Anzeige
3. April 2017, 10:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Der Durchbruch des Roboterautos lässt auf sich warten

Vollautomatische Roboterautos auf Deutschlands Straßen werden in Deutschland auch Ende des nächsten Jahrzehnts nicht Alltag sein, glauben Autoexperten aus der Versicherungsbranche. Doch könnten die Unfallzahlen schon vorher mit zunehmender Technisierung des Autofahrens sinken – und Kfz-Versicherungen billiger werden.

Shutterstock 458481733 in Der Durchbruch des Roboterautos lässt auf sich warten

Noch ist die Technologie des Roboterautos nicht ausgereift.

Der Wandel aber wird langsam kommen. Denn Autos sind langlebig. “Wir haben circa 55 Millionen Fahrzeuge plus etwa sieben Millionen Anhänger auf der Straße in Deutschland”, rechnet Stefan Schulz vor, Chef der Autofachleute beim Rückversicherer Munich Re.

“Jedes Jahr werden ungefähr drei Millionen neue Fahrzeuge zugelassen und circa zwei Millionen aus dem Verkehr gezogen.” Die langsame Erneuerung des Fahrzeugbestands bedeutet, dass noch über viele Jahre Autos ohne High-Tech an Bord in Betrieb sein werden. “Deshalb durchdringen neue Technologien den Verkehr nur schrittweise”, sagt auch Joachim Müller, Chef der Sachversicherung bei der Allianz.

Viele Bürger haben in Sachen Verkehrssicherheit ohnehin keinen Aufrüstungsbedarf. “Es gibt sehr viele Menschen, die richtig gut Auto fahren”, sagt Schulz. “Rund vierzig Prozent der Autofahrer sind in der Kfz-Haftpflicht in der höchsten Schadenfreiheitsklasse.”

Ein zweiter wesentlicher Faktor: Noch ist die Technologie des Roboterautos nicht ausgereift. “Die Sensorsysteme funktionieren nicht, wenn es stark regnet oder schneit”, meint etwa Schulz.

Autonome Fahrzeuge wird es daher laut Einschätzung der Münchner Rück zuerst in abgegrenzten Bereichen geben. Die Huk Coburg – in der Kfz-Haftpflicht Nummer eins in Deutschland – teilt dies: “Es ist noch ein weiter Weg zu vollautomatischen Autos auf deutschen Straßen”, sagt ein Sprecher. “Wir werden keinen radikalen Umbruch erleben.”

Weniger Unfälle erwartet

Allianz und Huk Coburg erwarten dennoch in nicht allzu ferner Zukunft einen spürbaren Effekt der Technisierung – weniger Unfälle. Allianz-Sachversicherungsvorstand Müller sagt voraus, dass es dank zunehmender Verbreitung von Parkassistenten, Spurhaltesystemen, Bremsautomatik und mehr voraussichtlich weniger Schäden geben wird.

Doch dafür könnten Unfälle teurer für Versicherungen werden. “Ich gehe davon aus, dass unser durchschnittlicher Aufwand für Fahrzeugschäden tendenziell steigen wird”, meint Müller. “Sensoren, wie Radarsensoren oder Kamerasysteme, werden die Reparaturen in Einzelfällen deutlich teurer machen.” Das sieht auch HUK Coburg so: “Wenn umfangreiche Elektronik eingebaut ist, wird der Schaden teurer”, sagt der Sprecher.

Rückgang der Prämien strittig

So könnten die Ausgaben der Versicherungen für Schäden zunächst steigen, doch langfristig dürfte bei sinkenden Unfallzahlen die Kfz-Haftpflicht für Autofahrer billiger werden. “Uns erscheint ein Rückgang der Prämien in der Größenordnung von circa 15 Prozent bis 2025 möglich”, sagt Wolfgang Hach, Finanz- und Versicherungsexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger.

Die Münchner Rück ist da anderer Ansicht. “Ich denke nicht, dass die Prämien groß runtergehen”, meint Autofachmann Schulz. Er erwartet im Jahr 2030 einen Mischverkehr mit teilautonomen und normalen Fahrzeugen. “Tendenziell könnte es sogar eher mehr als weniger Unfälle geben, weil Maschinen nicht wie Menschen denken.” Die selbstfahrenden Autos von Google etwa seien bei Versuchsfahrten in 17 Unfälle verwickelt gewesen, 16 davon von anderen Fahrzeugen verursacht. “Hundert Prozent Unfallfreiheit wird es nicht geben, denn auch autonome Fahrzeuge haben einen Bremsweg.” (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 08/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Emerging Markets – Altersvorsorge – Bausparen – Recruiting

Ab dem 20. Juli im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Digitalisierung: “Versicherer müssen kulturelle Hürden überwinden”

Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem die Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen. Denn bisher hat nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Gastbeitrag von Stefan Geipel, zeb

mehr ...

Immobilien

Wohneigentum: Preise im Norden und Osten steigen weiter

Im zweiten Quartal 2018 haben die Immobilienpreise in Hamburg, Hannover, Berlin und Dresden angezogen – wenn auch mit unterschiedlicher Dynamik. Welche Besonderheiten sich daraus für die Finanzierung ergeben, erklärt Frank Lösche, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank

Der US-Präsident sagt mitunter Dinge, die er besser für sich behalten sollte. Diesmal rüffelt er die unabhängige Notenbank Fed, weil diese die Leitzinsen erhöht hat. Seine Sprecherin muss es wieder richten.

mehr ...

Berater

Grundfähigkeiten: Essenziell und schützenswert

Für die meisten von uns ist der Beruf nicht nur die Basis des Lebensunterhalts, sondern auch ein wichtiger Pfeiler der Identität. Kein Wunder also, dass die Absicherung der Arbeitskraft eine höchst individuelle Angelegenheit ist und deshalb von so gut wie allen Experten empfohlen wird.

Die Wald-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

DFV kauft Hotel für weiteren Publikumsfonds

Die DFV Deutsche Fondsvermögen GmbH, eine Tochtergesellschaft der Immac Holding, hat das Rilano Hotel in Oberursel erworben. Es soll Objekt eines weiteren alternativen Investmentfonds (AIF) werden.

mehr ...

Recht

Unerlaubte Geschäfte: Zieht Olaf Scholz die Zügel an?

Die Anzahl der Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Die Gesamtzahl des Jahres 2017 wurde bereits überschritten.

mehr ...