22. Juli 2016, 12:10
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Angst vor dem Pflegefall löst kein Handeln aus

Ein Großteil der Deutschen fürchtet sich vor der Pflegebedürftigkeit im Alter. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Dennoch haben demnach bisher nur wenige eine private Pflegeversicherung abgeschlossen. 

Angst vor dem Pflegefall löst kein Handeln aus

Udo Corts, DVAG, sieht beim Thema Pflegevorsorge in Zukunft eine deutlich größere Eigeninitiative jedes Deutschen.

64 Prozent der Bundesbürger haben Angst, im Alter pflegebedürftig zu werden. Das ergab eine Umfrage des Marktfoschungsinstituts Insa-Meinungstrend im Auftrag der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Trotz dieser Sorge haben bisher nur 15 Prozent der Befragten, darunter mehr Männer (18 Prozent) als Frauen (13 Prozent) eine private Pflegeversicherung abgeschlossen.

Nach Ansicht der Studienautoren wird die zusätzliche private Vorsorge wird indes immer wichtiger, da die gesetzliche Pflegeversicherung häufig nicht ausreiche. “Für die letzte Lebensphase wünscht man sich eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Dabei muss auch das Pflegerisiko bei der Planung des Lebensabends berücksichtigt werden”, sagt Dr. Udo Corts, Mitglied des Vorstands der DVAG. Hier werde jeder Einzelne seine Zukunft noch stärker in die eigene Hand nehmen müssen.

Frauen kümmern sich eher um Pflegevorsorge

Unter den Befragten, die Angst vor Pflegebedürftigkeit haben, sind der Studie zufolge deutlich mehr Frauen (70 Prozent) als Männer (57 Prozent). Das sei nicht verwunderlich, da nach Zahlen des Statistischen Bundesamts mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden und Frauen nach wie vor überwiegend die häusliche Pflege erbringen würden.

Angst vor dem Pflegefall löst kein Handeln aus

Quelle: DVAG / Insa

65 Prozent der Befragten möchten ihre Kinder demnach nicht mit den Kosten ihrer Pflege belasten. Insbesondere mit zunehmendem Alter steige die Zustimmung, dass es nicht die eigenen Kinder sein sollten, die für die Pflegekosten aufkommen müssen.

Kinder sollen nicht für Pflegekosten aufkommen

Auch hier spielt nach Ansicht der Studienautoren die Versorgungslücke in der gesetzlichen Pflegeversicherung eine Rolle: Werde diese Lücke nicht mit privater Absicherung ergänzt, könne zunächst das eigene Einkommen und Vermögen für die Pflegekosten in Anspruch genommen werden.

“Wenn das eigene Vermögen für die Pflege aufgebraucht ist, tritt der Staat für die Pflegekosten ein. Aber aufgepasst: Der Staat kann, unter bestimmten Voraussetzungen, bei den Kindern Regress nehmen, denn Kinder sind ihren Eltern gegenüber unterhaltspflichtig”, so die DVAG-Finanzexperten. Daher gelte es genau zu prüfen, mit welchen Versicherungen angespartes Privatvermögen geschützt werden kann. (fm)

Foto: DVAG

1 Kommentar

  1. Was Herr Corts hier beschreibt ist schon lange Realität.
    Interessant finde ich, dass sich trotz der langen Bekanntheit des Problems die Vertriebsstrategien der Anbieter und des Vertriebes nur marginal geändert haben.
    Wer weiter auf herkömmliche Vertriebs-und Marketingaktionen setzt, wird auch in Zukunft keine Verbesserung feststellen können.
    Allensbach hat 2012 in einer Umfrage deutliche Zahlen zur Pflege genannt. Allein die 45-59-Jährigen pflegen bereits zu 21% und 35% der Befragten erwarten noch Pflegefälle in der Familie. Bei den Zahlen wundere ich mich sehr, dass nicht mehr Umsatz im Bereich Pflege generiert wird. Die ganz, ganz wenigen Banken und Makler, die ihre Vertriebskonzepte geändert haben, sind in diesem Segment sehr erfolgreich.

    Kommentar von Ulrich Welzel — 25. Juli 2016 @ 10:47

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