„Wir sehen Dread-Disease-Absicherungen kritisch“

Was tut sich abseits der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)? Sehr viel, wenn es nach den Produkt- und Vertriebsverantwortlichen der Versicherer geht. Dabei zeigt die aktuelle Diskussion, dass es über die neue Produktvielfalt im Markt auch vielfältige Meinungen gibt.

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Vanessa Reetz, Continentale: „Wir sehen Dread-Disease-Absicherungen kritisch, da die versicherten Krankheitsbilder nicht eindeutig und einheitlich definiert sind.“

Cash.: Der „Tanker BU“ wird inzwischen von vielen „Beibooten“ begleitet, die ebenfalls zur Absicherung der Arbeitskraft beitragen sollen. Wie viel Vielfalt in der Produktlandschaft ist noch möglich und nötig – Stichwort Organrente und Krebsrente?

Dr. Stefanie Alt, Leiterin Produkt- und Marktmanagement, Nürnberger: Die großen BU-Versicherer bieten eine sehr umfangreiche Produktpalette zur Absicherung der Arbeitskraft und auch passende Produktlösungen für alle wichtigen Zielgruppen. Einsteigerprodukte, Dienstunfähigkeitsversicherungen, Grundunfähigkeitstarife bis hin zu sehr leistungsstarken Premiumtarifen gehören inzwischen zur üblichen Angebotspalette. Die Dread-Disease-Versicherungen werden aktuell nur von wenigen Versicherungsgesellschaften angeboten und ich sehe hier eine interessante Marktnische, die sich in den nächsten Jahren in Deutschland dynamisch entwickeln kann, da der Bedarf zur Absicherung von schweren Krankheiten durchaus besteht. Das Risiko, schwer zu erkranken und die sich daraus ergebenden finanziellen Folgen werden aktuell noch viel zu wenig in den Beratungsgesprächen thematisiert, da in Deutschland jedes Jahr über eine Million Menschen schwer erkranken. Eine Kapitalleistung bei schwerer Erkrankung bietet hier eine gute Ergänzung zur monatlichen BU-Rentenleistung.

Wie gedenkt sich Ihr Haus im Dread-Disease-Segment zu positionieren?

Alt: Mit dem Nürnberger Ernstfall-Schutz sind wir im Februar 2016 in den Markt der Dread-Disease-Versicherungen gestartet. Durch innovative Elemente wie den ZweitSchutz, automatische Mitversicherung von Kindern ab Geburt, Assistanceleistungen und vollen Versicherungsschutz bei bis zu 58 Erkrankungen setzt die Nürnberger neue Maßstäbe für diese Versicherungsform. Bei den vier häufigen Krankheiten invasiv wachsender Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und MS erbringen wir schon bei weniger starker Ausprägung der Erkrankung eine Teilsumme.

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Gordon Hermanni, Leiter Key Account Management Vertrieb Leben, Zurich: Man muss allerdings auch sehen, dass eine Schwere-Krankheiten-Police keine Arbeitskraftabsicherung im klassischen Sinne darstellt. Aber man kann das Produkt durchaus sinnvoll kombinieren – etwa mit einer Unfallversicherung. Der Bedarf für eine Schwere-Krankheiten-Police ist auf alle Fälle gegeben: Wenn wir auf Veranstaltungen Makler fragen, ob sie im Bekanntenkreis jemanden kennen, der von einem Herzinfarkt betroffen war oder an einer schweren Krankheit wie Krebs leidet oder gelitten hat, gehen sehr viele Hände hoch – bei der Frage nach BU-Fällen hingegen nicht so sehr. Dass der Bedarf sehr wohl greifbar ist, zeigt sich auch daran, dass laut einer YouGov-Psychonomics-Studie zum Thema knapp über 70 Prozent der Deutschen Interesse hätten, eine Schwere-Krankheiten-Versicherung abzuschließen. Eine derartige Police muss ja nicht immer die BU ersetzen, sondern kann auch als Add-on dienen. Allerdings wissen 68 Prozent der Befragten gar nicht, dass es solch ein Produkt gibt – das müssen wir ändern und die Makler und Vermittler entsprechend schulen.

Seite zwei: „Wir sehen Dread-Disease-Absicherungen kritisch“

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