22. August 2019, 08:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Pflegekosten: Nur jeder Zweite wäre bereit, Einkommen und Rücklagen zur Finanzierung einzusetzen

Zwei Drittel aller Deutschen unterschätzen den Anteil, den man für professionelle Pflege aus eigener Tasche bezahlen muss, so eine repräsentative Umfrage. Knapp jeder Zweite meint, dass die gesetzliche Pflegeversicherung alle Kosten trägt – ein fataler Irrtum.

Shutterstock 1018560442 in Pflegekosten: Nur jeder Zweite wäre bereit, Einkommen und Rücklagen zur Finanzierung einzusetzen

Muss man für einen vollstationären Platz in einem Pflegeheim Geld aus eigener Tasche beisteuern? Knapp jeder zweite Deutsche (43 Prozent) meint: Nein, die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt alle Kosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kantar Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank.

Bundesbürger irren sich: Volle Kostendeckung wird nicht gewährleistet

Damit liegen die Bundesbürger jedoch falsch: „Zwar zahlen Berufstätige und Rentner Beiträge in die gesetzliche Pflegeversicherung ein, diese ist jedoch grundsätzlich nicht auf volle Kostendeckung ausgelegt – das heißt, dass von ihr nur Zuschüsse zu den tatsächlichen Pflegekosten geleistet werden“, erklärt Anja Maultzsch von der Postbank.

„Für diesen Eigenanteil müssen Pflegebedürftige im Bedarfsfall nicht nur ihre Rente, sondern auch vorhandene Ersparnisse und Vermögenswerte einsetzen. Besitzen sie etwa Wohneigentum, müssen sie es unter Umständen verkaufen, um die Pflegekosten zu begleichen.“

Nur zwei von drei Menschen wollen Einnahmen und Ersparnisse einsetzen

Laut Postbank Umfrage sind zwei von drei Deutschen (66 Prozent) bereit dazu, ihre laufenden Einnahmen und Ersparnisse für die Finanzierung ihrer Pflege zu nutzen.

Knapp jeder Zweite (46 Prozent) findet es allerdings nicht richtig, dass dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Reichen die Mittel des Pflegebedürftigen nicht aus, sind seine Kinder dazu verpflichtet, die Kosten im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten zu tragen.

Dies betrifft allerdings nur Berufstätige mit einem persönlichen Jahreseinkommen von 100.000 Euro brutto und mehr – so eine neue gesetzliche Regelung.

Ausreichend vorsorgen

Laut Berechnungen des Verbands der Privaten Krankenversicherung beträgt der von den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu tragende Eigenanteil für vollstationäre Pflege im Bundesdurchschnitt rund 1.800 Euro pro Monat, Tendenz steigend.

Je nach Bundesland schwankt der zu zahlende Beitrag, da personelle Ausstattung und Personalkosten unterschiedlich hoch sind. Mit über 2.300 Euro ist Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter, vergleichsweise gering fällt der Eigenanteil in Sachsen mit rund 1.200 Euro aus.

Viele Teilnehmer der Postbank Umfrage, die nicht von einer Kostendeckung durch die gesetzliche Pflegeversicherung ausgehen, schätzen den zu leistenden Eigenanteil viel zu niedrig ein: 41 Prozent gehen davon aus, dass sie weniger als 1.000 Euro monatlich für einen vollstationären Pflegeplatz hinzuzahlen müssen.

Pflegekosten fürfen nicht unterschätzt werden

„Es ist wichtig, die Pflegekosten realistisch einzuschätzen, weil man nur dann angemessen vorsorgen kann“, meint Anja Maultzsch. „Zwar geben 59 Prozent der Befragten an, privat für die Pflege im Alter vorzusorgen, da jedoch zwei von drei Deutschen den Eigenanteil – zum Teil massiv – unterschätzen, ist es möglich, dass diese Aussage für viele nur ein Lippenbekenntnis ist.“

36 Prozent derjenigen, die privat für die Pflegekosten vorsorgen, schaffen oder erhalten Vermögenswerte für diesen Zweck; 33 Prozent sparen oder verwahren Ersparnisse. 22 Prozent geben an, dass sie über eine private Pflegeversicherung verfügen.

Als Begründung für mangelnde Vorsorge wird besonders häufig angeführt, dass Geld fehle (48 Prozent), dass der Staat sich darum kümmern solle (44 Prozent) und dass es ausreiche, wenn die Befragten in die gesetzliche Pflegeversicherung eingezahlt hätten (38 Prozent).

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Concordia Versicherungen leiten Vorstandswechsel ein

Bei den Concordia Versicherungen kündigt sich für 2020 ein Führungswechsel an: Nach über 25 Jahren, davon 18 Jahre an der Spitze der Concordia, wird Dr. Heiner Feldhaus zum 29. Februar 2020 die Leitung des Konzerns übergeben und sich in den Ruhestand verabschieden.

mehr ...

Immobilien

Wo Düsseldorf Köln beim Immobilienkauf abhängt – und umgekehrt

Welche rheinische Großstadt liegt beim Immobilienkauf vorne: Düsseldorf oder Köln? Der Baufinanzierer Hüttig & Rompf analysiert in seinem neuen Marktreport „Immobilienfinanzierung Köln / Düsseldorf“ die typischen Käufer in beiden Städten. 
mehr ...

Investmentfonds

Geldanlage: Nur jeder Zehnte ist mit der Rendite voll zufrieden

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen ist unzufrieden mit der aktuellen Wertentwicklung ihrer Geldanlage. Viel wichtiger als die Rendite, ist den Anlegern das Thema Sicherheit ihrer Investition. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage von Exporo zum Thema „Anlageverhalten in der Niedrigzinsphase”.

mehr ...

Berater

Zinstief drückt Bankgewinne – womöglich Strafzinsen für mehr Kunden

Das Zinstief wird zur Dauerbelastung für Deutschlands Banken und Sparkassen – und könnte bald auch zu Lasten von mehr Kunden gehen. Ein weiterer Rückgang der Gewinne der Institute in den nächsten Jahren sei “sehr wahrscheinlich”, stellten die Finanzaufsicht Bafin und die Deutsche Bundesbank am Montag fest.

mehr ...

Sachwertanlagen

PATRIZIA erwirbt Wohnanlage in Aarhus, Dänemark

Die PATRIZIA AG, der globale Partner für paneuropäische Immobilieninvestments, hat zusammen mit Universal-Investment im Auftrag der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) ein Wohnbauprojekt mit 136 Einheiten im dänischen Aarhus erworben. Der Ankauf erfolgte im Rahmen einer off-market Transaktion. Verkäufer ist ein Konsortium privater Investoren.
mehr ...

Recht

ifo Institut sieht Licht und Schatten im Klimapaket

Das ifo Institut sieht im Klimapaket Licht und Schatten. Die CO2-Bepreisung über Zertifikate sei der richtige Weg. Die Vorgabe von festen CO2-Preisen bis 2025 sei jedoch mit einem funktionierenden Zertifikatesystem unvereinbar. Ein Kommentar von Clemens Füst, Präsident des ifo Instituts.

mehr ...