieses elementar wichtige Thema mehr als nur ein Wahlkampfthema ist und sich die politischen Entscheidungsträger auch nach der Wahl kontinuierlich intensiv mit der Bekämpfung der Altersarmut beschäftigen.

Seite zwei: „Rendite und Sicherheit geht“

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