28. November 2019, 11:28
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Barmer Pflegereport 2019: Deutscher Pflegemarkt steht vor Umbruch

Auf dem deutschen Pflegemarkt gibt es immer häufiger betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften. Doch im Vergleich zum Pflegeheim sind diese Wohnformen um knapp 400 Millionen Euro teuerer. Einer Qualitätssicherung unterliegen sie nicht, mit entsprechenden Folgen für die Bewohner und die Qualität der Versorgung. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Barmer-Pflegereport 2019 hervor.

Straub Barmer-GEK in Barmer Pflegereport 2019: Deutscher Pflegemarkt steht vor Umbruch

Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer fordert die Politik zum Handeln auf. “Zeitnah Qualitätsmaßstäbe für neue Wohn- und Pflegeformen entwickeln.”

Aktuell leben in diesen Einrichtungen bereits 181.000 Pflegebedürftige, 150.000 davon in betreutem Wohnen. „Immer mehr Menschen entscheiden sich als Alternative zum Pflegeheim für betreutes Wohnen oder Pflege-Wohngemeinschaften. Diese Wohnformen sind für die Bewohner und Betreiber zwar finanziell attraktiv, unterliegen aber keinem Qualitätssicherungsverfahren wie die Heime. Daher müssen nun zeitnah Qualitätsmaßstäbe für neue Wohn- und Pflegeformen entwickelt werden“, so Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer. Außerdem müssten die Bundesländer schnell für transparente Übersichten über die Angebote vor Ort und deren Qualität sorgen.

Trotz Mehrausgaben –  kein Plus an Pflegequalität

Aktuell existierten bundesweit bis zu 8.000 betreute Wohnanlagen und 4.000 Pflege-Wohngemeinschaften. Etwa jede dritte dieser Anlagen sei in den letzten zehn Jahren entstanden. Allein im Jahr 2018 seien weitere 340 Anlagen des betreuten Wohnens mit 10.000 Pflegeplätzen in Bau oder zumindest in Planung gewesen.

„Wer sich für betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft entscheidet, sucht vor allem mehr Lebensqualität im Vergleich zu einem Heim. Doch dabei darf die Qualität der Pflege nicht auf der Strecke bleiben“, so Straub.

Der Report zeige, dass betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften im Vergleich zu Pflegeheimen nicht mit mehr Pflegequalität aufwarten könnten. Indizien dafür seien zum Beispiel weniger Arztkontakte.

Während 86,6 Prozent der Pflegeheimbewohner einmal im Monat ihren Hausarzt sähen, wäre dies in betreutem Wohnen und in Wohngemeinschaften nur bei rund 80 Prozent der Bewohner der Fall. Neue Fälle von Wundliegen, dem sogenannten Dekubitus, seien in betreutem Wohnen zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim.

Zugleich müssten 3,6 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich eigentlich ambulant sehr gut behandeln ließen. In Pflegeheimen träten nur 2,4 Prozent solcher Fälle je Monat auf.

Als Ursache dafür sieht die Barmer vor allem das Fehlen gleichartiger Qualitätsanforderungen. „Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen“, so Straub.

Außerdem sollten die Länder generell für die Pflege die Aufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. Dazu benötigten die Pflegebedürftigen und ihre Familien Übersichten über Angebote, deren Qualität und Anbieter.

 

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2 Kommentare

  1. Herr Straub
    Können Sie sich vorstellen das vielleicht alle Alten und Pflegeheime chronisch unterbezahlt sind ??????????
    Und das seit Jahrzehnten.

    Können Sie sich vorstellen das Senioren in Betreuten-Wohnen selbst entscheiden können wann und wie sie sich Pflegen lassen wollen. gilt auch für WG’s .

    Herr Straub ,Senioren und Krankenpflege werden SIE nicht mehr für kleines Geld bekommen.

    Heinz Vogel
    unabhängiger Sachverständiger im Gesundheitswesen
    Staatl.anerkannter Krankenpfleger
    Verantwortliche Pflegefachkraft

    Kommentar von Heinz Vogel — 30. November 2019 @ 20:07

  2. Diese Darstellung von der Barmerkrankenkasse ist völlig falsch und sachlich total unqualifiziert.
    In sehr gut organisierten Betreutenwohnanlagen gibt es sehr gute Qualifizierte Amb. Krankenpflegedienste die Jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen überwacht werden und sehr strenge Qualitätskontrolle durchgeführt werden.

    Auch Besuche durch den Hausarzt finden regelmäßig in Zeitraum
    Zwischen ein und zwei Wochen statt.

    Bei Notfällen sogar tägliche Arztbesuche !!!!!!!!

    Die Barmerkrankenkasse sollte die Bericht der M D K Kontrollen
    Über die stationären Pflegeeinrichtungen besser Studieren und wahrnehmen dann würde die merken.das die Pflegeheime nur noch Pflege der Grundversorgung leisten können.
    Fragen Sie doch mal in den Kliniken nach wie viel Einweisungen aus Pflegeheimen kommen und an Exikose ,mangelernährt ect.ect.
    Selbst ein Urinverweillkath.muss in der Klinik gewechselt werden
    Und so weiter.
    Der Barmer-pflegebericht 2019 ist sachlich falsch und nicht Kompetent !!!!!!

    Ihr
    Heinz k.Vogel
    Unabhängiger Sachverständiger im Gesundheitswesen
    Staatlich anerkannter Krankenpfleger

    Kommentar von Heinz Vogel — 28. November 2019 @ 22:08

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