13. September 2016, 14:57
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Autonomes Fahren: Sicherheitsrisiken verschaffen Versicherern mehr Zeit

Sicherheitsrisiken sind nach Einschätzung eines Verkehrsexperten die größte Hürde auf dem Weg zum Roboterauto. “Da wird man noch vieles tun müssen”, erwartet Matthias Klingner vom Fraunhofer-Institut. Die Versicherungswirtschaft dürfte an dieser Prognose Gefallen finden, denn sie würde der Branche wertvolle Zeit verschaffen.

Autonomes Fahren: Sicherheitsrisiken verschaffen Versicherern mehr Zeit

Der menschliche Fahrer sei “besser als vielfach angenommen”, meint der Versicherungsverband GDV: “Immerhin verursacht er nur alle drei Millionen Kilometer oder alle 218 Jahre einen Unfall mit Personenschaden.”

Berechnungen zufolge müsste ein per Computer gesteuertes Fahrzeug rund 300 000 Kilometer ohne Eingriff des Fahrers zurücklegen, um so sicher unterwegs zu sein wie ein durchschnittlicher Fahrer mit seinem Auto, erklärte der Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme in Dresden. Ein selbstfahrendes Auto von Google habe bisher aber lediglich zwischen 1000 und 2000 Kilometer ohne Eingriff des Sicherheitsfahrers zurückgelegt. “Da sieht man die Dimensionen, die dazwischen liegen”, sagte Klingner.

Der Verkehrsexperte spricht daher von einem “großen Zeithorizont”, bis sich neue Technologien wie das autonome Fahren tatsächlich durchsetzen. Der Professor führt dafür als Beispiel E-Mobilität an. Die Erwartung von tausenden Autos auf der Straße habe sich bisher nicht erfüllt.

“Die Mobilität der Zukunft wird nicht so grundsätzlich anders aussehen als heute”

“Die Mobilität der Zukunft wird nicht so grundsätzlich anders aussehen als heute”, so Klingner – zumindest im privaten Bereich. Im öffentlichen Verkehr könnten sich Elektrobusse und -bahnen dagegen rascher durchsetzen. “Batteriebusse sind ein großes Thema heutzutage, da fallen Restriktionen wie die Reichweite nicht so ins Gewicht.” Es sei denkbar, das in etwa acht bis zehn Jahren auch die ersten Busse und Bahnen autonom auf eigenen Linien in den Städten unterwegs seien.

Experten erwarten wachsenden Druck auf Kfz-Versicherer

Die Versicherungswirtschaft dürfte es erfreut zur Kenntnis nehmen, dass Mobilitäts-Experte Klinger bislang noch keine Anzeichen für eine Revolution auf deutschen Straßen zu erkennen vermag. Hintergrund ist, dass die Einführung automatisierter Fahrzeugsysteme den Druck auf die Kfz-Versicherer deutlich erhöhen könnte.  So gehen einige Experten davon aus, dass die Schadenfälle durch den Wegfall des “Faktor Mensch” zurückgehen werden, das Autofahren in Zukunft also sicherer wird und dadurch die Prämien in der Kfz-Versicherung gehörig unter Druck geraten könnten. Dies hätte wiederum negative Folgen für die deutschen Versicherer, die über das Kfz-Versicherungsgeschäft rund 25 Milliarden Euro im Jahr einnehmen und zugleich mit teils hohe Kostenstrukturen operieren müssen.

GDV: Menschlicher Fahrer besser als vielfach angenommen

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin zieht man die These von der “schadenfreien Zukunft” hingegen in Zweifel: “Das hochautomatisierte Fahren birgt sicher Potential, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Aber der menschliche Fahrer ist besser als vielfach angenommen: Immerhin verursacht er nur alle drei Millionen Kilometer oder alle 218 Jahre einen Unfall mit Personenschaden”, teilte ein GDV-Sprecher gegenüber Cash. mit. “Deshalb ist es erst einmal eine Behauptung, dass ein technisches System tatsächlich besser fährt.”

Darüber hinaus seien auch die Risiken der neuen Technologie zu beachten, betont der GDV. Demnach könnten automatisierte Fahrzeuge Angriffsziele von Hackern werden. Ebenso steige das Risiko von Serienfehlern: So könne etwa ein fehlerhaftes Software-Update oder ein Sensor aus einer fehlerhaften Produktionsserie “tausende Fahrzeuge eines Modells betreffen und dementsprechend in kürzester Zeit tausende Schäden verursachen”. (dpa-AFX/lk)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Das dauert noch mindestens 15 – 20 Jahre bis autonomes Fahren richtig “Fahrt” gewinnt.

    Kommentar von Honoro — 13. September 2016 @ 22:37

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Provinzial NordWest: Kerngesund und kraftvoll trotz Orkanschäden

Die Provinzial NordWest hat sich im vergangenen Geschäftsjahr 2018 erneut sehr erfolgreich als wachstums- und ertragsstarker Versicherungskonzern im Markt positioniert. Mit einem Anstieg der gebuchten Beitragseinnahmen um 3,4 % auf 3,46 Mrd. Euro wuchs der zweitgrößte öffentliche Versicherer deutlich über dem Marktdurchschnitt. Der Markt ist in der Schaden-, Unfall- und Lebensversicherung (inkl. Pensionskassen und Pensionsfonds) um 2,3 % gewachsen.

mehr ...

Immobilien

Immobilien: Wann der Käufer Schadensersatz fordern kann

Der vertragliche Haftungsausschluss ist kein Tor zur Narrenfreiheit: In seinem Urteil vom 9. Februar 2018 hat der Bundesgerichtshof geklärt, wann trotz eines vertraglich zugesicherten Haftungsausschlusses des Verkäufers ein Schadenersatzanspruch aufgrund von Sachmängeln bestehen kann (Az.: V ZR 274/16). Ein Beitrag von Philipp Takjas, McMakler

mehr ...

Investmentfonds

“Hoher Investitionsbedarf treibt die Kurse”

Aktien von Infrastrukturunternehmen gelten in Krisenzeiten als deutlich stabiler als der breite Markt. Warum das so ist und welche weitere Vorteile Investments in das Segment Infrastruktur bieten, erklärt Susanne Linhardt, Senior Portfolio Managerin Aktien bei Bantleon, im Gespräch mit Cash.

mehr ...

Berater

Erneut Kritik an der Grundrente durch die Union

Nach Überzeugung von CDU/CSU führt die Grundrente nach dem Konzept der SPD zu einer überproportionalen Besserstellung von Teilzeitbeschäftigten, bevorzugt Partnerschaften nach traditionellem Rollenmodell und sorgt für deutlich höhere Aufwertungen von Renten als im Koalitionsvertrag vorgesehen. Dies geht aus Berechnungen im Auftrag der Union hervor, die der Düsseldorfer “Rheinischen Post” vorliegen.

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R: Insolvenzverwalter holt Immobilien vom Gründer zurück

Im Insolvenzverfahren über das Privatvermögen des Gründers des Container-Anbieters P&R wurde die erste Gläubigerversammlung abgehalten. Der Insolvenzverwalter konnte demnach Vermögenswerte sichern – wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

mehr ...

Recht

BVK: Provisionsdeckel frühestens ab März 2020

Der von der Großen Koalition geplante Provisionsdeckel in der Lebensversicherung wird in diesem Jahr nicht mehr in Gesetzesform gegossen. Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands deutscher Versicherungskaufleute (BVK), geht davon aus, dass das Gesetzesvorhaben nicht vor März 2020 umgesetzt wird. Das teilte er in einer Pressekonferenz des BVK in Kassel mit.

mehr ...