18. Februar 2019, 16:25
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Versicherer glauben nicht an Renteninfoportal

Die deutschen Versicherer sehen die Große Koalition beim Renteninformationsportal vor einer schwierigen Aufgabe. 70 Prozent der von MLP befragten Gesellschaften bezweifeln, dass die Bundesregierung bis 2021 das im Koalitionsvertrag vereinbarte Portal zur Altersvorsorge einführt. Es gibt eine fast unüberwindliche Hürde.

MLP-Manfred-Bauer in Versicherer glauben nicht an Renteninfoportal

Manfred Bauer, MLP: “Herausforderung für den Gesetzgeber ist nicht zu unterschätzen.”

Der Finanzdienstleister MLP aus Wiesloch hat Lebens- und Rentenversicherer im Rahmen einer repräsentativen Studie erneut zum geplanten Renteninformationsportal befragt. Das zuvor bereits öffentlich diskutierte Vorhaben hatte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag für die laufende Legislatur festgeschrieben. Mit dem geplanten Online-Portal sollen Bürger schnell und einfach einen Überblick über ihre zu erwartenden Bezüge aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge erhalten.

Weniger Zuspruch zu einer Beteiligung seitens der Versicherer

Die Zahl der befragten Versicherer, die sich zu einer Beteiligung am Renteninformationsportal bekennen, ist zurückgegangen – von 89 Prozent im Jahr 2017 auf inzwischen 79 Prozent. Zugleich glauben nur zehn Prozent der Unternehmen, die Große Koalition werde das Renteninformationsportal wie geplant bis 2021 umsetzen, während 70 Prozent dies für unrealistisch halten. Dabei halten die befragten Entscheider ein solches Portal weiterhin für wichtig, um die Bürger bei der Altersvorsorge zum Handeln zu bewegen: Rund 90 Prozent sehen eine transparente Information über den Stand der Altersvorsorge hierfür als Voraussetzung.

“Die geplante Einführung eines säulenübergreifenden Renteninformationsportals ist aus Verbrauchersicht weiterhin zu begrüßen. Gleichwohl ist die Herausforderung für den Gesetzgeber und andere Beteiligte – wie auch unsere Studie zeigt – nicht zu unterschätzen”, sagt Manfred Bauer, Produktvorstand bei MLP.

Vergleichbarkeit als größte Hürde

Die größte Hürde bei der Einführung sei nach Einschätzung der Versicherer die Vergleichbarkeit der verschiedenen Produkte über die drei Säulen der Altersvorsorge hinweg. Demnach schätzen 60 Prozent der Befragten, dass ein aussagekräftiger Vergleich beispielsweise von gesetzlicher Rente, Betriebs- und Riester-Rente nur mit erhöhtem Aufwand möglich oder nahezu unmöglich sei.

“Die Herausforderungen reichen von den völlig unterschiedlichen Konstruktionen der jeweiligen Vorsorgelösungen bis hin zu den Schnittstellen mit einer Vielzahl von Datenlieferanten”, sagt Manfred Bauer. Als Versicherungsmakler unterhält MLP technische Verbindungen zu mehr als 500 Produktpartnern, davon 30 in der Altersvorsorge.

Schrittweise Umsetzung könnte helfen

Ein Weg, mit den großen Herausforderungen umzugehen, könnte eine schrittweise Umsetzung sein: 60 Prozent befürworten, die verschiedenen Produktklassen nach und nach in das Portal aufzunehmen. Der Schutz der Kundendaten hingegen ließe sich mit einem gewissen Aufwand meistern, schätzen 60 Prozent der Befragten.

Die Blockchain-Technologie bietet grundsätzlich die Chance, IT-Sicherheit, Datenschutz und automatisierten Datenaustausch miteinander zu vereinbaren. Dass ein zukünftiges Renteninformationsportal auf einer Blockchain basiert, können sich 30 Prozent der befragten Versicherungsgesellschaften vorstellen. Weitere 60 Prozent wollten in diesem frühen Entwicklungsstadium noch keine Aussage treffen. (fm)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Eine säulenübergreifende Betrachtung ist nicht notwendig und auch seriös nicht möglich. ” Fakten addieren (Gesetzlich und Privat) kann wohl jedermann der die Grundschule hinter sich hat. Wie man ein gesetzliche Rentenversicherung mit Umlagesystem, die mit 100% Sicherheit in der heutigen Form nicht mehr lange existieren wird, mit einer völlig rückgedeckten Privaten Versorgung in Einklang bringen kann, ist wohl nur Politikern und den zuliefernden Beamten (mit Pensionen-die weit davon entfernt sind bezahlbar zu sein) einleuchtend. Das ist definitiv der Unterschied von Träumereien zur Realität!

    Kommentar von Wilfried Strassnig Versicherungsmakler — 19. Februar 2019 @ 12:43

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