Autoversicherer: Assistenzsysteme senken Schadenkosten kaum

Assistenzsysteme für Autofahrer werden die Schäden im Straßenverkehr nach Einschätzung der Versicherungsbranche in den kommenden Jahren noch nicht wesentlich verringern. Auch gänzlich autonomes Fahren bleibt vorerst Zukunftsmusik.

Im vergangenen Jahr stiegen die Beitragseinnahmen in der Kraftfahrtversicherung um 4,1 Prozent auf 27,0 Milliarden Euro.

Bei den elektronischen Hilfen komme es darauf an, wie diese ausgestaltet seien, sagte der Leiter der Abteilung Kraftfahrtversicherung und Kfz-Technik im Versicherungsverband GDV, Tibor Pataki, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

So hätten schon die ersten Einparkassistenten mit Signaltönen die Schäden „nicht wie erhofft verhindert“. Autofahrer verließen sich auf den Assistenten. „Wenn er wegen eines Defekts oder zu hoher Geschwindigkeit beim Parken nicht richtig funktioniert, passiert dann mehr“, sagte Pataki zur Begründung.

Gänzlich autonomes Fahren – also das Roboterauto ohne Lenker, Brems- und Gaspedal – sei noch Zukunftsmusik. „Bis wir zum autonomen Fahren kommen, wird es noch eine relativ lange Zeit dauern“, machte der Fachmann deutlich. Derzeit gehe es um das hochautomatisierte Fahren.

Automatisierung wird Schadenaufwand senken

„Wir sind gerade in der Phase, wo man den Autobahn-Chauffeur entwickelt und auf die Straße bringen möchte“, erklärte Pataki. Hersteller wollten die kombinierten Systeme mit Abstandhalter, Spurhalteassistent und Tempomat erst einmal nur auf der Autobahn einsetzen.

„Sie ist ideal dafür, dort gibt es keinen Gegenverkehr, keinen Querverkehr und keine anderen Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer oder Fußgänger.“ Solche Systeme müssen aber vom Fahrer überwacht werden.

Eine Studie im Auftrag des GDV kam zu dem Ergebnis, dass je nach Szenario bis zum Jahr 2035 durch automatisierte Autos sieben bis 15 Prozent weniger Schadenaufwand entstehen dürfte. Die 15 Prozent würden erreicht, wenn die Assistenzsysteme bald in relativ vielen Autos eingesetzt würden.

Höhere Kosten für Reparaturen 

Tatsächlich setzten sich die automatisierten Systeme aber „nur langsam im Fahrzeugbestand durch. Sie sind teuer und werden häufig zunächst in der Oberklasse eingeführt“, erläuterte der Technikexperte. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf deutschen Straßen liege bei neun Jahren.

Es gebe Faktoren, die den Schadenaufwand sogar erhöhen könnten. „Geht zum Beispiel die Windschutzscheibe zu Bruch, muss bei einem modernen Wagen mit Videokamera für den Spurhalteassistenten auch die Kamera ersetzt oder zumindest neu kalibriert werden“, sagte Pataki.

Die Kosten für das Fachpersonal dürften höher sein, die Instrumente zur Einstellung der Elektronik kosteten ebenfalls mehr. Im vergangenen Jahr stiegen die Beitragseinnahmen in der Kraftfahrtversicherung um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 27,0 Milliarden Euro.

Seite zwei: Kfz-Versicherung ist „technikneutral“

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