„Makler sollten die Bereiche Leben und Altersvorsorge nicht vernachlässigen“

Cash. Interview mit Christian Nuschele, Leiter des Vertriebs von Standard Life Deutschland und Österreich, über die Umsetzung der Brexit-Pläne, die Flucht der Makler in die Sachversicherung und die Folgen eines Provisionsdeckels in der Lebensversicherung

Christian Nuschele

Wie ist 2019 für Standard Life verlaufen? 

Nuschele: 2019 war ein sehr wichtiges Jahr für Standard Life. Wir haben im März das Mammut-Projekt Brexit erfolgreich abgeschlossen und dadurch wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Die Umsetzung der Brexit-Pläne hat einen Großteil unserer personellen Ressourcen gebunden. Man kann durchaus sagen, dass wir seit dem Referendum sehr stark mit uns selbst bzw. mit den Anforderungen von Aufsichtsbehörden und Gerichten beschäftigt waren. Seit der erfolgreichen Umsetzung können wir wieder sehr intensiv an gezielten Verbesserungen der Produktpalette, an neuen Produkten sowie an neuen Services für unsere Vertriebspartner arbeiten. Einige unserer Partner waren recht zurückhaltend. Jetzt haben wir wie versprochen geliefert, und in den vergangenen Monaten sahen wir deutlich, dass das Vertrauen zurück ist und die Geschäfte anziehen.

Im März 2019 hat das oberste schottische Zivilgericht genehmigt, dass die deutschen und österreichischen Verträge auf die irische Standard Life International DAC übertragen werden. Sind die deutschen Kunden damit endgültig „Brexit-fest“ oder sind noch weitere Maßnahmen erforderlich?

Nuschele: Es sind keine weiteren Maßnahmen notwendig. Wir wollten für unsere Kunden möglichst schnell Rechts- und Planungssicherheit schaffen. Darüber hinaus wollten wir eine Lösung installieren, die für Kunden und Vertriebspartner möglichst wenige Änderungen bringt. Beide Ziele haben wir mit der erfolgreichen Übertragung auf die Standard Life International DAC erreicht. Im Übrigen haben wir uns dadurch auch unabhängig von der weiteren politischen Entwicklung in Großbritannien und den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien gemacht. Daher konnten wir die politischen Turbulenzen der vergangenen Monate recht entspannt verfolgen. Persönlich würde ich mir aber dennoch wünschen, dass es jetzt möglichst schnell zu klaren Regelungen kommt, wie die künftige Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien aussieht.

Künftige Lebensversicherungskunden müssen sich auf einen geringeren Garantiezins einstellen. „Wir schlagen dem Bundesfinanzministerium vor, den Höchstrechnungszins ab 1. Januar 2021 für Neuverträge auf 0,5 Prozent festzulegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung, Guido Bader. Bedeutet das aus Ihrer Sicht das endgültige Aus für die klassische Lebensversicherung? 

Nuschele: Ich glaube, dass es immer noch Kunden geben wird, die sich für ein klassisches Lebensversicherungsprodukt entscheiden werden. Aber wir sehen ja bereits jetzt, dass klassische Produkte eigentlich keine große Rolle mehr spielen, weil sie aus Sicht der meisten Kunden nicht mehr attraktiv sind, aber auch von den Gesellschaften nicht mehr angeboten werden. Sie machen heute nur noch zehn Prozent des Neugeschäfts aus. Klassische Produkte werden mehr und mehr in einer Nische verschwinden, während moderne, renditeorientierte Produkte im Gegenzug weiterhin stark an Bedeutung gewinnen werden. Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Eine weitere Garantiezinssenkung wird diesen Trend ohne Zweifel weiter beschleunigen.

Der endgültige Durchbruch der Fondspolicen am deutschen Markt lässt aber weiter auf sich warten. Was macht Sie zuversichtlich, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird? 

Nuschele: Zunächst einmal gibt es fondsgebundene Lebensversicherungen seit fast 40 Jahren in Deutschland. Sie sind kein Trend, sondern ein fester Bestandteil der Versicherungslandschaft. Nahezu alle Umfragen zeigen, dass das das Stimmungsbild für die fondsgebundene Altersvorsorge bei Vermittlern und Versicherern äußerst positiv ist und die Fondspolice als Hoffnungsträger gesehen wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren stärkere Zuwachsraten sehen werden. Der Grund dafür ist einfach: Für eine erfolgreiche Altersvorsorge muss das Produkt auch in Zeiten niedriger Zinsen eine ausreichend hohe Rendite liefern. Dies können aus meiner Sicht nur Fondspolicen leisten. Andere moderne, vermeintlich renditestarke Produkte wie Indexpolicen oder auch die „Neue Klassik“ haben mit ähnlichen Problemen wie klassische Produkte zu kämpfen und sind in ihren Renditeaussichten ebenfalls limitiert. Ich denke, dass die Berater ihre Kunden darauf unbedingt aufmerksam machen sollten.

Seite zwei: „Für einen Provisionsdeckel besteht keine Notwendigkeit“

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