Anzeige
15. März 2018, 06:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

IDD, PRIIP und BIB: Schöne neue Welt der Intransparenz

Aufgrund der europäischen PRIIP-Verordnung muss Kunden seit Jahresanfang vor dem Abschluss von Versicherungsanlageprodukten ein sogenanntes Basisinformationsblatt (BIB) vorgelegt werden. Sinn und Zweck der BIBs ist es, wesentliche Produktinformationen zur Verfügung zu stellen und “dabei zu helfen, die Art, das Risiko, die Kosten sowie die möglichen Gewinne und Verluste dieses Produktes zu verstehen und mit anderen Produkten zu vergleichen”. ​Diesem Anspruch genügen viele BIBs für Fondspolicen leider noch nicht, so Dr. Walter Hubel von der Con.fee AG.

IDD-Solvency-II in IDD, PRIIP und BIB: Schöne neue Welt der Intransparenz

Europäische Verordnungen zu Kapitalanlagen bringen nicht immer eine Verbesserung für Anleger.

Bei Fondspolicen werden bisher mögliche Ablaufleistungen auf Basis von drei bis vier angenommenen Wertentwicklungen berechnet. Diese Hochrechnungen bilden üblicherweise die Grundlage von Vergleichsrechnern, die wiederum von Versicherungsmaklern in der Beratung für den geforderten Marktvergleich eingesetzt werden. Problematisch ist dabei, dass die Versicherungsgesellschaften unterschiedlich rechnen und damit die Vergleichbarkeit einschränkt ist.

Ganze Bandbreite an Ablaufleistungen

Im Gegensatz dazu sind In den BIBs standardisierte Ablaufszenarien vorgesehen. Dem üblichen positiven, mittleren und negativen Szenario wird dabei noch ein extrem negatives Szenario (“Sressszenario”) hinzugefügt. Aufgrund der unterschiedlichen Kostenbelastungen der wählbaren Fonds geben die meisten Gesellschaften statt einer Ablaufleistung pro Szenario eine ganze Bandbreite von Ablaufleistungen an. Kunden erhalten beispielsweise in einem Fall die Information, dass sie bei einer Beitragssumme von 40.000 Euro nach 40 Jahren mit einer Auszahlung zwischen 6.449 Euro und 348.835 Euro rechnen können. In einem anderen Fall wird bei demselben Beispiel sogar eine Ablaufleistung bis zu einem Höchstwert von 654.822 Euro in Aussicht gestellt.

Transaktionskosten von Fonds ausgewiesen

Analog zu den Ablaufszenarien wird auch über die entstehenden Kosten informiert. Positiv zu vermerken ist, dass erstmals auch Transaktionskosten von Fonds ausgewiesen werden. Allerdings weisen diese Werte naturgemäß ebenfalls sehr große Bandbreiten auf. In einem Fall werden sogar mögliche Gesamtkosten nach 40 Jahren ausgewiesen, die rund 16.000 Euro über den Einzahlungen liegen.

Kuriose Hochrechnungen

Kurios wird es, wenn die Hochrechnungen negative Kosten ergeben. Ursache dafür ist die von der europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA vorgegebene Methode zur Berechnung der Transaktionskosten und das Fehlen von dafür benötigten konkreten An- und Verkaufspreisen bei manchen Fondsgesellschaften.

Widersprüchliche Ablauf- und Kostenangaben

Auch wenn negative Kostenangaben in Zukunft aufgrund besserer Daten hoffentlich verschwinden, bleibt die verwirrende Anzahl von zum Teil widersprüchlichen Ablauf- und Kostenangaben zu bemängeln. Wie damit bessere Vergleiche und Entscheidungen von Konsumenten möglich werden sollen, bleibt das Geheimnis der Erfinder der BIB-Vorgaben. Die große Bandbreite von Werten könnte zumindest reduziert werden, wenn die Berechnungen auf Basis der konkret gewählten Fonds erfolgen.

Persönliche Beratung entscheidend

Als Fazit bleibt festzustellen, dass es auch in Zeiten von europäischen Verbraucherschutzvorgaben auf den persönlichen Berater ankommt. Seine Aufgabe ist es umso mehr, Kunden durch den erneut erweiterten Datendschungel zu navigieren und klar und verständlich über zu erwartende Kosten und Renditen von Vorsorgeprodukten aufzuklären. Die con.fee AG liefert hierfür das dafür nötige Know-how.

Autor Dr. Walter Hubel ist Vorstand der Con.fee AG

Foto: Shutterstock

Mehr Beiträge zum Thema Regulierung:

Mifid II und PRIIPs werden Anleger eher verwirren als aufklären

Erst einmal Widersprüche und Fehler in der Regulierung beseitigen

PRIIPs: Der Schluckauf ist weg – aber nicht ganz

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

1 Kommentar

  1. In welcher Größenordnung haftet die con.fee AG gegenüber dem Makler?

    Kommentar von Thomas Oelmann — 16. März 2018 @ 12:56

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Assekuranz 4.0: Wie der Sprung in die Zukunft gelingt

In zehn bis fünfzehn Jahren wird die Branche kaum wiederzuerkennen sein. Welche Änderungen und Herausforderungen auf die einzelnen Geschäftsbereiche jetzt zukommen.

Gastbeitrag von Dr. Holger Rommel, Adcubum AG und Vincent Wolff-Marting, Versicherungsforen Leipzig

mehr ...

Immobilien

Bauboom schließt Lücken auf dem Wohnungsmarkt nicht

Auf dem Bau in Deutschland herrscht Hochkonjunktur – trotzdem mangelt es an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen. Die aktuelle Entwicklung reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken, konstatieren die Immobilienverbände und mahnen weitere Maßnahmen an.

mehr ...

Investmentfonds

Türkei-Krise: Nach 2008 haben sich Anleger viel Hornhaut zugelegt

Die Währung ist der Aktienkurs eines Landes. Angesichts des aktuellen dramatischen Verfalls der türkischen Lira haben wir es also mit einem “Mega-Aktiencrash” zu tun. Dabei war das Land früher ein wahrer Outperformer, ein Aktienstar. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident ab 2002 hat ein gewisser Herr Erdogan eine marode türkische Volkswirtschaft mit harten Wirtschaftsreformen in eine blühende Landschaft verwandelt. Doch dann wiederholten sich die typischen Fehler von Schwellenländern. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Neue Bestmarke von Fonds Finanz

Der Münchner Maklerpool Fonds Finanz meldet einen positiven Verlauf für das Geschäftsjahr 2017 mit erneut gestiegenem Umsatz.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt-Börse forciert ihre Erstmarkt-Aktivität

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG hat ihre Website Erstmarkt.de einem Relaunch unterzogen und unternimmt einen Neustart mit zunächst fünf Fonds. Zielsetzung ist der Online-Vertrieb neuer Publikums-AIFs.

mehr ...

Recht

Umsatzsteuerkartell aufgeflogen – Betrug im größten Stil

Jahrelang wurde ermittelt. Nun wird ein Riesenerfolg im Kampf gegen Steuerhinterziehung vermeldet. Die Betrüger hatten es auf einen begehrten Rohstoff abgesehen. Der Schaden könnte mehrere 100 Millionen Euro betragen.

mehr ...