26. Juli 2019, 13:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Krankenversicherung: Trend geht zum Vollkaskoschutz

Steigende Jahresentgeltgrenze, Wiedereinführung der Beitragsparität und Hamburger Modell: Die politisch gesteckten Rahmenbedingungen für das Neugeschäft der privaten Krankenvollversicherung waren auch 2018 alles andere als rosig. Doch trotz dieses schwierigen Marktumfelds konnte die Branche im vergangenen Jahr ihr Bruttowachstum in der Vollversicherung erstmals seit 2011 um 4.100 Personen auf 284.600 erhöhen.

Pkv-folgeversicherung in Krankenversicherung: Trend geht zum Vollkaskoschutz

Das positive Resultat wird jedoch durch den Bestandsabrieb von 17.100 Personen beziehungsweise 0,2 % geschmälert. Positiv ist zudem, dass die Beitragsanpassungen zu Jahresbeginn 2019 relativ moderat ausfielen.

Im Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020 zeichnet die ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur ein aktuelles Bild über die Situation und Stimmung in der privaten Krankenversicherung, der Lebensversicherung sowie der Schaden-/Unfallversicherung. Interessenten können den 75-seitigen Bericht auf der Internetseite www.assekurata.de gegen eine Schutzgebühr von 1.050 €zzgl. MwSt. erstehen.

Beiträge in der Pflege(zusatz)versicherung dürften erneut steigen

Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Beitragsanpassung im Bestand der Beihilfe- und Nicht-Beihilfetarife nochmals geringer aus. Im Durchschnitt der von Assekurata gerateten Krankenversicherer erhöhten sich die Beiträge im Beihilfesegment um 1,6 % und im Nicht-Beihilfebereich um 2,6 %.

Allerdings muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass die Nicht-Beihilfeberechtigten bei ihrer Pflegepflichtversicherung (PPV) wie schon 2017 deutliche Beitragssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen mussten.

„Ein Grund hierfür war die Absenkung des Rechnungszinses von 3,30 % auf 2,50 %, die sich in der zinssensitiven Pflegeversicherung besonders bemerkbar macht. Und für das kommende Jahr deutet sich erneut eine Beitragserhöhung an“, prophezeit Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata und Autor der Untersuchung.

„Diese dürfte insbesondere die Beihilfeempfänger treffen, da der Rechnungszins in deren PPV immer noch bei 3,30 % liegt.“

Immer mehr „Vollkaskotarife“ in Zahn und Pflege

Die Kölner Analysten rechnen aber auch in der Pflegeergänzungsversicherung mit Beitragssteigerungen, was das Neugeschäft noch weiter erschweren dürfte. Denn nach dem Wachstumseinbruch 2017 von -40 % sind 2018 mit 93.100 Policen abermals weniger Verträge als im Vorjahr hinzugekommen.

Unter anderem dank der zunehmenden Wachstumsdynamik in der betrieblichen Krankenversicherung (+12,6 %) kann die Branche diesen Rückgang kompensieren, so dass das Ergänzungsversichertengeschäft mit einem Plus von 2,0 % insgesamt weiter anzieht. Auf die sinkende Nachfrage im Pflegesegment antworten die Krankenversicherer mit neuen, flexiblen Produkten.

So führt fast die Hälfte der Marktteilnehmer inzwischen Policen im Sortiment, bei denen zumindest ab Pflegegrad 2 sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Pflege 100 % des vereinbarten Tagessatzes gezahlt werden und die Leistungshöhe in den einzelnen Pflegegraden individuell vereinbart werden kann.

“Damit sind Zusatzversicherte theoretisch besser abgesichert als Vollversicherte”

Auch im Bereich der Zahnzusatzversicherung geht der Trend hin zur „Vollkaskoabsicherung“. Während dies in der Vollkostenversicherung die absolute Ausnahme im Markt darstellt (ein Anbieter), nimmt die Zahl der Unternehmen mit Zahntarifen für gesetzlich Krankenversicherte ohne Eigenbeteiligung bei Zahnersatz, also einer 100-%-Absicherung, kontinuierlich zu. Im Juni 2019 waren dies neun Anbieter – Tendenz steigend.

„Damit sind die Zusatzversicherten theoretisch besser abgesichert als die Vollversicherten“, konstatiert Reichl. „Aus unserer Sicht ist diese Entwicklung jedoch weniger einer tatsächlich steigenden Nachfrage auf Kundenseite geschuldet, sondern rührt vielmehr aus der Motivation der Anbieter, mit Hilfe dieser Produkte bei entsprechenden Produkt- und Vergleichstests weit vorne zu stehen.“

So sind die 100-%-Tarife im Schnitt fast 50 % teurer als die Varianten mit Erstattungssätzen von 85 % beziehungsweise 90 %. „Es bleibt abzuwarten, ob Kunden tatsächlich in großer Zahl bereit sein werden, den entsprechenden Mehrbeitrag zu investieren“, so Reichl.

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Grundrente für 100 000 Menschen weniger

Weniger Menschen mit kleinen Renten als ursprünglich geplant sollen von der geplanten Grundrente profitieren. Im Einführungsjahr 2021 sollen es 1,3 Millionen Menschen sein – zuletzt war das Bundesarbeitsministerium von 1,4 Millionen ausgegangen. Auf die Rentenversicherung dürften Verwaltungskosten von mehreren hundert Millionen Euro zukommen. Das geht aus dem Referentenentwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

mehr ...

Immobilien

Bundesbank sieht in Deutschland weiterhin überhöhte Immobilienpreise

Die Bundesbank sieht trotz eines schwächeren Preisanstiegs im vergangenen Jahr nach wie vor ein überhöhtes Preisniveau am Immobilienmarkt in Deutschland. Auch wenn sich die Preisdynamik in den Städten 2019 abgeschwächt habe, hätten die Preise das fundamental gerechtfertigte Niveau weiterhin übertroffen, schreiben die Währungshüter in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht.

mehr ...

Investmentfonds

Nachhaltigkeit hört auf, wenn die Rendite sinkt

Ökologische Nachhaltigkeit hört bei vielen Deutschen auf, wenn es um das eigene Bankkonto geht. Das zeigt eine neue Umfrage der Unternehmensberatung BearingPoint. Deutsche sind dabei im Vergleich an grünen Finanzprodukten deutlich weniger interessiert als Österreicher und Schweizer.

mehr ...

Berater

UDI-Emission “te Solar Sprint IV” vor dem Totalverlust?

Die Emittentin der im Oktober 2016 aufgelegten Vermögensanlage “te Solar Sprint IV” warnt vor der Gefahr eines vollständigen Forderungsausfalls eines ausgereichten Nachrangrangdarlehens. Den Anlegern droht dann wohl der Totalverlust ihres Investments.

mehr ...

Sachwertanlagen

Hep tütet 600 Megawatt Solar-Projektvolumen in den USA ein

Hep, ein baden-württembergisches Unternehmen für Solarparks und Solarinvestments, erweitert die Aktivitäten in den USA und hat sich mit dem lokalen Projektentwickler Solops auf eine zu entwickelnde Gesamt-Kapazität von 600 Megawatt in den nächsten drei Jahren geeinigt.

mehr ...

Recht

Viele Betriebsrentner müssen auf Entlastung bei Beiträgen warten

Hunderttausende Betriebsrentner müssen voraussichtlich noch Monate auf eine Entlastung bei den Sozialbeiträgen warten. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

mehr ...